Ausstellungs-Eröffnung

Blick auf avantgardistische Künstlerinnen

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Tondern/Tønder
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Unter den ausgestellten Werken fand auch Franciska Clausens berühmtes Bild „Fisken“ aus dem Jahre 1926 großes Interesse. Bis zum 2. Juni dauert die Ausstellung im Tonderner Kunstmuseum. Foto: Volker Heesch

Riesenandrang herrschte bei der Eröffnung der Ausstellung „Kvindernes Surrealisme“ im Kunstmuseum in Tondern. Dort gibt es unter anderem Werke von Franciska Clausens, Rita Kernn-Larsen und Elsa Thoresens zu bestaunen.

„Wir besitzen hier im Tonderner Kunstmuseum eine große Sammlung surrealistischer Kunst mit Hauptwerken bekannter Maler wie Wilhelm Freddie. Im Museum Sønderjylland können wir aber auch stolz sein auf die Werke der wichtigsten dänischen Surrealistinnen“, erklärte die für moderne Kunst zuständige leitende Mitarbeiterin, Anne Blond, bei der Begrüßung der über 100 Kunstinteressierten, die kaum Platz im Museumscafé fanden. „Wir haben es hier mit einer Art Wiederentdeckung der dänischen Surrealistinnen zu tun“, so Anne Blond, und erinnerte daran, dass Franciska Clausen, Rita Kernn-Larsen und Elsa Thoresen in der 1920er bis 1940er Jahre avantgardistische Künstlerinnen gewesen sind. In einer Zeit, als den Frauen die Rolle als Hausfrau und Mutter zugewiesen wurde, eroberten sich die drei Surrealistinnen die Position als schaffende Künstlerinnen anstelle der vorherrschen Rolle als Kunstobjekt.

Dank an Stiftungen

Anne Blond dankte einer Reihe von Stiftungen, die die Ausstellung in Tondern und die Herausgabe des Ausstellungskatalogs ermöglicht haben. Der Katalog erhält mehrere sehr lesenswerte Beiträge von Søs Bech Ladefoged und Morten La Cour.

Professorin em. Birgitte Possing erinnerte in ihrer Rede zur Ausstellungseröffnung an den langen, mühsamen Weg der Frauen zur Gleichberechtigung besonders in der von patriarchalischen Strukturen geprägten Kunst, in der oft Frauen lächerlich gemacht wurden sind. Foto: Volker Heesch

Søs Bech Ladefoged unterstreicht, dass sich die drei Künstlerinnen, denen die Ausstellung in Tondern gewidmet ist, in der Kunstgeschichte verewigt hätten. Dennoch seien sie neben ihren männlichen Kollegen eher in Vergessenheit geraten. Franciska Clausen und Rita Kernn-Larsen erhielten ihre entscheidende künstlerische Ausbildung in Paris an der l´Acadáemie Moderne bei Fernand Léger, während die ebenfalls in Tondern vertretende amerikanisch-norwegische Künstlerin Elsa Thoresen in Oslo und Brüssel studiert hat.

Herabwürdigung durch männliche Kollegen

Bezeichnend für die künstlerische Laufbahn der Surrealistinnen ist die von Franciska Clausen selbst beschriebene Herabwürdigung durch männliche Kollegen. „In Kopenhagen geriet ich rasch in die dänische Runtermachmafia, angeführt von den Herrschaften Morten und Bille. Sie ertrugen mich nicht in ihrer Nähe“, schrieb sie und verarbeitete ihrer Erlebnisse im Werk „Land der kalten Schultern“.

Und so kann man im Beitrag über Francisca Clausen auch lesen, dass viele ihrer interessanten Werke nicht einmal gerahmt sind und in den Magazinen verborgen liegen.

Professorin Birgitte Possing, die sich als Geschlechterforscherin u. a. mit übersehenen Frauen und Widerstand gegen Frauen beispielsweise als Ärztinnen in Dänemark befasst hat, zählte frauenfeindliche Ausfälle diverser bekannter Dänen wie Carl Nielsen oder bekannter Politiker wie Knud Kristensen (V) auf und mahnte: „In Dänemark geht es nicht so gleichberechtigt zu, wie man es sich hier gerne einbilde.“ Nicht allein seien sehr wenige Frauen als Bürgermeisterinnen im Amt. Man habe auch herausgefunden, dass unter den „Bestimmer“ im Lande die Frauen nur einen Anteil von einem Fünftel hätten. Man könne seit einiger Zeit eine Stagnation auf dem Weg zur Gleichberechtigung beobachten.

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