Kunstwebschule Scherrebek

Ein Bildteppich kehrt zurück

Ein Bildteppich kehrt zurück

Ein Bildteppich kehrt zurück

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Tuk Andreasen, Elsemarie Dam-Jensen und Anne Marie Overgaard (v. l.). Foto: Monika Thomsen

Das kulturgeschichtliche Museum in Tondern hat die Gelegenheit genutzt und einen Bildteppich erstanden – es soll sich um einen echten Scherrebeker handeln, der jahrelang in Familienbesitz gewesen ist.

Mit „Birken im Herbst“ handelt es sich bei dem Neuerwerb des Freundeskreises des kulturgeschichtlichen Museums in Tondern zwar nicht um ein riesiges Werk. Dennoch ist die Freude über den Neuzugang im Bereich der Scherrebeker Bildteppiche groß. „Sie sind sehr selten im Handel. Das Interessante und Besondere an diesem Bildteppich ist, dass er aus Scherrebek stammt und stets in Familienbesitz gewesen ist und wir somit wissen, dass er echt ist“, erklärt Museumsinspektorin Elsemarie Dam-Jensen. Die Kunstwebschule in Scherrebek existierte von 1896 bis 1905.

Ein Mann aus Hamburg wurde bei dem Museum in Tondern vorstellig, da der längliche Wandteppich seinerzeit Willi Reese, seinem Großvater väterlicherseits gehört hat, der Postmeister in Scherrebek war. Er verließ den Westküstenort 1915 im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg. Die Familie geht davon aus, dass der Bildteppich ein Hochzeitsgeschenk gewesen ist, als Willi Reese und seine Frau sich 1905 in der Kirche zu Reisby das Jawort gaben. 113 Jahre später hielt der Enkel die Zeit für eine Rückkehr des Bildteppichs an die Westküste reif. Der Freundeskreis des Museums schlug gleich zu und tätigte den Kauf für 19.000 Kronen. „Das ist eine Ergänzung zu unserer bestehenden Sammlung von 14 Bildteppichen“, erläutert Dam-Jensen.

Der Wandbehang wurde von dem 1876 in Kiel geborenen Ernst Vollbehr entworfen, der gelernter Dekorationsmaler war. Später studierte er Kunst in Berlin, Dresden, Paris und Rom. Er war eng mit dem Jugendstil verknüpft und reiste nach Jugoslawien in die Filiale der Scherrebeker Webschule. Bislang hatte das Museum keinen Bildteppich von Vollbehr, der 1960 in Krumpendorf am Wörthersee in Bayern starb.

Japan als Inspirationsquelle

Museumsinspektorin Anne Marie Overgaard hebt die japanische Inspiration als interessant und charakteristisch bei den Scherrebeker Bildteppichen hervor. „Die Webschule war ein Kunstprojekt, aber auch ein politisches Projekt“, sagt sie mit Blick auf das etwas verblichene kleine Schleswig-Holstein-Fähnchen am unteren Rand des Bildteppichs.

„Uns ist das Lokale im Globalen sehr wichtig. Wir sind sehr daran interessiert, den Zusammenhang mit Europa zu zeigen. Dabei geht es uns sowohl um den künstlerischen als auch um den kulturgeschichtlichen Aspekt“, erklärt mit Tuk Andreasen der Vorsitzende des Freundeskreises. Elsemarie Dam-Jensen berichtet, dass die Scherrebeker Bildteppiche in den großen Museen in Budapest, Hamburg, Berlin und Paris zu sehen sind. Die Werke, die um 1900 herum ein Renner waren, waren damals auch Gegenstand der Weltausstellung.
Zukunftsorientiert plant das Museum eine Schau mit den Bildteppichen. Als Erstes wandert das Modell jedoch für einige Tage, wie es meistens bei Textilien der Fall ist, in der Konservierungswerkstatt bei Minus 40 Grad in die Gefriertruhe. Danach wird er zusammengerollt und in säurefreies Material eingepackt.

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