Restaurierung

Aufgefrischter Kaakmann zurück

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Tondern/Tønder
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Der restaurierte Kaakmann verbuchte bei seiner gestrigen Präsentation reges Interesse. Foto: Elise Rahbek

Im Museum in Tondern vermittelte die Konservatorin am Dienstag Einblicke in die Geschichte der historischen Figur und den Restaurierungs-Prozess.

Tonderns hölzerner Scharfrichter – der originale Kaakmann – hat Seltenheitswert. Ist die Figur doch der einzig erhaltene städtische Büttel in Dänemark. Nun hat der Kaakmann nach einer behutsamen Restaurierung seinen festen Platz im blauen Saal des kulturgeschichtlichen Museums in Tondern gefunden.

Nachdem die Holzfigur aus dem Jahr 1699 zwei Jahrzehnte vor dem Eingang des Pförtnerhauses ihren Standort hatte, zog sie wegen ihres mitgenommenen Zustands vor rund vier Jahren ins Pumpenhaus des Museums.
Im August 2017 wanderte sie zwecks Konservierung ins Bewahrungscenter nach Næstved auf Seeland. Der Scharfrichter aus Eichenholz aus dem Dorf Gerrebek südwestlich von Tingleff stand ursprünglich auf dem Tonderner Markt als abschreckendes Beispiel, um die Bürger an Recht und Ordnung zu erinnern. Der erhöhte Pranger wurde als „Kaak“ bezeichnet. In der Hand hält der moralische Wächter neun Katzenschwänze (Stricke), die er zum Auspeitschen nutzte. Er trägt die Uniform eines Profos, eines Militärbeamten, der für die Strafverfolgung zuständig war. Die Restaurierung zum Kostenpunkt von 140.000 Kronen wurde von der Toosbuy Stiftung finanziert. „Ansonsten wäre es nicht machbar gewesen“, erläutert Museumsoberinspektorin Elsemarie Dam-Jensen.

Der Scharfrichter hat zwischendurch ein Schattendasein geführt, da er auf dem Dachboden des Rathauses lag, wo er in den 1870ern wiederentdeckt wurde. Er soll zeitweise auch im Garten eines Rathausbeamten gestanden haben, wie die Gemälde-Konservatorin Anne-Marie Christensen von „Bevaring Sjælland“ gestern im Pumpenhaus des Museums erzählte.

1898 wurde die Skulptur ins Thaulow-Museum nach Kiel verlagert. Die Deutschen waren sehr an der Figur interessiert, da sie fälschlicherweise der Auffassung waren, dass es sich um ein Sinnbild für die Stadtrechte – einen Roland – handelte. 1920 kehrte er mit anderen Museumsgegenständen in die Wiedaustadt zurück, wo er Bestandteil der Sammlung des neuen Museums wurde.

Die Originalausgabe wurde 1993 zum 750. Stadtjubiläum restauriert, und seitdem gibt es auch eine Nachbildung auf dem kleinen Markt.

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