Kommunalpolitik

Es kann wieder stürmisch im Tonderner Stadtrat werden

Es kann wieder stürmisch im Tonderner Stadtrat werden

Es kann wieder stürmisch im Tonderner Stadtrat werden

Tondern/Tønder
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Über neue Windkraftanlagen in der Kommune kann sich der Stadtrat nur schwer einigen. Foto: Archivfoto: Bjarne L. Henneberg

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In der Toftlunder Sporthalle wurde im Februar bis zur Bewusstlosigkeit über neue Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energie diskutiert. Alle Vorschläge scheiterten. Venstre-Politiker Poul Erik Kjær unternimmt auf eigene Faust einen neuen Versuch.

Es darf mal wieder im Tonderner Stadtrat über neue Windkraftanlagen und Solarenergie diskutiert werden. Wenn sich die Politiker am Mittwoch, 31. März, in den Tondernhallen treffen, stehen gleich zwei Vorschläge zu diesem Themenbereich auf der Tagesordnung.

Ende Februar wollte die Diskussion kein Ende nehmen, als in den Toftlundhallen fast 3,5 Stunden über sechs Projekte diskutiert wurde, ohne dass es ein einziges schaffte, zur weiteren Behandlung in der Technischen Verwaltung zu landen.

Drei Parteien wollten gar nicht „mitspielen“. Die Tønder Listen ging mit vier von ihnen favorisierten Projekten ins Rennen, die von der Sozialistischen Volkspartei und der Borgerliste unterstützt wurden. Die neun Venstre-Mitglieder teilten sich unerwartet in zwei Lager mit jeweils ihren Vorschlägen, die auch scheiterten. Und die Schleswigsche Partei wollte sich mit einem Projekt (Arrild) begnügen.

Die Windenergie-Diskussion will Stadtratsmitglied Harry Sørensen von den Konservativen jetzt ganz bis ins neue Jahr bremsen, da erst der neugewählte Stadtrat die endgültige Entscheidung treffen wird, welche Vorhaben durchs Nadelöhr gelangen, so Sørensens Argumentation. Seine Partei, die sechs Sozialdemokraten und Holger Petersen (Einheitsliste) wünschen keine Mega-Windräder zu Lande, sondern nur zu Wasser.

Für den Stadtrat geht es am Mittwoch wieder in die Tondernhallen Foto: Monika Thomsen

Trotz der Diskussion vor einem Monat will Venstre-Mitglied Poul Erik Kjær einen weiteren Versuch unternehmen, damit zumindest die Planung und Voruntersuchung vor der Wahl beginnen können.

„Wenn wir eine seriöse Firma sein wollen, müssen wir auch in dieser Frage eine Entscheidung treffen können. Auch wenn wir uns in einem Wahljahr befinden, muss das möglich sein. Bauherren erwarten überall eine Entscheidung und wollen nicht auf alle Ewigkeit hingehalten werden, nur weil sich einige Politiker wegen der bevorstehenden Kommunalwahl gegenseitig ärgern wollen“, kritisiert Kjær.

Mehrfach ist gegen neue Windkraftanlagen vor dem Tonderner Rathaus demonstriert worden. Foto: Archivfoto: Monika Thomsen

Wohlweißlich, dass sich seine Partei bei der Februarsitzung teilte, hofft er, dass sein Vorschlag eine Mehrheit finden kann. Dazu benötigt er die Unterstützung von 15 Politikern. „Ich hoffe, dass mein Vorschlag mehrheitsfähig ist. Es irritiert mich, dass wir in dieser Sache keine Entscheidung treffen können.“ Auf die Frage, ob er seine Parteifreunde hinter sich weiß, antwortet er: „Nein das weiß ich nicht. Wir haben erst am Dienstagabend Fraktionssitzung", so Kjær.

Diese Projekte standen zur Auswahl

• Vattenfall, Haved, 18 Windräder (155 m) Leistung: 108 MW

• Vattenfall, Rejsby Hede, 15 Windräder (155 m), 101 MW

• NRGI, Drengsted/Lovrup, 6 Windräder (136 m), 33,6 MW

• Eurowind, Vollum Enge, 10 Windräder (180 m), 56 MW

• Momentum Energy Jutlandia, Arrild, 9 Windräder (136 m), 38 MW

• Eurowind, Gasse Hede, 8 Windräder (150 m) und eine 48 Hektar große Solaranlage, Leistung 90 MW

Vorschläge im Sammelpack

Aus dem zur Auswahl stehenden Katalog mit sechs Windenergieprojekten und einem Solarprojekt, die vom Technischen Ausschuss priorisiert wurden, habe er drei gewählt, für die das meiste Geld für die in der Nähe des Windparks liegenden Ortschaften herausspringt. Daher will er wieder das Rejsby-Hede-Projekt (15 neue Windräder), das Arrild-Projekt (9 neue Windräder) und Vollum Enge (10 neue Windräder) ins Rennen schicken, über die nicht einzeln, sondern im Sammelpaket abgestimmt werden soll, so der Antragsteller. Bröns (Brøns) habe er ganz bewusst aufgrund der massiven Bürgerproteste aus der Rangliste gestrichen.

„Ich bitte ja nur darum, dass die Projekte behandelt werden. Das ist das Mindeste, was wir tun können. Es wird ohne Zweifel spannend werden, ich hoffe zumindest auf mindestens fünf Befürworter in meiner eigenen Fraktion und eine Zustimmung der Tønder Listen, von SF, der Schleswigschen Partei und Dänischer Volkspartei. Dann kämen wir auf 17 Stimmen und die Mehrheit“, rechnet Poul Erik Kjær vor.

Die Tønder Listen, SF und Borgerlisten unterstützen diese Vorschläge

  • Vattenfall, Haved, 18 Windräder (155 m) Leistung: 108 MW
  • Vattenfall, Rejsby Hede, 15 Windräder (155 m), 101 MW
  • Momentum Energy Jutlandia, Arrild, 9 Windräder (136 m), 38 MW

Vorschlag von fünf Venstre-Mitgliedern:

  • alle sechs Vorschläge vom Tisch nehmen. Dafür sollten die erst im September vom Stadtrat verabschiedeten Richtlinien (Guidelines) für die Nutzung erneuerbarer Energie präziser formuliert werden.

Vorschlag von vier Venstre-Mitgliedern:

  • Vorschlag des Venstre-Quartetts

  • Eurowind, Gasse Hede, 8 Windräder (150 m) und eine 48 Hektar große Solaranlage, Leistung 90 MW
  • Vattenfall, Rejsby Hede, 15 Windräder (155 m), 101 MW
  • Momentum Energy Jutlandia, Arrild, 9 Windräder (136 m), 38 MW
  • Vattenfall, Haved, 18 Windräder (155 m) Leistung: 108 MW

Vorschlag der Schleswigschen Partei:

  • Momentum Energy Jutlandia, Arrild, 9 Windräder (136 m), 38 MW

Bürgermeister kommentarlos

Bürgermeister Henrik Frandsen, Tønder Listen, wollte am Montag noch nicht verraten, wie er und seine fünf Parteifreunde sich verhalten werden. „Wir haben erst unsere Fraktionssitzung am Dienstagabend und werde ganz bestimmt nicht schon jetzt sagen, was meine persönliche Haltung dazu ist“. Er konnte es aber nicht unterlassen, zu bemerken, dass Kjærs Vorschlag sehr dem der Tønder Listen ähnele, den sie im Februar gestellt hatte.

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