Doppelte Staatsbürgerschaft

Eine fast unendliche Geschichte

Eine fast unendliche Geschichte

Eine fast unendliche Geschichte

Tondern/Tønder
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Übersetzerin Marieke Heimburger hat allen Grund zur Freude. Sie erhält ihren deutschen Pass zurück. Foto: Knauer

Als die dänische Regierung 2015 die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt, macht sich die Tonderanerin Marieke Heimburger sofort daran, sich ihren vor elf Jahren abgegebenen deutschen Pass zurückzuholen. Es soll mehr als drei Jahre dauern, bis es tatsächlich so weit ist.

Marieke Heimburger und die doppelte Staatsbürgerschaft: Eine Geschichte des langen Wartens, einer Menge ausgefüllter Formulare und vieler gezahlter Euros Gebühren.

Seit 1997 lebt die in Tokio geborene und im Taunus bei Frankfurt aufgewachsene Marieke in Dänemark. 2004 beschloss sie, ihren deutschen Pass abzugeben und die dänische Staatsbürgerschaft anzunehmen. „Ich wollte mich damals einfach als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft fühlen – und vor allem wollte ich das Wahlrecht haben, um bei den Folketingswahlen mitbestimmen zu können“, sagt sie.

Folketing macht den Weg frei

Nach elf Jahren als Dänin bekommt die mittlerweile langjährige Tonderanerin im November 2015 die Möglichkeit, sich ihren deutschen Pass zurückzuholen. Das Parlament in Kopenhagen beschließt, was bisher für die dänischen Bürger nicht möglich war: Die doppelte Staatsbürgerschaft wird erlaubt.

Für Marieke ist dies die Chance, ihren deutschen Pass zurückzubekommen. Sie wendet sich an die deutsche Botschaft in Kopenhagen und macht sich direkt daran, alle geforderten Formulare auszufüllen und Nachweise zusammenzusammeln. „Die deutschen und dänischen Behörden stehen sich in Sachen Bürokratie in nichts nach“, erzählt Marieke. Ein ganzes Jahr dauert es, bis sie alle Papiere zusammenhat. Darunter eine Forderung, über die sie noch heute schmunzeln muss. „Die deutschen Behörden wollten tatsächlich einen handgeschriebenen Lebenslauf von mir haben. Das war sehr absurd, aber ich habe es natürlich gemacht“, erzählt sie.

Das lange Warten

Im November 2016 reicht sie den vollständigen Antrag bei der Botschaft ein. Diese leitet ihn dann weiter an das Bundesverwaltungsamt (BV) in Köln, welches für alle Staatsbürgerschaftsangelegenheiten zuständig ist. Die Botschaft warnt sie bereits vor, die Bearbeitung könne bis zu anderthalb Jahre dauern. Also wartet Marieke. Sie wartet und wartet und wartet. Mittlerweile ist es Sommer 2018. Anderthalb Jahre sind vergangen. Eine Antwort? Fehlanzeige. „Ich war zwar gespannt, wollte aber auch nicht drängeln“, erzählt Marieke.

Sie wartet noch ein weiteres halbes Jahr. Im November 2018, zwei Jahre nach Einreichen des Antrages, fragt sie schließlich bei der Botschaft nach. „Die haben mir nur gesagt, dass sich durch den Brexit und die Vielzahl der Flüchtlinge in Deutschland die Arbeit gestaut hat – mehr nicht.“

Endlich eine Antwort

Also wartet Marieke weiter. Im September 2019 bekommt sie schließlich tatsächlich Post vom BVA aus Köln. „Die haben sich erst mal dafür entschuldigt, dass es so lange gedauert hat, und wollten dann, dass ich noch mal etliche Unterlagen, wie eine Kopie des Reisepasses, Vermögens-, Renten- und Sprachnachweise sowie meine Verbindungen zu Deutschland einreiche“, sagt Marieke.

Einen knappen Monat später hat sie alle Unterlagen zusammen. Die Tonderarnerin ist darauf eingestellt, wieder lange warten zu müssen. Doch das Bundesverwaltungsamt scheint es mit dem schlechten Gewissen tatsächlich ernst gemeint zu haben. Mitte November 2019 bekommt Mariekes unendlich scheinende Geschichte tatsächlich das erhoffte Ende. Drei Jahre nach Einreichen des Antrages hält sie den Brief der deutschen Botschaft in der Hand. In ihm der Satz: „Dem Antrag wurde stattgegeben.“

„Es war eine lange Zeit, aber ich bin glücklich, dass es letztendlich doch noch geklappt hat“, sagt sie.

Das kostspielige Ende

Ihre Einbürgerungsurkunde darf sie sich nun bei der Botschaft in Kopenhagen abholen. Vorausgesetzt, sie bringt 255 Euro Bearbeitungsgebühr mit. Mit der Urkunde kann sie schließlich in Flensburg, Harrislee oder Niebüll zum Bürgeramt gehen und ihren deutschen Pass gegen knapp 30 Euro Gebühr abholen. Das will Marieke im Januar machen.

Nach mehr als drei Jahren hat sie dann ihr Ziel erreicht: Sie darf einen dänischen und einen deutschen Pass mit ihrem Namen in den Händen halten.

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