Thema der Woche: Zurück im Alltag

Sozialdienst: Nicht gleich von Null auf Hundert

Sozialdienst: Nicht gleich von Null auf Hundert

Sozialdienst: Nicht gleich von Null auf Hundert

Tondern/Tønder
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Abstandhalten war bei der Lesung im Brorsonhaus im Juni auch beim Kaffeetrinken angesagt. (Archivfoto) Foto: Privat

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Beim Sozialdienst in Hoyer müssen sich die Veranstalter nach der Coronazwangspause erst wieder an die Terminflut gewöhnen. Die Vereine lassen weiterhin Vorsicht walten. Die Konfirmandenfreizeit auf dem Knivsberg fällt aus.

Die Corona-Restriktionen sind weitestgehend gelockert und das bringt den Vereinen nach 18 Monaten im Corona-Modus endlich mehr Planungssicherheit.

Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass nahtlos an die Zeit vor Corona angeknüpft werden kann.

Zurück in die Gemeinschaft

So manch einer muss sich vielleicht erst einen neuen Weg zurück in die Gemeinschaft suchen und das Zusammensein in größerer Runde mag nach der „Abgeschirmtheit“ vielleicht ein Gefühl der Unsicherheit auslösen.

Andere hingegen fiebern dem sozialen und mitmenschlichen Zusammensein entgegen.

Die Veranstalter lassen auch weiterhin Vorsicht walten, wie aus Gesprächen zu erfahren ist.

Vorfreude darauf, loszulegen

Der Sozialdienst Hoyer, der sein Frühlingsprogramm komplett ausfallen ließ, freut sich, dass es jetzt endlich losgeht.

„Wir feiern jetzt am Sonnabend mit einem Sommer- und Grillfest, dass seit dem letzten Lockdown alles wieder losgeht. Unsere Leute sind noch ein bisschen vorsichtig. Es gibt kein Händeschütteln und auch keine Umarmung. 26 Anmeldungen ist für unseren Verein jedoch ein guter Zuspruch. Wir werden viel draußen sein“, berichtet die Vorsitzende des Sozialdienstes Hoyer, Marlis Zimmer.

Die Menschen würden sich freuen, dass sie jetzt geimpft seien, und sich somit wieder treffen könnten, so die Vorsitzende.

Ansteckung befürchtet

Sie berichtet, dass im April wegen der Angst vor der Ansteckungsgefahr sogar ein Spaziergang abgesagt werden musste.

Die Sozialdienstvorsitzende Marlis Zimmer berichtet, dass der Alltag mit mehreren Terminen für den Vorstand gewöhnungsbedürftig ist. (Archivfoto) Foto: Volker Heesch

„Es gibt natürlich Menschen, die sich seit jeher schwerer damit tun, herauszukommen. Nach eineinhalb Jahren mit Corona, fällt ihnen dies dann extra schwer. In solchen Fällen werden sie von der Familienberaterin an die Hand genommen“, erläutert die Vorsitzende.

Die letzte Veranstaltung des Vereins fand zu Weihnachten mit großem Abstand in der Kirche statt.

Mehr Stress für den Vorstand

Sie verdeutlicht, dass nach der Sendepause auch die Veranstalter mit der Umstellung zu kämpfen haben.

„Wir fühlen uns alle mehr gestresst als vor Corona. Es ist nach der Pause viel anstrengender in den Alltag zurückzukehren. Wir Pensionisten sind dann auch plötzlich 18 Monate älter“, sagt Marlis Zimmer lachend. Sie feierte kürzlich ihren 70. Geburtstag nach.

„Erst wieder in Tritt kommen"

„Ein Treffen zum gemeinsamen Stricken am Montagmorgen ist kein Problem. Wenn aber dann auch plötzlich ein Abendtermin dazu kommt, dann merken wir schon, dass wir es nicht mehr gewöhnt sind, mit den Terminen und es ganz schön anstrengend ist. Wir müssen erst wieder in den Tritt kommen“, sagt sie.

Leichte Rückhaltung spürbar

„Einige sind vielleicht noch ein bisschen zurückhaltend. Ich hoffe aber, dass sich das ändert, wenn nun ab 10. September alle Corona-Einschränkungen aufgehoben werden“, sagt die Vorsitzende des Sozialdienstes Tondern, Irene Feddersen.

„Wir werden natürlich weiterhin vorsichtig im Umgang miteinander sein und Rücksicht walten lassen“, so die Vorsitzende.

Kleine Reisegruppe unterwegs

Sie freut sich, dass sich eine kleine 14-köpfige Truppe dem Ausflug nach Husum am Donnerstag, 2. September, angeschlossen hat. Wegen des Bahnstreiks wurde vom geplanten Zug auf einen Kleinbus umgestiegen.

Die erste Veranstaltung seit langem gab es im Juni mit der Generalversammlung des Vereins. Im Januar noch abgesagt, wurde eine gemeinsame Lesung mit der Gemeinde und der Bücherei zum Thema Schokolade im Juni nachgeholt.

Irene Feddersen (l.) hofft, dass der Wegfall der Restriktionen die Teilnahme wieder so richtig ins Rollen bringt. Foto: Jane R. Ohlsen

„Ich hoffe, dass die gemeinsame Veranstaltung von Bücherei, Gemeinde und Sozialdienst am 8. September mit einem Reisebericht über Andalusien und einem spanischen Essen gute Resonanz erzielt“, so die Sozialdienstvorsitzende.

Walk and Talk ein Renner

Auf reges Interesse stießen Ende Mai und Anfang Juni zwei Wanderungen des BDN-NorderLügumkloster.

Gleiches galt für eine Tour des Sozialdienstes Jeising, Seth und Abel in das Söllstedter Moor.

Die BDN-Wanderungen auf dem Marschensteig stießen auf sehr gute Renonanz. (Archivfoto) Foto: Monika Thomsen

„Kann, bedeutet nicht muss"

Obgleich die Abstandsregeln zum Beispiel auch bei den Gottesdiensten aufgehoben seien und die Restriktionen bald ganz fallen, heiße dies nicht, dass man alles wieder machen muss.

„Wie zum Beispiel sich gegenseitig drücken, oder die Hände schütteln“, sagt Pastor Matthias Alpen, Lügumkloster (Løgumkloster).

„Corona ist nicht vorbei, und ich fordere dazu auf, trotzdem aufeinander zu achten. Wir dürfen alles, müssen es aber nicht. Gefühlt, freuen sich die meisten auf ein Stück Normalität. Durch die Impfung gibt es ein anderes Lebensgefühl und Unsicherheit spüre ich nicht. Man muss sich aber trotzdem sinnvoll verhalten“, so Matthias Alpen.

Gemeindekaffee verfrüht

In der Kirche zu Alt-Hadersleben zum Beispiel ergab unlängst eine Umfrage unter den Gemeindemitgliedern, dass sie das anschließende Kaffeetrinken nach dem deutschen Gottesdienst noch als verfrüht ansahen.

Die Ausflügler hatten Freude an der Gemeinschaft. (Archivfoto) Foto: Privat

Vor knapp zwei Wochen startete die Gemeinde gemeinsam mit dem BDN (Bund Deutscher Nordschleswiger) und dem Sozialdienst aus Lügumkloster zu dem traditionellen gemeinsamen Ausflug.

Ausflug als Experiment

„Der Gemeinschaftsausflug war ein Experiment. Wir hatten ihn schon vor den Ferien geplant, in einer Zeit, als wir noch nicht wussten, ob es möglich war. Wir sind froh, dass wir es gemacht haben. Dabei wurde in der Tat wieder Gemeinschaft erlebt. Der Zuspruch von 25 Leuten zeigte, dass die Gemeindemitglieder Lust auf Gemeinschaft und das Erleben von Normalität hatten“, so der Pastor.

Pastor Matthias Alpen berichtet, dass die Konfirmandenfreizeit auf Knivsberg abgesagt worden ist. (Archivfoto) Foto: Helge Møller

Matthias Alpen, seines Zeichens auch Senior der Nordschleswigschen Gemeinde, weist darauf hin, dass die Konfirmandenfreizeit auf dem Knivsberg in der Jahreswoche 38 abgesagt ist.

„Das machen wir nicht nur aus Vorsicht. Wir meinen auch nicht, dass es verantwortbar ist, dass Jugendliche aus ganz Nordschleswig mehrere Tage gemeinsam verbringen. Wir wussten nicht, wie wir das auch mit Corona-Test sinnvoll gewährleisten sollten. Viele der Jüngeren sind noch nicht geimpft. Dieser Schritt erfolgt nicht aus Angst, sondern ich nenne es mal Verantwortungsgefühl“, erläutert Alpen.

Wie geht es weiter?

Die Frage: „Wie geht es nach Corona weiter. Machen wir weiter wie vorher, oder verändern sich Dinge?“ habe die dänische Gemeinde auch nicht beantwortet.

„Ich vermute mal, dass sich in uns drin das Lebensgefühl verändert hat. Wir schauen noch mal mit aller Vorsicht. Viele sind in der zwischenliegenden Zeit ja auch älter geworden.

Für Matthias Alpen stellt sich die Frage: „Hat man Gemeinschaft verlernt? Müssen wir Gemeinschaft neu lernen?“

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