Theater

Gerechtigkeit und Liebe siegen

Gerechtigkeit und Liebe siegen

Gerechtigkeit und Liebe siegen

Ballum
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Das große Finale bei Sonnenuntergang und dennoch mit leuchtenden Farben: Das Liebespaar ist vereint, die Schicksalsreiterinnen ziehen wieder ab. Foto: Elise Rahbek

Das Theaterprojekt „Højt til Himlen“ spielte in rauer Kulisse mit Regenschauern und vielen Aha-Momenten nahe der Ballumer Kirche. Am Mittwoch war die Premiere des Stücks „Sorgagre“.

Bei hartem Wind aus West und Regenschauern ist es wettermäßig ein Wagnis, das Theaterstück „Sorgagre “ auf einem Feld direkt an der Küste in der Nähe der Ballumer Kirche aufzuführen. Doch das Theaterprojekt „Højt til Himlen“ geht dieses Wagnis ein und lässt das Drama „Sorgagre“ am authentischen Schauplatz aufführen. Gestern Abend war Premiere. Die Sage erzählt von einer selbstlosen und liebenden Mutter, die alles tun will, um ihrem zum Tode verurteilten Sohn zu retten. Daher erntet sie von Sonnenaufgang bis -untergang ein großes Getreidefeld mit der Sichel ab. Ein Grabstein auf dem Ballumer Friedhof soll an diese starke Frau – gespielt von Schauspielerin Bodil Jørgensen – erinnern.

Graf Ditlev (Henrik Dahlmann) kennt keine Gnade. Doch Marie (Bodil Jørgensen) kämpft. Foto: Elise Rahbek

Hier wird das Freilichtspiel von blökenden Schafen und kreischenden Gänseschwärmen begleitet. Eine starke und unter die Haut gehende Geschichte im Kampf gegen die Obrigkeit mit der Gerechtigkeit und Liebe als Gewinner. Gerechtigkeit ist die beste Selbstverteidigung, heißt es im Stück. Doch so weit soll es erst kommen, denn der Todesurteil fällende Graf (Henrik Dahlmann) besteht auf die Strafe nach dem Motto: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Der Pastor (Dirk Andresen) ist gleicher Meinung und erinnert an das fünfte Gebot: Du darfst nicht töten. Die Obrigkeit findet anscheinend keine Gnade für den Sohn, der ohne Absicht einen Räuber erschlägt.

Lene K. Nielsen als Emmeline Foto: Elise Rahbek

Stark ist die Leistung der vielen kleinen und großen Laiendarsteller, die sich offenbar von der schauspielerischen Qualität des Vollprofis Bodil Jørgensen haben anstecken lassen. Da haben Autor Sten Kaalø und Regisseur Kristian Hald wieder das Beste aus den Darstellern herausgeholt. Besonders die Frauen bestechen mit ihrer Leistung – natürlich angeführt von Bodil Jørgensen – aber auch mit Lone B. Lønne als Dirne, der vorlauten Pastorentochter dargestellt von Lene Kjærgaard und Lene K. Nielen als einer in Versform sprechenden verrückten Frau, die aber viele Wahrheiten erzählt.

Von Sonnenaufgang bis -untergang beim Ernten: Die zuschauenden Bauern zollen ihren Respekt. Foto: Elise Rahbek




Sehr eindrucksvoll sind auch die mitwirkenden Vierbeiner, wenn dunkel gekleidete Schicksalsreiterinnen auf schwarzen Friesenpferden nach einer Sturmflut das Schicksal der armen Familie an- und abkündigen. Bewegend ist auch das Abschlussbild mit dem küssenden Liebespaar, stehend in einem brennenden Kreis. Auch mit dieser Geschichte wurde ein Stück Heimatgeschichte wieder lebendig. Die Zuschauer, die das Schauspiel nach der gestrigen Premiere bis Sonntag jeweils um 19.30 Uhr inklusive zwei Nachmittagsvorstellungen am Wochenende um 15 Uhr erleben wollen, müssen entlang „Den svorne Vej“ (so heißt tatsächlich ein Weg nach Misthusum) durchs Getreidefeld zum Acker der Sorge (Sorgagre) gehen.

Pastor Kristoffersen (Dirk Andresen) stellt den Tod der erschöpften Frau fest. Foto: Elise Rahbek
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