Kunst

Klöppeln, weben und flechten am Schraubstock

Klöppeln, weben und flechten am Schraubstock

Klöppeln, weben und flechten am Schraubstock

Tondern/Tønder
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Aus einer Schmarotzermuschel aus dem Meer klettert kein Tier, sondern eine Koralle aus Gold. Foto: Brigitta Lassen

Dröhses Haus in Tondern startet nach der Wiedereröffnung mit einer Ausstellung mit Werken der Goldschmiedin Hanne Behrens durch. Die gebürtige Tonderanerin erlernte ihr Handwerk in der Werkstatt von Willi Scheelke.

Ein wahrer Hingucker ist der Schmuck der Goldschmiedin Hanne Behrens. Sie verarbeitet in filigraner Kunst Metall mit Fundstücken aus der Natur. Besonders Korallen und Muscheln aus fernen Ländern zieren die Werke der gebürtigen Tonderanerin. Mit ihren Stücken eröffnet das Kunsthandwerkmuseum Dröhses Haus die neue Saison nach der Wiedereröffnung der kulturellen Einrichtungen.

Korbähnliche Kunst in Bunt: Auch so arbeitet Hanne Behrens. Foto: Brigitta Lassen

Ob ich eine Künstlerin bin, müssen andere entscheiden.

Goldschmiedin Hanne Behrens

Doch jetzt soll es sein, und die Goldschmiedin ist mit ihren Unikaten in dieser Woche angereist, die im historischen Ambiente des Dröhses Hauses sehr gut zur verdienten Geltung kommen. „Ob ich eine Künstlerin bin, müssen andere entscheiden“, erklärt die 70-Jährige. Ihr filigraner Metallschmuck zeugt von großem handwerklichen Geschick.

Schülerin von Willi Scheelke

„Mein Grundwissen des filigranen Arbeitens habe ich in den 60er Jahren bei Goldschmied Willi Scheelke gelernt“, berichtet sie stolz. 1972 schloss sie ihre Lehre ab und bildete sich für ein Jahr in der Goldschmiede-Hochburg in Schwäbisch Gmünd fort, wo auch Scheelkes Sohn Gerhard seine Fertigkeiten vertiefte.

Am Schraubstock werden die Metalldrähte geflochten, geklöppelt und gewebt. Foto: Brigitta Lassen

Das Arbeiten in Metall nach textilen Handarbeiten als Vorlage lernte sie 70-jährige gebürtige Tonderanerin in San Diego. Seit zehn Jahren verarbeitet sie auch Fundsachen aus der Natur in ihren Werken.

Muscheln und Korallen aus fremden Ländern

„Wir sind, wenn nicht gerade Corona regiert, drei Wochen im Februar in wärmeren Gefilden. Dort spaziere ich am Strand und sammele Muscheln und Korallen, die bei Sturm an den Strand gespült werden“, berichtet sie von ihrer verhältnismäßig neuen Herangehensweise. Ihre natürlichen Fundstücke hat sie unter anderem von Saint Croix, Thailand oder auch von Kuba mit nach Hause gebracht. Sie sind hübsch, aber eigentlich wertlos“, so die Goldschmiedin.

Gesammelte Muscheln und Korallen aus fernen Ländern Foto: Brigitta Lassen

Wie beim Gitarrespielen bekommt auch Hanne Behrend von ihrer Arbeit Hornhaut an den Fingern. Sie strickt, webt, klöppelt und flicht mit Metalldrähten. Für ihren Schmuck verarbeitet sie kupferne und mit Silber und 18-karätigem Gold versehene Drähte. Entsprechend kann man sich vorstellen, dass man beim Erwerb ihrer Unikate etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Hartes Arbeiten am Schraubstock gibt Hornhaut an den Fingern. Foto: Brigitta Lassen
Ein futuristischer Armreif made bei Hanne Behrens Foto: Brigitta Lassen

Beim Stricken benutzt sie keine Nadeln, sondern ihr Fleißiges Lieschen. Das Weben, Flechten und Klöppeln findet an ihrem Schraubstock statt. „Mein Webstuhl und mein Klöppelkissen sind meine Hände“, so die 70-Jährige, die noch in Nibe wohnt, aber bald nach Frederiksværk auf Seeland umzieht, um näher bei ihren Kindern und Enkelkindern zu sein.

Das Klöppeln mit Fäden auf einem Klöppelbrett hat sie nie erlernt, obwohl sie sich manchmal auch ein Brett mit Nägeln macht. Vom Grundprinzip her also wie bei der Herstellung von Spitzen.

Auch Hühner oder ein Korb in Silber hat die Goldschmiedin geschaffen. Foto: Brigitta Lassen

Bei den Indianern in Mexiko und Guatemala hat sie sich ihre Flechttechniken angeeignet. In den USA und in Neuseeland schaute sie sich die Webtechniken der Maoris ab. Heimische Inspirationsquellen waren der Schmuck der Wikinger und der Frühzeit.

Bis einschließlich der Herbstferien werden Hanne Behrens’ Werke, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind, in Dröhses Haus präsentiert. Und im Museumsladen können einige ihrer Schmuckstücke auch gekauft werden.

Weg vom Homeoffice

Für die Leiterin des Kulturhistorischen Museums und Dröhses Haus, Elsemarie Dam-Jensen, ist die Vorbereitung der Ausstellung auch eine erfreuliche Aufgabe nach dem monatelangen Shutdown. „Wir arbeiten bislang ja nur im Homeoffice. Ich weiß nicht, wann wir wieder öffnen können, aber jetzt bauen wird einfach die Ausstellung. Dann ist sie fertig, wenn es in den Museen wieder losgeht“, erklärte sie am Dienstag dieser Woche.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Lockerungen der Corona-Restriktionen noch nicht bekannt gegeben worden. Daher wurde am Donnerstag auch ein virtueller Durchgang durch die Ausstellung auf der Facebook-Seite der Museen angeboten worden.

Am 21. April geht es los

Ab 21. April kann die Schau „live und in Farbe“ erlebt werden, es sei denn sie muss wieder verschoben werden. Die Präsentation war nämlich eigentlich schon für das vergangene Jahr geplant. Doch die Corona-Pandemie machte auch diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung.

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