Geschichte und Gegenwart Nordschleswigs

Wertvolle Dokumentation über Dorf Süderseiersleff

Wertvolle Dokumentation über Dorf Süderseiersleff

Wertvolle Dokumentation über Dorf Süderseiersleff

Süderseiersleff/Sønder Sejerslev
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Inger Lauridsen, Andreas Andresen und Doris Christensen bei der Buchvorstellung in Süderseiersleff Foto: Volker Heesch

Andreas Andresen, Doris Christensen und Inger Lauridsen präsentierten ihr Fotobuch „Sdr. Sejerslev. Livet mellem Huse og Gårde“. Das Autorenteam verwendete den Foto-Schatz einer Ausstellung im historischen Hof „Sejerslevgaard“ im Jahre 2017.

Im vergangenen Jahr hat sich der Förderverein für den historischen Hof „Sejerslevgaard“ in Süderseiersleff aufgelöst, nachdem das von ihm jahrelang geförderte Gebäude an einen neuen Eigentümer verkauft worden war. Mittwoch haben drei Mitglieder des Fördervereins, Andreas Andresen, Doris Christensen und Inger Lauridsen, ihr gemeinsames Werk „Sdr. Sejerslev. Livet mellem Huse og Gårde“ im Versammlungshaus Süderseiersleff im Beisein zahlreicher Dorfbewohner und -bewohnerinnen vorgestellt.

Jahrelang hat der Förderverein für den historischen Hof Sejerslevgaard mit Flohmärkten Mittel zum Erhalt des heute im Privatbesitz befindlichen Hofes erwirtschaftet. Foto: Volker Heesch

Fotos und Texte

Es liefert auf fast 200 Seiten dem kleinen Dorf bei Hoyer (Højer) eine Fotodokumentation mit vielen interessanten Texten zu abgebildeten Bauwerken, Personen und Besitzverhältnissen – und zugleich würdigt es eine meist vergangene Vielfalt ländlicher Kultur Nordschleswigs. „Früher war Süderseiersleff ein Dorf mit viel Leben, zwei Bäckern, zwei Kaufmannsläden, Schule, Pastorat und vielen Handwerksunternehmen sowie vielen Bauernhöfen“, so Inger Lauridsen, frühere Leiterin des Tonderner Museums, in ihrer Ansprache.

Das Buch ist in einer Auflage von nur 400 Exemplaren gedruckt worden. Die Gemeindekirche Süderseiersleffs, die Emmerleffer Kirche, ist auf dem Umschlag zu sehen. Foto: Andreas Andresen, Doris Christensen, Inger Lauridsen

Das Buchprojekt, für das 55.000 Kronen des Fördervereins für den Hof „Sejerslevgaard“ verwendet wurden, die dieser während der vergangenen Jahre unter anderem durch Flohmärkte und Empfang von Besuchergruppen zusammengetragen hatte, stützt sich vor allem auf Fotos, die 2017 im Rahmen einer Sonderausstellung im historischen Hof gezeigt worden waren. Bei den Erläuterungen zu den Fotos im Buch konnte das Autorenteam vor allem auch auf das „wandelnde Archiv“ Andreas Andresen zurückgreifen.

Mitautor Andreas Andresen ist auf dem Hof „Sejerslevgaard" aufgewachsen, dessen Bausubstanz teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammt. Ein Husumer Unternehmer will das wertvolle Gebäude restaurieren lassen. Foto: Volker Heesch

Der Mitautor ist im historischen Hof aufgewachsen und ein sehr aktiver Heimatforscher. „Wir können uns alle zum Buch gratulieren“, so Inger Lauridsen. Alle Haushalte bekommen ein kostenloses Exemplar des Buches. Außerdem kann es zum Preis von 150 Kronen erworben werden. Es wird in örtlichen Buchhandlungen, in den Museen in Tondern (Tønder) und Hoyer von „Museum Sønderjylland“ sowie auf dem Hof „Klægager“ in Ballum und im Forsamlingshus in Süderseiersleff verkauft.

Die frühere Bäckerei in Süderseiersleff. Das Gebäude wurde 1924 errichtet, vier Jahre nach der Abtretung Nordschleswigs an Dänemark. Bei der Volksabstimmung hatten die Stimmberechtigten im stark dänisch geprägten Ort für eine Rückkehr Nordschleswigs ins Königreich Dänemark votiert. Nur eine sehr kleine Minderheit entschied sich für einen Verbleib bei Deutschland. Foto: Andreas Andresen, Doris Christensen, Inger Lauridsen

Im Buch sind viele Luftbilder zu finden, die vor Jahrzehnten besonders von Bauernhöfen, aber auch kleineren Wohnhäusern gemacht worden sind. Beeindruckend sind dabei unter anderem die großen Gärten mit Sträuchern und Gemüse, was unterstreicht, wie fleißig man sich auf dem Lande einst selbst mit Nahrungsmitteln versorgt hat. Das Dorfleben wird auch durch viele Bilder aus Familienalben illustriert.

Neue Höfe entstanden

Deutlich wird auch, wie im 20. Jahrhundert mit der Errichtung von Häuslerstellen, die teilweise zuvor „urbar“ gemachte Heideflächen nutzten, die Landwirtschaft in dem kleinen Dorf noch einmal angekurbelt wurde. Bescheidene Verhältnisse in dem westschleswigschen Dorf, das heute durch seine vielen historischen Gebäude mit Reetdach bekannt ist, spiegeln sich in Texten zu Fotos wider, in denen über früh verstorbene Väter berichtet wird, die eine Witwe mit vielen Kindern hinterlassen haben. Interessante Informationen gibt es über drei Gedenksteine im Dorf, die aus einem einzigen Findling gefertigt wurden, auch die interessante Kirche und die Schule werden beleuchtet.

Die vor langer Zeit abgebrochene Emmerleffer Mühle stand südöstlich des Gasthofes „Højkro" südlich von Süderseiersleff. Foto: Andreas Andresen, Doris Christensen, Inger Lauridsen

Sehr schön an dem Buch ist auch die Präsentation von Fotos, die an verschwundene Substanz wie die einstige Emmerleffer Mühle erinnern, die nicht weit vom heute leider verfallenen Dorfgasthof „Højkro“ auf dem heutigen Firmengelände des Fuhrunternehmens Walz stand. Abbildungen zeigen auch den Betrieb der Meierei Højtoft nördlich von Süderseiersleff, heute ein stark verfallener Gebäudekomplex. So streift das Buch, deren Autorinnen und Autor gerne weitere Hinweise zu Bilden und Texten entgegennehmen, neben der Vergangenheit eines nordschleswigschen Dorfes auch die Gegenwart des ländlichen Raumes, die von Entvölkerung und Bedeutungsverlust geprägt ist.

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