Geschichte

Aus Hoyers Kaiserlichem Postamt wird schicke Unterkunft

Aus Hoyers Kaiserlichem Postamt wird schicke Unterkunft

Aus Hoyers Kaiserlichem Postamt wird schicke Unterkunft

Hoyer/Højer
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Das frühere Postamt ist bereits jetzt ein neues Schmuckstück in der Ortsmitte Hoyers. Foto: Volker Heesch

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Die Inhaber der Hoyeraner Firma J. P. A. Jensen renovieren das vor genau 125 Jahren errichtete Gebäude nach Auflagen des Denkmalschutzes. Wo einst Briefe gestempelt und sortiert wurden, können sich im kommenden Jahr Touristinnen und Touristen verwöhnen lassen.

Im Ortskern von Hoyer wird eines der stattlichsten Gebäude, das einstige Kaiserliche Postamt, aufwendig restauriert.

Unterkunft mit Luxus

„Es werden dort Ferienwohnungen eingerichtet“, berichtet Tischler Stephan Wendicke, Mitinhaber der Firma „J. P. A. Jensen & Søn“, die das seit über 20 Jahren nicht mehr als Postamt genutzte Gebäude erworben hat. Zusammen mit Tischler Morten Jepsen und Zimmermann Ulrich Johannsen, die gemeinsam mit Wendicke viele Restaurierungsarbeiten mit ihrer vor rund 50 Jahren von Jens Peter Jensen gegründeten Firma in Hoyer und Umgebung ausführen, wird das ehemalige Postamt für ein Konzept „Bed & Breakfast“ eingerichtet.

Die neuen Fenster im einstigen Postamt sind nach Vorgaben des Denkmalschutzes gefertigt worden. Foto: Volker Heesch

Bis zu 20 Personen finden in den neu eingerichteten Räumen Unterkunft, die einem hohen Standard gerecht werden sollen. Das Gebäude erhält in der unteren Etage ein Schwimmbecken und gemütliche Aufenthaltsräume.

Restaurierung dauert bis 2023

„Die Restaurierung dauert noch viele Monate“, berichtet Stephan Wendicke. Gefördert wird die Instandsetzung der Außenfassade durch den „Højer Byfond“. Die Stiftung ist im Rahmen des Projektes Tonderner Marsch geschaffen worden.

Die neuen Ziegel für die Restaurierung des Postamtes entsprechen dem vor 125 Jahren verwendeten Baumaterial. Foto: Volker Heesch

Anstelle der alten Betondachziegel hat das hohe Gebäude, von dem man weit in die Umgebung bis zum Wattenmeer blicken kann, wieder passende Ziegel erhalten. Auch sind hochwertige Fenster montiert worden. „Das Projekt wird wohl erst im April 2023 fertig“, so Wendicke.

Stephan Wendicke hat zusammen mit seinen Firmenkollegen Morten Jepsen und Ulrich Johannsen schon vielen Gebäuden in Hoyer zu neuem Glanz verholfen. Foto: Privat

Er freut sich, dass noch weitere Gebäude wie das ehemalige Textilgeschäft J. R. Petersen in Nachbarschaft zur Post im neuen Glanz erstrahlen. Auch der „Bykro“, einst Hoyers „Central-Hotel“, wird restauriert.

Ein Haus mit Geschichte

Ein Blick in das lokalhistorische Werk „Geschichte des Kirchspiels und Fleckens Hoyer“, des langjährigen örtlichen Pastors Claus Rolfs (1856-1926) verrät, dass das frühere Postamt vor 125 Jahren erbaut worden ist, am 1. Oktober 1897 wurde es „in Betrieb genommen“, schrieb Rolfs in seiner Chronik, die kurz nach dessen Tod in Hoyer erschienen ist.

Die Postkarte zeigt das Postamt in Hoyer kurz nach der Inbetriebnahme 1897. Foto: Sammlung Henrik Schmidt

Errichtet haben es die Baumeister Heinrich Schmidt und Fries-Jeising für den Hoyeraner Wagenfabrikanten Jensen, so Rolfs. Heinrich Schmidt (1867-1948) ist 1904 nach Norwegen ausgewandert, berichtete vor wenigen Tagen dessen Enkel Henrik Schmidt, der über den Lokalhistorischen Verein Hoyer versucht, weitere Informationen über das Wirken seines Vorfahren zu sammeln.

Baumeister wirkte später in Norwegen

Schmidt war am Wiederaufbau der 1900 fast vollständig niedergebrannten Stadt Ålesund in Westnorwegen beteiligt. An seine Baukunst erinnern zahlreiche Gebäude, die Häusern wie dem früheren Postamt in Hoyer ähneln. Ein Blick auf ein Foto aus den Glanzzeiten des Postamtes, das die Kaiserliche Post nur vom Besitzer Jensen gemietet hatte, zeigt, dass viele Zierelemente des Amtsgebäudes in späteren Jahrzehnten demontiert worden sind. „Das Haus war nur gemietet und ist erst nach der Abtretung für 35.000 Kronen von der Post (...) gekauft worden“, heißt es im Abschnitt der Hoyer-Chronik über das Postwesen des Ortes.

Das Postamt in Hoyer wird parallel zu weiterer historischer Bausubstanz in Hoyer restauriert. Foto: Volker Heesch

Im Postamt war auch eine Telegrafenstation untergebracht und lange auch eine Telefonzentrale. Im seit 1920 königlich dänischen Postamt Hoyer existierte noch bis zur Verlagerung des Betriebs in neue Räume, inzwischen ist die Postagentur im örtlichen „Brugsen“-Supermarkt zu finden, eine kleine Telefonzelle, aus der man Gespräche führen konnte. Die Gebühren wurden anschließend am Schalter bezahlt.

Viele Bedienstete im Postbetrieb Hoyers

Das historische Foto des Postamtes, das Henrik Schmidt zur Verfügung gestellt hat, zeigt die vielen Bediensteten des Postamtes. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde bis zu dreimal täglich Post ausgetragen. Seit 1892, als die Eisenbahnverbindung von Tondern nach Hoyerschleuse in Betrieb ging, wurde dort eine Post-Zweigstelle unterhalten. Von Hoyerschleuse wurde der Postverkehr von und nach Sylt per Schiff abgewickelt. Laut Claus Rolfs in der Hochsaison bis zu 2.000 Pakete täglich.

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