Fahren mit Gas

„Wir können jetzt etwas tun, statt auf E-Autos zu warten“

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Tingleff/Tinglev
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Auch der Gartentrecker fährt mit Gas. Foto: Jon Thulstrup

Brian Beck verkauft und montiert seit Juni 2018 Gasanlagen für Pkw. Er hat es nicht leicht denn, wie er sagt: „Dänen sind skeptisch". Was Beck nicht nachvollziehen kann.

In Dänemark gibt es lediglich sechs Gastankanlagen für Autos. Eine davon steht in Tingleff bei Brian Beck, der die Werkstatt Beck’s Autoservice betreibt. Während die deutschen Bürger schon seit Jahren mit Gas (LPG-Anlagen) fahren, sind die dänischen Bürger eher skeptisch. Beck kann das nicht nachvollziehen. „Die Anlagen funktionieren tadellos. Mit der neuen Generation hat man die Möglichkeit, zu 100 Prozent CO2-neutral zu fahren“, erklärt er.

Ihm zufolge wird das Gas der neuen Generation aus der Produktion von Biodiesel, das aus Schlachthof-Abfällen, Pflanzenöl und Haushaltsabfällen besteht, gewonnen. „Es ist sozusagen ein Restprodukt, das durch Gärung entsteht“, so Beck, der auch die Zertifizierung besitzt, selbst Gasanlagen in Autos einzubauen. Seit Juni hat er zusätzlich zu seinen Autos 16 Anlagen montiert. „Ich habe sogar eine Anlage auf meinen Gartentrecker installiert. Das läuft super“, lacht er.

Seine Tankanlage wird regelmäßig von zehn festen Kunden angefahren. „In den typischen Urlaubswochen kommen dann viele Urlauber mit ihren Wohnmobilen vorbei und tanken ihre Gaskartuschen für ihre Küchen auf“, so der Kfz-Mechaniker. Denn wo in Deutschland meist ein Gasgemisch an den Tankstellen angeboten wird, hat Beck 100 Prozent Propan-Gas in seiner Betankungsanlage. „Damit kannst du sogar einen Gasgrill füllen“, so Beck.

Da Beck kein Gasgemisch anbietet, sind seine Preise etwas höher als beispielsweise in Deutschland. Doch das stört ihn weniger. „Die Tankanlage ist ein zusätzliches Angebot. Wir setzten eher auf den Einbau von Gasanlagen“, sagt er. Doch hier sei die dänische Regierung ein Bremsklotz.

Kein Steuervorteil

„Bei den jährlichen Steuerabgaben (Grøn afgift) haben Autos mit zusätzlichen Gasanlagen keinen Steuervorteil – obwohl sie klimafreundlicher als herkömmliche Verbrennungsmotoren sind. Ich hoffe, dass in dem Bereich bald etwas unternommen wird“, so Beck, der sich dem Klima und seiner Werkstatt zuliebe den Gasanlagen gewidmet hat. „Ich möchte gerne etwas für unser Klima tun. Zudem ist es für meine Werkstatt in Zukunft wichtig, auf mehreren Beinen zu stehen“, sagt er und ergänzt: „Wir haben die Möglichkeit, jetzt etwas zu unternehmen, anstatt auf die E-Autos zu warten.“ Ihm zufolge sei das Gas ein guter Ansatz, um den CO2-Ausstoß zu senken und währenddessen die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Zur Frage, ob durch Gasanlagen der Motor nicht zu heiß laufe, antwortet er: „Heute sind die Anlagen so gut, dass sie die Ventile nicht mehr so stark belasten. Diese Probleme hat man eher in Deutschland gesehen, wo sie, verglichen mit Dänemark, auch eine andere Fahrkultur haben.“ Der Einbau einer LPG-Anlage kostet je nach Modell und Auto zwischen 18.000 und 25.000 Kronen.

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