Archäologie

In Wallanlage Olgerdiget wurden 90.000 Holzstämme verbaut

In Wall des Olgerdiget wurden 90.000 Holzstämme verbaut

In Wall des Olgerdiget wurden 90.000 Holzstämme verbaut

Tingleff/Tinglev
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Die massiven Reste von Eichenstämmen zeigen, dass vor fast 2.000 Jahren schweres Material im Verteidigungswerk Olgerdiget bei Tingleff verbaut worden ist. Foto: Friedrich Hartung

Archäologen des Museums Sønderjylland haben bei Tingleff bis zu zwei Meter hohe Bauelemente einer Palisadenwand aus Eiche geborgen. Museumsinspektor Per Ethelberg sieht in der mächtigen Verteidigungsanlage einen Hinweis auf eine starke Besiedelung Nord- und Südschleswigs vor 2.000 Jahren.

Der Bereich der frühgeschichtlichen Verteidigungsanlage Olgerdiget bei Tingleff, an dem eine Rekonstruktion der aus Palisadenreihen, einem Graben und einem Wall bestehenden Wehranlage des Volkes der Angeln entstehen soll, hat sich als ergiebige Fundstätte erwiesen, die neue Hinweise auf dabei genutzte Bautechnik liefert. Museumsinspektor Per Ethelberg von der Abteilung Archäologie des Museumsverbundes Museum Sønderjylland in Hadersleben (Haderslev) berichtet dem „Nordschleswiger“, dass bei den Grabungen ein 1,90 bis 2 Meter hoher Eichenstamm geborgen worden ist.

Ein bis zu zwei Meter langer Pfahl aus einer Palisadenreihe der Verteidigungsanlage Olgerdiget bei Tingleff ist zur weiteren Untersuchung des archäologischen Museums Moesgaard in Aarhus übergeben worden. Foto: Friedrich Hartung

Dieser ist zur weiteren Untersuchung dem archäologischen Museum Moesgaard in Aarhus übergeben worden, wo unter anderem untersucht wird, ob der eine der drei Palisadenreihen der Verteidigungsanlage zugeordnete Stamm angespitzt gewesen ist. „Der Baum ist im Jahr 89 oder 90 nach Chr. gefällt worden, er ist damit älter als die Bauteile aus der ersten Phase der Errichtung des Olgerdiget“, so Per Ethelberg im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“. Er berichtet, dass die Eichenstämme für die Palisadenreihe präzise bearbeitet worden sind. Alle sind so geschnitten, dass sie stabil stehen konnten. Wie berichtet, verzögert sich der Bau der Rekonstruktion der Wallanlage wegen der interessanten neuen Funde.

Auf Infotafeln am Olgerdiget am Olmersvej nordöstlich von Tingleff ist bildlich dargestellt, wie die Verteidigungsanlage einst ausgesehen haben könnte. Foto: Volker Heesch

Diese dokumentieren, welch eine mächtige Verteidigungsanlage sich zwischen dem heutigen Gaardeby (Gårdeby) und Apenrade (Aabenraa) im 1. Jahrhundert nach Christi in diesem Bereich Nordschleswigs erstreckt hat. „Es sind nach unseren Berechnungen 90.000 Eichenstämme verbaut worden“, so Per Ethelberg. Und er fügt hinzu: „Das zeigt, dass viele Menschen beim Bau der Anlage beteiligt gewesen sein müssen.“

Einst dichte Besiedelung

Der Archäologe weist darauf hin, dass zahlreiche Funde von Wohnsiedlungen zeigen, dass im 1. Jahrhundert vor und im 1. Jahrhundert nach Christi die heutigen Bereiche Nord- und Südschleswig sehr dicht besiedelt gewesen sind. Der erst seit einigen Jahren bekannte Umstand, dass die Anlage Olgerdiget bereits vor fast 2.000 Jahren errichtet worden ist, weist auch darauf hin, dass die Angeln über bedeutende Bautechniken verfügt haben. Sie haben keineswegs die römische Abwehrlinie gegen germanische Stämme im heutigen Deutschland, den Limes, kopiert. „Der ist erst im 2. Jahrhundert erbaut worden“, so Ethelberg.

Allerdings gab es am Olgerdiget keine Türme oder gar Bauteile aus Ziegelsteinen, wie sie in römischen Verteidigungsanlagen üblich waren. Und auf einen weiteren Umstand weist Ethelberg hin: Es sei nicht sicher, dass die vielen Menschen, die zur Errichtung des Olgerdiget erforderlich waren, alle freiwillig an den Arbeiten teilgenommen haben. „Vielleicht waren auch Gefangene dabei, die die Angeln während ihrer Expansion Richtung Norden gemacht haben“, so der Archäologe. Er betont, dass vor 2.000 Jahren und den folgenden Jahrhunderten die Herrschaftsgebiete der Angeln zunächst bis ins mittlere Jütland erweitert wurden, anschließend ging es wieder zurück Richtung Süden. Neben Wall- und Grabenanlage mit Palisaden nutzten die Angeln natürliche Hindernisse wie Wasserläufe und Moore sowie Ringwälle als Abwehrelemente.

„Im Bereich des Olgerdiget muss auf jeden Fall der Holzverbrauch sehr groß gewesen sein“, so Ethelberg, der zum Rückzug der Angeln Richtung Süden im Jahr 300 in den Bereich der Wiedau und um 400 bis zur Schlei mit anschließender Abwanderung eines Teils des Volkes auf die britische Insel, wo sie bis heute namensgebend für England sind, erklärt, dass diese Wanderungen keineswegs freiwillig unternommen wurden.

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