Vom Bauer zum Landschaftsgärtner

Mit über 60 Lenzen schnurstracks auf die Gesellenprüfung zu

Kjeld Thomsen
Kjeld Thomsen Lokalredakteur
Rothenbek/Rødebek
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Sorgfalt ist bei der Anlage von Eingängen, Einfahrten und Terrassen gefragt. Foto: Hartung

Hans Werner Iwersen ist kurz vor dem Pensionsalter dabei, eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner und Gestalter abzuschließen. Der Ruhe- oder Vorruhestand waren für ihn überhaupt keine Option.

Hans Werner Iwersen ist kurz vor dem Pensionsalter dabei, eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner und Gestalter abzuschließen. Der Ruhe- oder Vorruhestand waren für ihn überhaupt keine Option.

Wenn er in einigen Monaten bei der Abschlussfeier sein Gesellendiplom als Landschaftsgärtner und Gartengestalter („anlægsgartner“) überreicht bekommt, könnte es an der Seite von Kollegen passieren, die 40 Jahre jünger sind! Hans Werner Iwersen aus Rothenbek hat mit Ende 50 eine neue Ausbildung angefangen und steht mit über 60 kurz vor dem Abschluss.

Als der Rothenbeker vor fünf Jahren als Milchbauer die Reißleine und einen Schlussstrich zog, weil er des Preiskriegs um Agrarfläche für Biomais überdrüssig war, stand für den damals 57-Jährigen fest, dass er etwas anderes machen möchte. Der Ruhe- oder Vorruhestand waren für ihn überhaupt keine Option. Und das ist nach wie vor so. „Ich fühle mich gut und habe zum Glück keine körperlichen Probleme“, so der Rothenbeker Jahrgang 1955.

Hans Werner Iwersen kennt Uwe Asmussen und dessen Gartenservice-Firma in Holebüll. „Ich fragte an, ob er eine Aushilfskraft gebrauchen kann. Ich fing bei ihm an, und weil in den Wintermonaten nicht so viel zu tun war, schlug Uwe vor, dass ich doch an Kursen teilnehmen könnte“, berichtet Iwersen über seinen neuen Karrierestart.

Als ein Kursus nach dem anderen erfolgreich absolviert war, machte Iwersen Nägel mit Köpfen und entschied sich im reifen Alter für eine Ausbildung. Neben der praktischen Arbeit in der Holebüller Firma hieß es für ihn, am AMU Syd in Ripen wieder die Schulbank zu drücken, Lehrmaterial zu studieren und zu lernen.
„Daran gewöhnt man sich schnell“, so Schüler Iwersen mit einem Lächeln.

Pflanzen und pflastern

Er hat den „grauen Zweig“ gewählt, der neben Arbeiten mit Grünflächen und Pflanzen im hohen Maße auch Pflastern, Platten verlegen, Terrassen gestalten und auch Teiche anlegen umfasst. Für Iwersen viel Neuland, das er gerne betritt. „Früher habe ich als Landwirt darauf geachtet, was auf den Feldern passiert. Heute schaue ich gezielter auf Gärten und Einfahrten. Man hat einen ganz anderen Blick auf die Natur“, so „Azubi“ Iwersen. Arbeitete er als Milchbauer meist allein und für sich, trifft er als Landschaftsgestalter viel mehr Menschen. Als offener und kontaktfreudiger Mensch reizt ihn das.

„Man betritt quasi die Privatsphäre der Kunden, wenn man sie berät und bei ihnen den Garten gestaltet.“ Kontakte hat Iwersen auch an der Berufsschule in Ripen geknüpft. Hier hat er es sowohl mit jüngeren Auszubildenden zu tun, die um die 20 Jahre alt sind, als auch mit Personen, die zwischen 40 und 50 Jahre alt sind und beruflich ebenfalls umsatteln. Den Ruf eines Methusalems hat Hans Werner Iwersen nicht. „Die halten mich zum Glück für jünger. Ich komme gut mit den Kollegen aus; auch mit den jüngeren“, so Iwersen.

Er spielt immer noch Handball, ist drahtig und gut in Form. Er hat daher keine Bedenken, dass die neue Arbeit eine zu hohe Belastung wird.
Nach bestandener Prüfung schwebt ihm vor, sowohl für Uwe Asmussen tätig zu sein als auch selbstständig zu arbeiten und eigene Ideen umzusetzen. Nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. „Wir sind ein gutes Team bei Uwe, und ich verstehe mich mit ihm sehr gut“, so Iwersen mit Lob an seinen Chef.
Die Kombination aus Garten- und Pflanzenpflege und kreativem Gestalten mit Materialien empfinde er als spannend. Dass die Arbeiten auch bei Wind und Wetter draußen stattfinden, störe ihn nicht, wie er sagt.

Wertsteigernd

Er ist von Sinn und Zweck seiner Arbeit überzeugt, und Leute sollten sich nicht scheuen, auf die Dienste von Landschaftsgärtnern zurückzugreifen.
„Viele verkennen, dass ein gut angelegter Garten und ein ansehnlicher Außenbereich eine nicht unerhebliche Wertsteigerung der Immobilie sind.“
Er sei offen für Neues und bereue seinen Entschluss zu der Ausbildung daher nicht, auch wenn noch eine recht geballte Prüfungszeit ansteht.
Den Iwersens Entschluss, eine Ausbildung zu machen, findet bei Ehefrau Pia Unterstützung. „Sie ist ja um einiges jünger als ich und wird noch eine Zeit lang auf dem Arbeitsmarkt sein. Dass ich dann ständig zu Hause bin und beruflich nichts mehr zu tun haben, ist nichts für mich. Das weiß sie“, so Iwersen, der mit über 60 einfach noch nicht reif ist für ein Rentnerleben.

Das Anwesen in Rothenbek wird in Kürze an Sohn Lasse übergeben. Pia und Hans Werner Iwersen wollen in Tingleff und Umgebung ein Haus suchen. Sollten der Garten, die Einfahrt oder Terrasse zu wünschen übrig lassen, dann ist das für Hans Werner ja schnell zu lösen, hat er dafür doch die richtige Ausbildung.

Er ist nun einmal offen für Neues – und wer weiß: Vielleicht hängt er ja noch einen weiteren Beruf an.

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