Bewegungseinheiten

Treppe am Bahnhof als Fitnessgerät

Treppe am Bahnhof als Fitnessgerät

Treppe am Bahnhof als Fitnessgerät

Tingleff/Tinglev
Zuletzt aktualisiert um:
Treppen steigen am Bahnhof: Für manche ist es eine Plackerei, für Jørgen Johansen ist es Training. Foto: Friedrich Hartung

81-jähriger Tingleffer baut bei seinen Bewegungseinheiten Fußgängerbrücke mit ein.

Wer rastet, der rostet. Das ist das Credo von Jørgen Funck Vestergaard Johansen aus Tingleff. Der 81-Jährige kann die Beine nicht stillhalten. Der ehemalige DSB-Mitarbeiter spult nahezu täglich ein Fitnessprogramm ab. Schwimmen und Fahrradfahren gehören seit Jahren zu seinem Training. Seit einiger Zeit ist ein etwas ungewöhnliches Fitnessgerät hinzugekommen: die Fußgängertreppe am Bahnhof. Dorthin macht der sportliche Rentner regelmäßig einen Abstecher, um raschen Schrittes einmal hinüber und wieder zurück zu gehen.

„Wenn zufällig eine ältere Dame mit einem schweren Koffer da ist, dann lege ich schon mal eine Sondereinheit ein und trage den Koffer hinüber“, erzählt der rüstige Mann mit einem Lachen. Neben Treppensteigen und Radeln gehört vor allem Schwimmen zu seinem Training. „Seit 40 Jahren schwimme ich regelmäßig 1.000 Meter. Leider ist es im Moment nicht möglich, weil die Schwimmhalle wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist“, so Jørgen Johansen. Er begnügt sich daher vorerst mit Radfahren und Überqueren der Bahnhofstreppe. Die Überführung ist bei gehbehinderten Menschen und Passagieren mit schwerem Gepäck eigentlich verhasst. Bei Jørgen Johansen ist sie willkommen. Er weiß sogar von einer Dame aus Tondern, die extra nach Tingleff kommt, um hin und wieder ebenfalls an den 88 Stufen zu trainieren.

Dass das Treppensteigen zu sehr auf Knie und Gelenke geht, kann der Tingleffer nicht bestätigen. Im Gegenteil. Er scheint ein gutes Maß gefunden zu haben. „Früher hatte ich hin und wieder Probleme mit den Knien. Das habe ich überhaupt nicht mehr. Auch nicht durch das Treppensteigen. Das ist ein großes Glück, und man muss es doch ausnutzen, so lange man kann. Ich bin gern unterwegs und genieße die frische Luft und die Natur“, so der Rentner. Wenn er gerade nicht auf dem Rad sitzt, in der Schwimmhalle seine Runden dreht oder die Bahnhofstreppe auf- und abmarschiert, wirbelt er gern im Garten seines Anwesens im Sportsvej.

„Meine Frau sagt schon mal: ,Nun mach doch mal eine Pause und setz dich hin‘. Ich kann das aber meist nicht. Ich muss irgendwie in Gang bleiben“, so der aktive Rentner. Die Bahnhofstreppe möchte er weiterhin als Trainingsgerät nutzen. Daran werden auch die Fahrstühle nichts ändern, die zurzeit gerade angebaut werden. Schummeln kommt für den Tingleffer nicht infrage. „Nö, nö. Ich nehme die Stufen“, so der 81-Jährige mit einem Lachen.

Mehr lesen

Leitartikel

Walter Turnowsky
Walter Turnowsky Korrespondent in Kopenhagen
„Epidemiegesetz muss demokratisch verankert werden“