Igel in Nordschleswig

Eine stachelige Tierliebe

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Bülderup-Bau/Bylderup-Bov
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Hanne Mette Kjer
Hanne Mette Kjer betreut diesen kleinen Igel für den Verein Igelfreunde Dänemark. Immer wieder kriegt sie Jungtiere zum Aufpäppeln. Foto: Karin Riggelsen

Igelhelferinnen aus Tingleff und Bülderup-Bau sind für den Verein der dänischen Igelfreunde im Einsatz – manchmal auch rund um die Uhr.

15 bis 20 Igel, die in ihrem Gewächshaus in Bülderup-Bau überwintern? Bei Hanne Mette Kjer keine Seltenheit. „Im Sommer gehört das Gewächshaus mir, im Winter den Igeln“, lacht sie.

Seit 2003 ist sie aktives Mitglied der Igelhilfe „Pindsvinevennerne i Danmark“. Seitdem wird sie regelmäßig zur Igelmutti, wenn der Verein ein verletztes oder krankes Tier aus der Gegend an sie vermittelt. Der Verein betreibt ein Nottelefon, durch das Bürger einen Igelfund melden können.

In ganz Dänemark stehen somit Helfer zur Verfügung, die als Pfleger einspringen und die Tiere aufnehmen, bis diese wieder gesund sind und in die Natur zurückgelassen werden können.

Verkehr, Hunde, Trockenheit und Rasenmäh-Roboter: Gefahren für die Igel

Hanne Mette Kjer hat mittlerweile einen großen Erfahrungsschatz, was Krankheiten und Verletzungen bei Igeln angeht. „Viele werden durch den Verkehr, Hundebisse oder aber durch Roboterrasenmäher verletzt. Derzeit kommt das Problem der Trockenheit hinzu, da muss man dehydrierten Igeln Wasser einflößen, so viel es geht.

Und dann gibt es die Fälle, in denen die Igel einfach schlapp sind und krank wirken. Das können dann Lungenwürmer sein oder ein Infekt. Hier verabreiche ich dann Penicillin“, erzählt Hanne Mette Kjer von ihrer Arbeit mit den stacheligen Tierchen. Im Spätsommer und Herbst kommen dann besonders zarte Pensionsgäste zu Hanne Mette Kjer: junge Tiere, die es ohne angelegte Fettschicht nicht durch den Winter schaffen würden.

„Sobald der erste Frost kommt, verschwinden ja die Würmer und die Schnecken tief im Boden. Da gibt es also kaum noch nahrhafte Speise. Wer da nicht genug Fett hat, wacht aus dem Winterschlaf nie wieder auf“, so die Igelfreundin. Und so kommt es, dass in ihrem Gewächshaus ein Igel-Hort entsteht. Mit Kisten und Nestern aus Zeitungen, bis es im Frühling wieder „überall krabbelt und die Tiere Nahrung finden“, sagt Hanne Mette Kjer.

Igel
Schlapp und krank war dieser erwachsene Igel bei seiner Ankunft. Mittlerweile geht es ihm schon viel besser. Foto: Karin Riggelsen

Auswilderung als Ziel

Denn das Ziel eines jeden Pflegers sei es, die Tiere wieder auszuwildern. „Es sind Wildtiere, mit denen wir es zu tun haben. Es geht nicht darum, süße Igel als Haustiere zu halten. Das ist ganz falsch. Nein, wir wollen den Bestand schützen. Vielleicht können wir ihn nicht retten, aber wir können ihn unterstützen. Und da zählt jeder Igel“, sagt die Bülderuperin.

Die Tinglefferin Vivi Moshage betreut derzeit das Nottelefon der Igelfreunde Dänemark. Seit vier Jahren hilft sie mit, auch als Pflegemutter. 30 bis 40 Igel im Jahr sind für die 40-Jährige keine Seltenheit. Derzeit nimmt sie wegen Reiseplänen zwar keine auf. Doch als Vermittlerin am Nottelefon verteilt sie kranke Tiere an Helfer wie Hanne Mette Kjer.

Warum sie mithilft? „Nun, es ist ein kleines Tier, von dem aber die ganze Natur Nutzen hat. Als der Verein Hilfe benötigte, habe ich mich gemeldet.“

Appell: Roboter nicht nachts fahren lassen

Besonders pflegeintensiv sind junge Igel. „Die kriegen alle drei Stunden Futter, Tag und Nacht.“ In den Gärten der Igelhelferinnen stehen stets Schalen mit Wasser, für die Nacht streuen sie trockenes Katzenfutter auf den Rasen. „Das finden die richtig lecker, und es hilft den Igeln ganz praktisch“, sagt Vivi Moshage. Sie appelliert an Gartenroboterbesitzer, die Geräte nicht nachts fahren zu lassen.

„Wir haben so viele Igel, die schlimme Verletzungen davontragen, wenn sie an einen solchen Rasenmäher geraten. Abgeschnittene Pfoten, aufgerissene Rücken. In der Nacht sind die Igel nunmal auf dem Rasen unterwegs, um ihre Nahrung, Würmer und Schnecken, zu suchen. Daher bitte, bitte, die Geräte nachts nicht laufen lassen“, so Vivi Moshage.

Einer von Hanne Mette Kjers zur Zeit zwei Igeln war erwachsen, aber merkwürdig schlapp. „Ich bin nicht ganz sicher, was genau es ist. Aber es kann Wassermangel sein. Ich denke, nach dem Wochenende kann er wieder raus in die Freiheit!“

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