Sommerhochschule

Sommerhochschule in der Nachschule

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Tingleff/Tinglev
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In der laufenden Ferienzeit treffen sich Familienmitglieder mit alkoholkranken Angehörigen in der deutschen Nachschule Tingleff zu einem Sommercamp – und das bereits zum dritten Mal.

„Für mich persönlich ist der Aufenthalt in Tingleff besonders spannend. Mein Großvater väterlicherseits stammt von hier; mein Vater ist in Bau aufgewachsen. In den 30er Jahren sind er und zwei seiner Brüder dann der Arbeit wegen in den Kopenhagener Raum gezogen“, erzählt Lasse Rossen. Er ist Vorsitzender der Organisation „Familieklubben“, einer Selbsthilfeorganisation für Familien mit alkoholkranken Angehörigen. Landesweit gibt es zehn solcher Gruppen, die sich einmal wöchentlich treffen. Darüber hinaus werden auch Gemeinschaftsveranstaltungen angeboten. Dazu gehört auch eine Art skandinavische Sommerhochschule, die in diesem Jahr in der Deutschen Nachschule Tingleff stattfand. Es ist keine rein dänische Veranstaltung. Da norwegische Familienklub-Abteilungen an den Sommercamps teilnehmen, werden sie als „skandinavisch“ deklariert.

„Wir sind schon zum dritten Mal in Tingleff. Hier gefällt es uns sehr gut. Die Räumlichkeiten sind gut für unsere Zwecke geeignet. Wir benötigen u. a. einen größeren Gruppenraum, denn während unserer Sommerhochschule finden vormittags Gesprächskreise zu verschiedenen Themen statt. – Darüber hinaus verfügt die Nachschule über schöne Zimmer und ist überhaupt eine schöne Stätte für die Kombination aus Hochschul- und Ferienaufenthalt“, unterstreicht Rossen und zählt die Vorzüge Tingleffs auf: Der Ort ist zentral im Herzen Nordschleswigs gelegen und ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Von Tingleff ist es nicht weit nach Flensburg, Sonderburg oder Tondern, und so wird den Campteilnehmern nie langweilig.

„Das Thema Alkoholsucht ist schon düster genug"

„Das ist auch wichtig. Das Thema Alkoholsucht ist schon düster genug, da tut es gut, mal auf andere Gedanken zu kommen. Bei den Vormittagsgesprächen lernen wir voneinander, wie man wieder Vertrauen zueinander aufbaut. Alkohol kann so viel zerstören – auch in den familiären Beziehungen. Dieses Vertrauen wieder aufzubauen, kann unter Umständen lange dauern. Wir haben in diesem Jahr auch darüber gesprochen, wie man Feste ohne Alkohol feiert, und ob es notwendig ist, dass die gesamte Familie auf Alkohol verzichten muss, nur weil ein Familienmitglied suchtkrank ist. Erfahrungsgemäß ist es übrigens sinnvoll, dass die gesamte Familie zunächst aus Solidarität auf Alkohol verzichtet. Im Laufe der Zeit kann dann vereinbart werden, ob der Partner sich hin und wieder ein Glas Wein oder Bier genehmigen kann. Das ist individuell unterschiedlich“, sagt Lasse Rossen.

2014 hat „Familienklubben“ erstmals seine Sommerhochschule in Tingleff durchgeführt. „Wir wollten gerne nach Nordschleswig. Ein Mitglied unserer Abteilung in Apenrade gab uns den Tipp Deutsche Nachschule Tingleff. Seitdem kommen wir alle zwei Jahre hierher“, sagt Lasse Rossen. Landschaftlich und geschichtlich hat Nordschleswig nämlich so viel Spannendes zu bieten – nicht nur bei strahlendem Sonnenschein.

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