Ausflugsziel

See mit besonderer Geschichte soll zugänglicher werden

Kjeld Thomsen
Kjeld Thomsen Lokalredakteur
Lund/Lund
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Vor Jahren wurde im See viel gebadet, und es gab einen Steg. Foto: Archivfotos/Fries

Die Alte Mergelkuhle in Lund ist als Ausflugsziel vorgesehen. Die Existenz einer Seeschlange machte einst die Runde.

Mit Henrik Wolff Bossen aus Lund haben der Bürgerverein im „Auenland“ (Bülderup und Umgebung) sowie Ortsansässige einen Aktivposten, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Lunder See zugänglich zu machen. Die zugewachsene Mergelkuhle soll von Sträuchern und Büschen befreit werden. Bänke und Tische sollen ihr Übriges tun, um den kleinen See zu einem attraktiven Ausflugsziel zu machen. Für das Projekt hat Wolff bereits erfolgreich Gelder in der Bevölkerung gesammelt. Die Neugestaltung als Naherholungsgebiet kann losgehen, wie der Bürgerverein mitteilt.

Mit der Renaissance der einst auch als Badesee genutzten Mergelkuhle ist eine außergewöhnliche Anekdote verbunden, die das künstliche Gewässer in den 50er Jahren weit über die Grenzen Bülderups hinaus in die Schlagzeilen brachte. Die Geschichte von einer Seeschlange, wie man sie von Loch Ness kennt, machte die Runde. Als die örtliche Feuerwehr unter Federführung des damaligen Schmieds Thomas Lauridsen den See leer pumpte, war man gespannt, ob sich darin tatsächlich „Lussi“ befindet, die Seeschlange von Lund. Sie kam allerdings nie zum Vorschein.

Vor Jahren wurde im See viel gebadet, und es gab einen Steg. Foto: Archivfotos/Fries

Schildbürgerstreich

Finn Nissen, Sohn des ehemaligen Bäckers aus Bülderup, war bei der Abpumpaktion in den 50er Jahren anwesend, bei der sein Vater damals Kuchen anbot. Finn Nissen kann etwas Licht in die dunkle Seeschlangengeschichte bringen. „Da machten sich Ortsansässige damals einen Scherz. Die Geschichte wurde dann weitergesponnen und von Medien aufgegriffen“, so Nissen.

Das Abpumpen wurde ihm zufolge aber gar nicht wegen der Seeschlange vorgenommen, „sondern wegen großer Karpfen, die sich im Tümpel befanden“, so Finn Nissen. „Es war auch nicht der heutige See, sondern ein kleiner daneben, der dann zugeschüttet wurde.“ Der Seeschlangenmythos sei schon ein amüsantes Detail. Ebenso spannend findet er aber die Geschichte des Mergelabbaus in Lund, wie er sagt.
So geht es auch Horst Fries aus Solderup. Er ist lokalhistorisch sehr interessiert und bewandert und kennt sich in der Ahnenforschung aus. In seinem großen Privatarchiv findet sich dann auch etliches Material über den Mergelabbau in Lund und über die damalige Abpumpaktion.

Der Lunder See entstand durch den Mergelabbau. Das Foto zeigt Aktivitäten mit Lorenbahn um 1911 herum. Foto: archivfotos/Fries

Mergelabbau anno 1911

„Die müsste 1957 gewesen ein. Der Mergelabbau geht viel weiter zurück. Ein altes Foto zeigt den Abbau um 1911“, so Horst Fries, der ebenfalls von der ominösen Seeschlange gehört hat. Die große Angst verbreitete das angebliche Monstrum allerdings nicht. Fries’ Ehefrau Dorte, eine geborene Andresen, wuchs direkt am See auf. Auch ihr kleiner Bruder Manfred lebte dort. Er erinnere sich noch daran, dass er als Kind das eine und andere von der Seeschlange gehört hatte. Beunruhigt seien er und seine Geschwister aber nicht gewesen. „Im See wurde gebadet, und es gab sogar einen Steg, von dem aus ins Wasser gesprungen wurde“, so Manfred Andresen. Er selbst habe den Steg und die Badezeit nicht erlebt, seine älteren Schwestern aber schon.

Horst Fries, der sich mit Joggen und Schwimmen gern fit hält, dreht im Lunder See öfter seine Runden. Der schwer zugängliche See ist für ihn ein kleiner Geheimtipp als Badestelle. Dass er nun zu einem Ausflugsziel für alle werden soll, damit könne er sich abfinden. Auch Finn Nissen findet es „eine gute Sache“, den See freizuräumen.

Das ominöse Abpumpen in Lund mit Thomas Lauridsen (vorn). Sitzend (kariertes Hemd) schaut Finn Nissen zu, Sohn des damaligen Bäckers. Foto: Archivfotos/Fries
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