Rettungskräfte

Rettung an der Grenze braucht seine Zeit

Kjeld Thomsen
Kjeld Thomsen Lokalredakteur
Tingleff/Tinglev
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Foto: Karsten Sörensen

Analyse zum Einsatz deutscher Rettungswagen im Raum Krusau sorgt für Gesprächsstoff.

Seit September 2017 ist für die Region Süddänemark das Flensburger Rettungswesen die erste Wahl, wenn kurz hinter der Grenze im Großraum Krusau Menschen akute Hilfe benötigen. Das wurde politisch festgelegt, um bei Einsätzen der sogenannten Kategorie A möglichst schnell vor Ort zu sein. Der nächste dänische Rettungswagen ist in Tingleff stationiert.

Das Ausrücken deutscher Einsatzkräfte im Grenzgebiet hat laut Statistik der Region zugenommen. Im ersten Halbjahr 2018 sind 153 Einsätze deutscher Rettungswagen registriert worden. Im gesamten Jahr 2017 waren es 184 A-Fahrten.

Mit rund 14 Minuten fällt der Wert für das Ausrücken im Raum Krusau relativ hoch aus. Der Durchschnitt in der Region liegt gerade mal bei um die acht Minuten.

Der grenzüberschreitende Einsatz wird von einigen Regionspolitikern kritisch beäugt, zumal eine Analyse der Verwaltungseinheit „Sundheds-planlægning“ weitere Nachteile beim Einsatz deutscher Einheiten aufführt: Zeitverlust bei der grenzüberschreitenden Alarmierung, keine EKG-Direktverbindung zum Krankenhaus wie in Dänemark, sprachliche Probleme und lediglich Flensburg, Apenrade und Sonderburg als Anlaufpunkte.

Laut Analyse gibt es zudem eine Tendenz, dass Patienten im Raum Krusau eher nach Flensburg gebracht werden als nach Apenrade oder Sonderburg. Eine bewusste Tendenz sieht Sabine Schult, Sachgebietsleiterin des Rettungsdienstes bei der Flensburger Feuerwehr, indes nicht.

„Das wird vom medizinischen Personal von Fall zu Fall entschieden. Es gibt Einsätze, bei denen mal ein deutscher und mal ein dänischer Notarzt dabei ist. Der Zustand des Patienten ist letztendlich dafür ausschlaggebend, wohin er gebracht wird“, so Schult.

Dass die Ausrückzeiten auf dänische Seite große Beachtung haben, ist für sie nicht neu und sie habe Verständnis dafür. Die Vereinbarung für Einsätze auf dänischer Seite des Grenzgebietes geht bis in die 90er Jahre zurück. Dort ist eine Ausrückzeit von 13 Minuten aufgeführt. „Die können wir einhalten. Wird eine Zeit von zehn Minuten oder gar weniger gefordert, ist es aber nicht zu schaffen“, so die Sachgebietsleiterin. Auch technische Unterschiede und unterschiedliche Gesetzgebungen stellen eine Herausforderung dar.

Man habe einen guten Kontakt zur dänischen Seite und werde die jüngsten Zahlen sicherlich beim nächsten Treffen erörtern, das in Kürze stattfindet, so Schult.

Sollte ein dänischer Rettungswagenstandort in Krusau oder Pattburg in Erwägung gezogen und die Zusammenarbeit mit der Flensburger Feuerwehr beendet werden, wäre es bedauerlich. Personelle Konsequenzen hätte es aber nicht und auch finanziell würde es nicht die große Rolle im Gesamtrettungsplan der Flensburger Feuerwehr spielen, so Schult.

Laut Zahlen der Region wird 2018 mit Ausgaben von 1,5 Millionen Kronen für den Einsatz deutscher Rettungswagen gerechnet.

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