Sozialdienst Nordschleswig

Das Küken von einst tritt in den Vorruhestand

Das Küken von einst tritt in den Vorruhestand

Das Küken von einst tritt in den Vorruhestand

Bülderup-Bau/Bylderup-Bov
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Mariechen Johannsen und Familienberaterin Alwine Holt kennen und schätzen sich schon viele Jahre. Mariechen Johannsen gehörte dem Gremium an, das Alwine Holt Anfang der 80er Jahre den neuen Posten als Familienberaterin in Rapstedt anvertraute. Foto: Karin Riggelsen

Nach 37 Jahren hört Familienberaterin Alwine Holt auf. Ihre Anstellung im damaligen Krankenpflegeverein Rapstedt war für alle Neuland, und sie war obendrein die jüngste Familienberaterin in Nordschleswig. Ihrem Wirken für die Sozialdienste Rapstedt/Ravsted und Buhrkall/Burkal schadete es nicht.

Da sitzen sie. Sie kennen sich in- und auswendig, sie schätzen sich, und sie verbindet ein ganz besonderes Ereignis: Mariechen Johannsen aus Bülderup-Bau, heute 89 Jahre alt, gehörte dem Gremium an, das Alwine Holt als neue Familienberaterin für den damaligen Rapstedter Krankenpflegeverein einstellte.

Das ist über 37 Jahre her. Nun schließt sich der Kreis. Alwine Holt hat sich mit Anfang 60 für den Vorruhestand entschieden. Ende August geht sie von Bord.

„Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Alwine beim Bewerbungsgespräch sagte, dass ihre Familie neben einer älteren Dame (in Tingleff, red. Anm.) wohnte und dass sie sich mit um die Dame gekümmert hat“, sagt die rüstige Seniorin in ihrer Wohnung im Engløkke in Bülderup-Bau.

Die richtige Wahl

Es sei die richtige Wahl gewesen, Alwine Holt für den neuen Posten als Familienberaterin anzustellen, betont Mariechen Johannsen, die fast vier Jahrzehnte als Vorstandsmitglied im Rapstedter Sozialdienst bzw. Krankenpflegeverein aktiv war.

Alwine Holt arbeitete 37 Jahre lang als Familienberaterin für den Sozialdienst Nordschleswig und geht zum 1. September in den Vorruhestand. Foto: Karin Riggelsen

War lange Zeit eine Krankenschwester für den späteren Sozialdienst Rapstedt tätig, wurde dort die Stelle einer Familienberaterin eingeführt. Entsprechend wichtig nahmen die Verantwortlichen die Stellenbesetzung.

„Es war eine große Runde mit dem gesamten Hauptvorstand und dem Rapstedter Vorstand. Es waren an die 20 Personen“, erinnert sich auch Alwine Holt noch gut an das damalige Zusammentreffen.

Jung ins Neuland

Dass sie mit der Aufgabe betraut wurde, überraschte sie ein wenig. „Ich war ja erst 25 Jahre alt und 20 Jahre jünger als die Kollegen. Es war für beide Seiten zudem Neuland“, so Holt.

Hannemie Schmidt ermutigte mich damals, mich zu bewerben. Sie sagte aber auch, dass man den Job maximal zehn Jahre machen kann, weil er einem vieles abverlangt. Daraus sind dann doch mehr geworden.

Alwine Holt

Mit der neu geschaffenen Stelle der Familienberaterin fand sie sich schnell zurecht. „Es gelang schnell, Vertrauen aufzubauen“, so Holt. „So war es zum Glück auch, als ich später den Sozialdienst Buhrkall dazubekam. Es passte gleich.“

„Es war immer schön zu wissen, dass man Alwine alles anvertrauen konnte, auch wenn man mal eine schwere Stunde hatte“, wirft Mariechen Johannsen mit einem anerkennenden Blick ein.

Quereinstieg

Beruflich hatte Alwine Holt zunächst einen anderen Weg eingeschlagen. Nach der Schule ließ sie sich zur Buchhalterin ausbilden und arbeitete in der Tingleffer Andelskasse (Tinglev).

Dort drängte sich ein Berufswechsel in den sozialen Bereich dann immer mehr auf. „Der Kundenkontakt hatte mir gut gefallen“, so Alwine Holt zum Beweggrund, sich für die Stelle als Familienberaterin zu bewerben.

„Hannemie Schmidt (damalige Geschäftsführerin des Sozialdienstes Nordschleswig, red. Anm.) ermutigte mich damals, mich zu bewerben. Sie sagte aber auch, dass man den Job maximal zehn Jahre machen kann, weil er einem vieles abverlangt. Daraus sind dann doch mehr geworden“, so Alwine Holt mit einem verlegenen Lächeln.

Es war immer schön zu wissen, dass man Alwine alles anvertrauen kann, auch wenn man mal eine schwere Stunde hat.

Mariechen Johannsen

Menschen in allen Lebenslagen – in Krisen und im „normalen“ Alltag – zu unterstützen, zu beraten und zu helfen: Dieser Aufgabe hat sich die dreifache Mutter fast 40 Jahre lang gewidmet.

Immer komplexere Aufgaben

Anfangs stand vor allem die Betreuung älterer Mitbürger im Mittelpunkt. Das hat sich mit den Jahren geändert. Familien mit Kindern, Jugendliche, Alleinstehende und Ehepaare jeden Alters gehören längst auch zur ihrer Zielgruppe.

Die Aufgaben wurden komplexer. Sie hilft und berät, wo sie kann – organisatorisch und vor allem auch psychologisch.

Auf ihre Dienste hat auch der Landwirtschaftliche Hauptverein für Nordschleswig zurückgegriffen. Er konnte Alwine Holt als Beraterin für sich gewinnen können.

Angeregte Unterhaltung zwischen Mariechen Johannsen (l.) und Alwine Holt Foto: Karin Riggelsen

Die Arbeitsabläufe und die Erreichbarkeit änderten sich mit der Digitalisierung völlig. „Wenn man daran zurückdenkt, dass man früher aus dem Haus gegangen ist und nicht erreichbar war, dann ist das heute unvorstellbar“, so Alwine Holt, die ein Handy schön längst als ein ganz wichtiges Arbeitsgerät mit sich führt und auch vieles am Computer erledigt.

Entschleunigen

Ab dem 1. September soll das Telefon nicht mehr klingeln, und Bescheide werden dann an die Nachfolgerin Lena Meyhoff Hansen gehen.

Ihren Vorruhestand wolle sie unter anderem noch mehr für Fahrradreisen und mit Kajakfahren verbringen, so Holt. Hobbys, die sie mit Ehemann Bent teil. Er war über 40 Jahre als medizinische Fachkraft im Krankenhauswesen im Bereich Anästhesie tätig und geht zeitgleich mit Gattin Alwine in den Vorruhestand.

Für beide bleibt dann mehr Zeit für Hobbys, für Haus und Garten in Tingleff und für die fünf Enkelkinder, von denen drei im selben Ort wohnen.

Wie die Gestaltung so viel freier Zeit letztendlich aussehen wird, lasse sie auf sich zukommen. „Ich habe es ja noch nie ausprobiert“, so Alwine Holt mit einem Lächeln.

„Alles einfach ruhig und gelassen angehen. Das fände ich wichtig – und wenn es nur beim Kochen oder Backen ist.“

Das Leben entschleunigen. Das ist das Motto der künftigen Ruheständlerin. Alwine Holt nennt es selbst „Slow living“.

Alwine Holt Foto: Karin Riggelsen
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