LHN-Hauptversammlung

Konservative Beratung mit Erfolg

Konservative Beratung mit Erfolg

Konservative Beratung mit Erfolg

Tingleff/Tinglev
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Landwirte unter sich.... Foto: Friedrich Hartung

Trotz Dürre: Bei der Hauptversammlung am Dienstagabend konnte der LHN eine positive Bestandsaufnahme vorlegen.

LHN-Zahlen 2018

  • Der LHN hat ein Jahresergebnis von 1,2 Millionen vor Abzügen erwirtschaftet – nach allen Abzügen beträgt der Gewinn 349.884 Kronen.
  • Die Bilanz fällt im Vergleich zu 2017 um eine halbe Million besser aus. 2017 lag die Bilanz bei minus 162.839.
  • Die Betriebskosten sind insgesamt gefallen, der LHN beschäftigt derzeit 31 Vollzeitmitarbeiter.


Rund zwölf Millionen Landwirte gibt es in der EU – etwa 80 von ihnen kamen am Dienstagabend zur Hauptversammlung des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN).

„Ein außergewöhnliches Jahr, das wir so noch nie hatten.“ So hat der LHN-Vorsitzende Jørgen Popp Petersen am Dienstagabend das Jahr 2018 zusammengefasst.

„Vor einem Jahr saßen wir noch im Matsch der enormen Niederschläge des Herbsts und Winters fest. Und dann haben wir den wärmsten, sonnenreichsten und trockensten Sommer seit mehr als 100 Jahren erlebt. Es hat Blut, Schweiß und harte Arbeit gekostet“, so der Vorsitzende am Abend im Tingleffer LHN-Gebäude. Rund 80 Mitglieder fanden den Weg in den Versammlungsraum.

Der Vorsitzende des LHN, Jørgen Popp Petersen, bei seinem Bericht. Im Hintergrund sitzen LHN-Vorstandsmitglied und Moderator Christian Kock und LHN-Direktor Tage Hansen. Foto: Friedrich Hartung

Popp Petersen sprach von einer herausfordernden Zeit aufgrund der Dürre 2018. Der rekordwarme Sommer habe für viele Betriebe große und ernste Folgen gehabt.

„Gerade in der Dürre zeigte es sich wieder sehr deutlich, wie viele Gesetze an Termine gebunden sind, die eingehalten werden müssen, obwohl sich die Natur überhaupt nicht nach dem Kalender oder den Gesetzen richtet. In Sachen Daten-Tyrannei hat man uns Flexibilität und Vereinfachung versprochen. Bis heute aber ohne Ergebnis, das ist nicht in Ordnung.“
Der Getreideertrag hat sich 2018 gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent auf 7,2 Millionen Tonnen reduziert. „Eigentlich erstaunlich, mit fast keinem Regen. In vielen Regionen der Welt würde bei einem Jahrhundert-Sommer die Ernte komplett ausfallen.“

Gut besucht war die Hauptversammlung im LHN-Gebäude Dienstagabend. Foto: Friedrich Hartung

Wenn er zwei Ereignisse des vergangenen Jahres hervorheben sollte, dann waren das zum einen die grenzüberschreitende EU Konferenz in Tondern, und zum anderen die Ernennung des LHN-Vorstandsmitgliedes Jan David zum Junglandwirt des Jahres in Dänemark.

Mit Blick auf das neue Jahr und die EU- und Folketingswahl sagte Popp Petersen: „Wir befinden uns in den kommenden Monaten in einem Super-Wahlhalbjahr. Egal ob Lars Løkke Rasmussen oder Mette Frederiksen das Rennen macht, wir werden zusammenarbeiten müssen.“

Der LHN-Vorsitzende warb für EU-Freundlichkeit. „Wir haben jetzt seit mehr als 70 Jahren Dauerfrieden. Das haben wir der EU und der gemeinsamen Arbeit zu verdanken. Allgemein wird das meiner Meinung nach viel zu wenig geschätzt. Der Frieden und der Wohlstand sind keine Selbstverständlichkeit – und die gemeinsame Agrarpolitik ist ein wichtiger Teil dieser Erfolgsgeschichte.“

Grüne Energieprojekte, hält Popp Petersen fest, hätten es derzeit schwer realisiert zu werden; dies gelte für Wind, Biogas oder Fotovoltaik. „Die Landwirtschaft könnte eine Schlüsselrolle einnehmen. Bürgerproteste bremsen die Projekte überwiegend aus.“

LHN-Direktor Tage Hansen legte seinen Geschäftsbericht ab. „Die Herausforderungen der Landwirtschaft mit der Liquidität sind lange noch nicht vorbei“, so Hansen. Man kämpfe weiter für jeden einzelnen Hof. Dass der Kampf erfolgreich geführt wird, konnte Hansen anhand einer beeindruckenden Zahl verdeutlichen: In den vergangenen zehn Jahren gab es innerhalb der vom LHN betreuten Höfe lediglich fünf Konkurse.

Tage Hansen und Christian Kock Foto: Friedrich Hartung

65 Prozent aller Betriebe im Land seien derzeit nicht speziell abhängig von finanzieller Unterstützung, es gebe also weitaus mehr positive Geschichten zu erzählen, von Höfen mit gesunder Wirtschaftsgrundlage. Auch bei den Höfen mit finanziellen Schwierigkeiten liegt der LHN nach Aussage Hansens besser als der Landesschnitt. Während landesweit rund 30 Prozent aller Landwirte mit Finanzen kämpfen, seien es unter den LHN-Betrieben rund 20 Prozent.

Und wie geht es dem LHN selbst? Das Gebäude muss weiterhin und laufend renoviert werden – „manche Fenster sind je nach Windrichtung undicht“, nahm es der LHN-Direktor mit Humor. Der LHN hat einen Überschuss erwirtschaftet, „das beste Resultat seit mehreren Jahren“, so Hansen. Die Schulden des LHN seien beträchtlich abgetragen worden, „wir haben eine starke Liquidität“, so Hansen.

Konservative Beratung werde vor dem Hintergrund einer auch weltweit unsicheren wirtschaftlichen und politischen Lage nie unmodern.

Wird es eine Strukturentwicklung in der Beratungsstruktur innerhalb der Branche geben? Derzeit gibt es 23 Beratungseinheiten und rund 2.000 Mitarbeiter. Ja, hielt Tage Hansen fest. Und ja, es werde sicherlich Fusionen der vielen Beratungsunternehmen und Vereine geben, Zusammenschlüsse, die nicht immer positive Auswirkungen haben werden, so Hansens Prognose. Man setze aber vor allem auf eine starke Zusammenarbeit untereinander.

Als Referenten hatte der LHN die Direktorin von Landbrug & Fødevarer, Anne Lawaetz Arhnung, sowie den EU-Experten Hans Berend Feddersen eingeladen. Hier auf dem Bild zusammen mit dem LHN-Vorsitzenden Jørgen Popp Petersen. Foto: Friedrich Hartung

„Eine fast religiöse Debatte“

Die politische Tagesordnung sowie die mediale Darstellung der Landwirte seien in diesen Zeiten oft von Angst und Wutbürgern getrieben, so der Eindruck von Jørgen Popp Petersen.
„NGOs und Lobbyisten können vieles durch Angst ausbremsen. Im Agrarbereich sorgen Schlagwörter wie Nitrat, Pestiziden, Glyphosat, Massentierhaltung, Antibiotika, Tiertransporte, Stickstoff, Sauerstoffmangel und GMO für Debatten.“

Allgemein werde die Verantwortung der Landwirtschaft zugeordnet. „Selbstverständlich müssen wir alle Aspekte diskutieren können und wollen.“ Man sollte dabei versuchen dieses Thema offensiv anzugehen. In Sachen Zucht, reduzierte Bodenbearbeitung, heimische Proteinzüchtung, „precisions farming“, Biogas und alternative Bewirtschaftung von extensiven Flächen habe man bereit hervorragende Ergebnisse vorzuweisen.

„Die von NGO’s, Lobbyisten und Wutbürgern angefeuerte und manchmal fast religiöse Debatte über den Fleischverbrauch kann anstrengend sein. Vegan hat Bio überholt und die Debatten gehen von Hysterie zu religiösen Tendenzen. Fanatiker fordern, dass sie Ernst genommen werden. Gleichzeitig wollen sie nicht akzeptieren, dass andere eine andere Haltung haben. Man könnte meinen, dass das ein Zeichen für Wohlstand ist. Wir haben Überfluss von allem und gleichzeitig werden mehr und mehr unzufrieden.“ Es sei daher wichtiger denn je, sich um das Image zu kümmern. Man erlebe heftige Kritik, das gelte in den Medien sowie in der Politik, und deswegen auch bei den Wählern und Verbrauchern. Es sei positiv, dass die Klimadebatte von jungen und jüngeren Kräften getrieben wird. „Das inspirierende bei jungen Leuten ist, dass sie nicht automatisch alte Zeiten zurück haben wollen.

Offene Höfe, bei denen sich Bevölkerung und Kritiker ein reales Bild von den Verhältnissen machen könnten, seien die „wichtigsten und wertvollsten Maßnehmen“, so Popp Petersen, der in diesem Zusammenhang Alice, Hans und Peter Sönnichsen dankte, die 2018 ein „attraktives Ziel“ für etwa 600 Gäste in der Tonderner Marsch waren.

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