Pastor Ole Cramer

„Ich sehe da viel Potenzial“

Kjeld Thomsen
Kjeld Thomsen Lokalredakteur
Tingleff/Tinglev
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Ole Cramer
Ole Cramer Foto: Kjeld Thomsen

Ole Cramer ist ein „Comebacker“ als Pastor in der Nordschleswigschen Gemeinde. Am Sonntag wird er 50 Jahre alt.

„Ja, man kann von Heimweh sprechen“, so Pastor Ole Cramer aus Tingleff, der am Sonntag sein 50. Lebensjahr vollendet. Geboren und aufgewachsen ist Ole Cramer „eigentlich“ im Rendsburger Raum. Dennoch war es Heimweh, das ihn und Familie vor zwei Jahren nach Nordschleswig zurückkehren ließ, um im Pfarrbezirk Tingleff die Pastorenstelle zu übernehmen. Hier teilt er sich die Stelle mit Ehefrau Astrid. Von 2007 bis 2013 war Ole Cramer Pastor im Pfarrbezirk Buhrkall – und diese Zeit prägte. „Wir haben uns sehr wohlgefühlt“, so der bald 50-Jährige.

Rückkehr aus Lübeck

Als seine Frau zur Buhrkaller Zeit den Wunsch hatte, hauptamtlich als Pastorin tätig zu sein, tat sich im Lübecker Raum die Möglichkeit auf. Die Familie verließ Nordschleswig wieder. Schweren Herzens, wie Ole Cramer gesteht.
Als in Tingleff dann die Pastorenstelle frei wurde, zögerten die Cramers nicht lange und bewarben sich als Team.

2017 erfolgte die Rückkehr nach Nordschleswig. Es bedurfte etwas Überredungskunst, um auch die Kinder Jesse und Ria vom erneuten Umzug zu überzeugen, so Ole Cramer. Letztendlich entschied man sich dafür, und die Freude war dann auch groß, die Leute hier wiederzutreffen.

Kein Trübsalblasen: Cramer sieht „viel Potenzial“

Was macht den Reiz aus, in Nordschleswig zu leben und als Pastor zu arbeiten?

„Es ist das Persönliche. Du kennst die Leute, und es besteht ein enger Kontakt. In der Stadt ist es doch etwas unpersönlicher. Und dann finde ich die Grenzlandsituation reizvoll mit dem deutsch-dänischen Kontext“, so Cramer.

Auch die geografische Lage der Nordschleswigschen Gemeinde von der Ostsee bis zur Nordsee sei etwas Besonderes, ergänzt der Pastor. Man kennt sich in ganz Nordschleswig, und man kennt sich gut. Der Kontakt brach zur Lübecker Zeit auch nicht ab, so Cramer.

Nun sind er und Familie wieder da und nehmen aktiv teil an der kirchlichen Arbeit. Die Cramers sind bestrebt, einen guten Draht zu den älteren Schäfchen wie auch zur Jugend zu haben. In Gemeinden wird oft eine Lücke beklagt, die zwischen Alt und Jung klafft. Immer weniger scheinen den Zugang zur Kirche zu finden. Oder zu suchen. Zum Trübsalblasen bringt das den Tingleffer Pastor allerdings nicht, denn Kirche ist weit mehr als nur Gottesdienste.

„Ich sehe da viel Potenzial in der Nordschleswigschen Gemeinde“, so der Pastor. Er und Astrid haben sich um die sogenannte Teamerausbildung bemüht, um jungen Menschen nach der Konfirmation die Gelegenheit zu geben, die Nähe zu Kirche und christlichen Werten aufrechtzuerhalten. Teamer unterstützen die Pastoren unter anderem bei der Betreuung der Konfirmanden.

Heimat Nordschleswig, Zuhause Deutschland

Und mit dem Jugendverband, dem Sozialdienst und den Schulen sieht Ole Cramer generell eine gute Vernetzung, um die kirchliche Arbeit mit all ihren Facetten für alle Generationen präsent sein zu lassen.
Und was macht ein Seelsorger mit bald 50 Jahren in der Freizeit?

„Ich segele gern. Mein Sohn und ich sind im Kollunder Segelklub und unternehmen hin und wieder kleine Touren. Darauf sind wir übrigens beim Familientag der Schule gekommen“, erzählt Cramer.

„Draußen auf dem Wasser bekommt man den Kopf frei“, so der 49-Jährige. Den Kopf frei und viel Bewegung bekommt der Pastor zudem, wenn die tagtäglichen Gassi-Touren mit Familienhund Hugo anstehen.

Gesellschaftsspiele mag er gern, und er spielt Gitarre, die er oft im Gottesdienst einsetzt. Früher hat er viel mit Sohn Jesse gespielt. „Der hat mich aber schon längst überholt“, so Cramer mit einem Lachen. Jesse ist mittlerweile versierter E-Gitarrist und als Schüler des Deutschen Gymnasiums Mitglied der Schülerband DanGer.
Tochter Ria ist in der sechsten Klasse an der Deutschen Schule Tingleff, die direkt neben dem Pastorat liegt. „Den kurzen Weg findet Ria natürlich klasse“, bemerkt Ole Cramer mit einem Schmunzeln.

Am Geburtstag reisen die Cramers nach Hause nach Deutschland, um mit der Familie zu feiern. Danach geht es wieder in die Heimat. Nach Nordschleswig. Montag ist im Pastorat dann von 10 bis 12 Uhr „åbent hus“.

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