Profi in UK zu Gast

„Golf ist so leicht – wenn es gut läuft“

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Uk/Uge
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Die Weltklasse-Golferin Caroline Masson demonstrierte schon bei ihren Aufwärmschlägen ihre große Klasse. Foto: Fr. Hartung

Ausrüster Ecco ermöglichte eine kleine Lehrstunde des deutschen „Golf-Pros“ Caroline Masson auf der Golfanlage in Uk.

Das fachkundige Publikum nickte schon bei den Aufwärmschlägen von Caroline Masson immer wieder anerkennend und staunte nicht schlecht, wie weit und präzise die 29-jährige professionelle Golfspielerin die kleinen gelben Bälle auf dem Green an der Driving Range verteilte.

Auf der Anlage von Sønderjyllands Golfklub in Uk sollte die 39. der Weltrangliste gestern mit den sechs Gewinnern der Ecco-Day-Turniere in Deutschland neun Löcher spielen. Vorher hatte ihr Ausrüster eine sogenannte Golf-Clinic mit Caroline Masson für Interessierte veranstaltet. Sie zeigte ihr Aufwärmprogramm, gab Ratschläge fürs Training und betonte immer wieder, wie wichtig es ist, zu trainieren – „auch wenn’s gut läuft. Spielt man nur Turniere, dauert es nicht lange, dann schleichen sich alte Gewohnheiten wieder ein. Man muss ständig seine Position zum Ball, seinen Schwung, die Handhaltung kontrollieren und üben. Man muss sich als Golfspieler immer weiterentwickeln, denn Stillstand ist im Golf Rückschritt“, betont die 29-Jährige besonders an die Schar Jugendlicher von der Golflinie der Sportnachschule SINE in Lügumkloster gerichtet, die den Ausführungen des Golfprofis mit offenen Ohren und Augen lauschten. „Golf ist so ein leichtes Spiel, wenn es gut läuft, aber auch so verd… schwer, wenn es nicht läuft“, bringt sie es auf den Punkt.

Moderiert vom eigenen Profi

Moderiert wurde die Golf-Clinic, die übrigens vornehmlich auf Deutsch durchgeführt wurde, von Thor Andersen, dem Golfpro von Sønderjyllands Golfklub, der dank seiner eigenen internationalen Karriere auch verschiedener Sprachen mächtig ist, darunter offensichtlich auch Deutsch.

So erfuhren die Zuschauer viel Wissenswertes über das Leben einer „Golfproette“, die mit ihrem aktuellen Platz in der Weltrangliste nicht zufrieden ist. Nach einem schlechten Schlag darf man aber nicht mit sich hadern, sondern sollte ihn möglichst schnell abhaken und sich auf den nächsten Schlag konzentrieren. „Vergesst nie: Man kann einen Double Bogey mit zwei Eagles ausgleichen“, sagt sie, vornehmlich an die jugendlichen Zuschauer gewandt.

Sie ist selbst ehrgeizig und stellt hohe Ansprüche an sich, gibt sie zu. „Man muss sich aber auch Ziele stecken, darf nie mit sich zufrieden sein. Ich arbeite derzeit an meiner Konstanz. Ziel ist es, auch in einer schlechten Woche einen Platz in der Top 50 zu ergattern, und wenn es so mittel läuft, will ich in die Top 30“, betont die 29-Jährige. Wenn es richtig gut läuft, will sie ein Turnier der LPGA-Tour, der nordamerikanischen Turnierserie für Frauen, gewinnen.

Team Europa

Auf der europäischen Ladys-Tour ist ihr ein Sieg gelungen. Sie kann jedoch auf etliche Top-5-Ergebnisse in beiden Turnierserien zurückblicken. Sie gehörte als einzige Deutsche drei-mal in Folge dem Team Europa beim renommierten Solheim-Cup an und konnte ihn 2013 gewinnen. Zu den Highlights ihrer Karriere zählt sicherlich auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio.

Ausrüster Ecco wurde übrigens schon vor sieben Jahren auf die junge Deutsche aufmerksam. „Iben Tinning, einst Dänemarks beste Golfspielerin, lenkte mein Augenmerk damals auf Caroline. ,Aus der wird mal was‘, sagte sie mir, und da haben wir nicht lange gefackelt. Sie passt zu uns. Sie ist – wie wir – durch und durch sympathisch“, stellt Michael Waack, Head of Internal Golf beim Ecco-Konzern, lachend fest.

Aufwärmroutine des Profis abgeguckt

Unter den vielen Schaulustigen war Birgit Kirchhübel. Sie ist Kapitänin und Spielerin der ersten Frauenmannschaft des Klubs, die in der 1. Division auf Punktejagd geht.

„Das war schon sehr interessant“, findet sie, nachdem Golfproette Caroline Masson über ihre Karriere, über das Training und über verschiedene Aspekte des Golfspiels erzählt hatte. „Da kann man nur Respekt haben“, betont Kirchhübel und kündigt an, demnächst ihr Aufwärmprogramm umzustellen.

„Ich mache meine Aufwärmschläge heute mit einem viel größeren Schläger als Caroline Masson, die wirklich mit dem kleinsten Wedge anfängt und sich langsam steigert, um so Ballkontakt zu spüren und in den Rhythmus zu kommen. – Das ergibt für mich Sinn. Das werde ich künftig auch ausprobieren“, sagt die versierte Golferin.

Bevor Caroline Masson die Driving Range in Uk betrat, wurde sie von Mutter Gabriele fürsorglich mit Mückenspray besprüht – Eltern von Golfpros (rechts Vater Stefan) sind nicht anders als „normale“ Eltern. Foto: Friedrich Hartung

„Nee, Golf ist schon der richtige Sport für Caro“

Wenn der Vater Tenniscoach ist, liegt es eigentlich auf der Hand, dass die Kinder auch Tennis spielen. „Caroline hat auch mit Tennis angefangen, aber in dem Sport hätte sie es bestimmt nicht so weit gebracht. Sie ist eine emotionale Sportlerin und hätte sich zu viel auf ihre Gegnerin konzentriert. Nee, nee, Golf ist schon der richtige Sport für Caro. Da hat sie keinen direkten Gegner, sondern muss sich auf ihr eigenes Spiel fokussieren“, sagt Mutter Gabriele.

Auf den Golfplatz wurde Caroline Masson schon mit fünf Jahren von ihrem Großvater mitgenommen. Anfangs jagte sie mit einem Plastikschläger den Bällen hinterher. Mit zehn Jahren hat sie dann die ersten richtigen Golfschläger in die Hand genommen.

Tochter Caro lebt heute in Orlando, Florida. Zu Turnieren in Europa fahren die Eltern nach Möglichkeit mit, und sie begleiten ihre Tochter jetzt auch auf ihrer Dänemarktour, wohin sie auf Einladung ihres Ausrüsters Ecco gekommen sind. „Wir sind zum ersten Mal hier. Es gefällt uns hier. Das Ecco-Zentrum in Tondern ist wunderschön“, findet Mutter Masson.

Sohn Alexander spielt übrigens Tennis – als Hobby. Er steht kurz vor dem Abschluss seines Jura-Studiums. „Er wird also etwas Vernünftiges“, wie sie schmunzelnd feststellt.

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