Kristianshaab

Durch Corona doppelt gestraft

Durch Corona doppelt gestraft

Durch Corona doppelt gestraft

Bülderup-Bau/Bylderup-Bov
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Trotz der aktuell schwierigen Lage haben Peter und seine Mitarbeiterin Kirsten ihr Lachen noch nicht ganz verloren. Foto: dodo

Für den Campingplatz- und Gaststättenbetreiber von Kristianshaab, Peter Engel, ist das Jahr 2020 besonders herausfordernd.

Eines steht jetzt schon fest. Das Jahr 2020 wird Peter Engel nicht sonderlich gut in Erinnerung bleiben. Die Corona-Krise hat dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben in diesem Jahr den Stempel fest aufgedrückt. Besonders betroffen waren unter anderem auch Campingplätze und Gaststätten, die an dem Shutdown im Frühjahr und den bis heute andauernden Corona-Vorschriften hart zu knabbern haben. Für Peter Engel gilt dies in doppeltem Sinne, denn er betreibt in Bülderup-Bau sowohl den Campingplatz Kristianshaab als auch die gleichnamige Gaststätte Kristianshaab Kro.

Beide sind eng miteinander verwoben: Der kleine Campingplatz wird vor allem von Klubs aus Dänemark, aber auch aus Deutschland für ihre Treffen genutzt. Beliebt ist der Campingplatz wegen seiner ruhigen Lage, dem bayerischen Essen, auf das die Peters Gaststätte spezialisiert ist und der Grenznähe und der damit gebotenen Möglichkeit, im Grenzhandel günstig einzukaufen. Fast jedes Wochenende ist ein anderer Klub zu Besuch. Doch durch Corona ist in diesem Jahr vieles anders.

Dieses Jahr blieben viele Plätze des Campingplatzes häufig leer. Foto: dodo

„Am kommenden Wochenende veranstaltet Adria sein Klubtreffen bei uns. Sie übernachten in ihren Wohnwagen und kommen zu uns in die Gaststätte, um bayerisch zu essen und zu trinken. Normalerweise kommen immer um die 70 Personen. Durch die Corona-Auflagen darf ich nun nur noch maximal 40 Personen in meinen Räumlichkeiten bewirten. Da fällt fast die Hälfte weg“, sagt Peter Engel.

Ein Drittel weniger Einnahmen

Hinzu komme noch, dass er seine Gaststätte und seinen Biergarten um 22 Uhr schließen muss. „Normalerweise bleiben die Gäste immer bis mindestens 24 oder 1 Uhr und genießen das bayerische Ambiente und das dazugehörige Bier“, so Engel. Für den 63-Jährigen bedeutet dies, dass derzeit rund Ein Drittel der sonstigen Einnahmen wegfällt.

Vor allem jetzt im Herbst schmerzen die derzeitigen Auflagen besonders: „Jetzt veranstalten wir traditionell unsere Bierfeste, da sind die Corona-Auflagen natürlich eine Katastrophe“, erzählt der Gastwirt.

Als Campingplatzbetreiber und Gastwirt ist das bisherige Jahr für ihn besonders schlimm. Foto: dodo

Frühjahr war am schlimmsten

Noch schlimmer war die Lage allerdings im Frühjahr, als durch den Shutdown sowohl Campingplatz als auch Gaststätte über Wochen komplett geschlossen werden mussten. Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt, normalerweise die Zeitpunkte im Jahr, wo besonders viel los ist, fielen komplett weg. Hinzu kam die Grenzschließung, sodass deutsche Stammgäste aus der Nähe lange nicht kommen konnten.

Im Sommer kamen nur drei von zehn Stammgästen auf den Campingplatz. „Die Leute haben Angst, viele fürchten aufgrund der sich ständig ändernden Lage, dass sie vielleicht in Quarantäne müssen, wenn sie aus Nordjütland oder Kopenhagen hierherkommen. Das Risiko wollen viele nicht eingehen."

Hilfe vom Sohn

Derzeit hat der Kristianshaab Kro nur noch Freitag und Sonnabend geöffnet. Denn als wäre Peter Engel durch Corona nicht schon genug gestraft, auch gesundheitlich hat er derzeit mit einer Virenerkrankung im Bein zu kämpfen, wodurch er nicht mehr voll einsatzfähig ist. Sein Sohn Rune wohnt derzeit wieder mit im Haus und hilft bei der Arbeit.

Wo sonst bis zu 70 Personen Platz finden, sind derzeit nur maximal 40 Gäste erlaubt. Foto: dodo

Auch die Arbeit selbst und der Ablauf in der Gaststätte haben sich verändert: „Die Leute haben Angst, sich anzustecken, viele rufen vorher an und fragen, ob es genug Sicherheitsabstände gibt. Deshalb achten wir nun sehr genau auf die Hygiene, darauf, dass alle ihre Hände desinfizieren und dass am Büffet keine Selbstbedienung mehr herrscht“, erzählt Peters Mitarbeiterin Kirsten.

Wenig Hoffnung für 2021

Viel Hoffnung, dass das kommende Jahr besser laufen wird als das jetzige, hat Peter derzeit nicht. „Wir wissen jetzt schon, dass 2021 nicht wieder alles normal sein wird. Die Klubs, die normalerweise immer bereits ein Jahr vorher buchen, sind jetzt viel vorsichtiger. Klubs aus Deutschland sagen zum Beispiel nur unter Vorbehalt zu, wenn ihnen bei einem Besuch keine anschließende Quarantäne droht, und natürlich weiß zum jetzigen Zeitpunkt auch niemand, ob nicht vielleicht die Grenzen wieder geschlossen werden. Es ist eine sehr schwierige Situation“, sagt der Campingplatz- und Gaststättenbetreiber.

Klar ist für ihn auch: Ewig kann es so nicht weitergehen. „Wir leben derzeit von unseren Reserven. Wenn sich nichts ändert, werden sich die Türen hier wohl oder übel schließen“, so Peter Engel.

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