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Chefredakteur: „Der Nordschleswiger“ wird noch nordschleswigscher

Chefredakteur: „Der Nordschleswiger“ wird noch nordschleswigscher

Chefredakteur: „Nordschleswiger“ wird nordschleswigscher

Apenrade/Aabenraa
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Gwyn Nissen
Chefredakteur Gwyn Nissen am Dienstagabend im Apenrader Medienhaus Foto: Cornelius von Tiedemann

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Nähe zu den Leserinnen und Lesern: Gwyn Nissen zeichnet vor dem Kontrollgremium Wege in eine „andere Welt“ vor. Im Gepäck immer dabei sein soll die „Nordschleswiger-DNA“: „Für wen sind wir da?“

„Wir haben heute einen viel engeren Kontakt zu unseren Leserinnen und Lesern – und einen besseren“, sagte „Nordschleswiger“-Chefredakteur Gwyn Nissen am Dienstagabend auf der nur dürftig besuchten Generalversammlung des Deutschen Pressevereins in Apenrade.

Hier zogen er und die Vorsitzende Elin Marquardsen Bilanz zu 2021 – und Nissen gab zudem einen Einblick in das, was die Leitung des deutschsprachigen Medienhauses in Dänemark gerade beschäftigt.

„Nordschleswiger-DNA“ für „ein ganz anderes Produkt“

Unter dem Oberbegriff „Nordschleswiger-DNA“ fasste Nissen dabei zusammen, wie sich das Medienhaus nach der im Februar 2021 vollzogenen Umstellung von Papier zu Online ausrichten will.

Eine Umstellung, vor der laut Marquardsen, als Pressevereins-Chefin vergleichbar mit einer Aufsichtsratsvorsitzenden, vielen Leserinnen und Lesern bange war. Zu Unrecht, wie sich herausgestellt habe, „denn ,Der Nordschleswiger’ von heute kann viel mehr als ,Der Nordschleswiger’ von gestern“ und sei „ein ganz anderes Produkt“.

Eines mit zahlreichen Vorzügen gegenüber der Papierzeitung, wie Marquardsen unterstrich. So sei der digitale „Nordschleswiger“ kostenlos und von überall aus zu erreichen, nicht mehr nur für die, die ihn abonniert haben. Und zusätzlich gebe es ja auch noch die 14-tägliche gedruckte Zeitung.

Ein Marquardsen
Die Pressevereins-Vorsitzende Elin Marquardsen im Gespräch mit Gwyn Nissen. Sie dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zeitung für das Geleistete in Zeiten der Umstellung. Foto: Cornelius von Tiedemann

Marquardsen: „Nie war ,Der Nordschleswiger' näher an seinen Leserinnen und Lesern“

„Die digitale Umstellung hat der Zeitung der Minderheit eine neue Zukunft gegeben“, so Marquardsen, die den Entschluss, auf Online zu setzen, unter anderem dadurch bestärkt sieht, dass die dänische Politik lokale digitale Medien künftig besonders fördern will.

Sie sei froh darüber, wie offen viele Leserinnen und Leser sich trotz anfänglicher Skepsis dem Neuen gegenüber gezeigt hätten. Dies habe auch an den Konzepten und Bemühungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Nordschleswigers“ gelegen, die Menschen in dem Prozess mitzunehmen. Durch Beratung, Workshops und dadurch, Kritik ernst- und anzunehmen.

„Nie war ,Der Nordschleswiger’ näher an seinen Leserinnen und Lesern“, so ihr Fazit – das Gwyn Nissen dankbar aufnahm.

Jahresabrechnung „Der Nordschleswiger“ 2021

Einnahmen: 24,7 Mio. Kronen

Ausgaben: 25,0 Mio. Kronen

Vortrag ins nächste Jahr: -0,3 Mio. Kronen

Nissen: Vor allem relevant und von Nutzen in Nordschleswig sein

Viele Nutzerinnen und Nutzer „helfen uns einfach, ein besseres Produkt zu machen“ – und dies „auf konstruktive Art und Weise“ – anders als früher, wo es zumeist höchstens Beschwerden gegeben habe.

Die Medienbranche bewege sich schneller als früher – und inzwischen sei „Der Nordschleswiger“ nicht mehr nur auf Inspirationssuche anderswo unterwegs – immer häufiger kämen auch andere Medien auf die Chefredaktion zu, „die von uns und unseren Erfahrungen lernen möchten“.

Für wen sind wir da? Was müssen wir machen – und was nicht?

Gwyn Nissen

Für das vergleichsweise kleine Medienhaus an der Apenrader Schiffbrücke sei es dabei zentral, sich nicht nur technisch, sondern auch journalistisch weiterzuentwickeln.

„In diesen Monaten dreht es sich vor allem um unsere eigene DNA. Für wen sind wir da? Was müssen wir machen – und was nicht?“, so Nissen.

Auch wenn täglich Tausende Leserinnen und Leser aus Deutschland „nordschleswiger.dk“ und die App aufrufen, so Nissen, „wollen wir vor allem relevant und von Nutzen sein für unsere Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger – vornehmlich aus der Minderheit, aber zunehmend auch aus der Mehrheit“, für neu Eingewanderte ebenso wie für diejenigen, die sich neu im Kreise der Minderheit bewegen.

„Wir jagen nicht nach hohen Klickzahlen. Aber wir wollen, dass unsere Artikel gelesen werden“, so Nissen.

Anne Barten
Anne Barten war am Dienstagabend ein Paradebeispiel für die engagierten Leserinnen und brachte eine ganze Liste an Fragen an den Chefredakteur mit – die er in den meisten Fällen zu ihrer Zufriedenheit beantworten konnte. Foto: Cornelius von Tiedemann

Mit vier Säulen näher an die Menschen in Nordschleswig heranrücken

Und damit dies vor allem in Nordschleswig noch häufiger als bisher schon geschieht, setze die Redaktion auf ein thematisches „Vier-Säulen-Modell“, an dem sich alle Inhalte ausrichten sollen.

Dabei gehe es um die Oberthemen Minderheit und Grenzland, Familie und Lebenswirklichkeit, Gesellschaft im Wandel und Natur. Möglichst viele dieser inhaltlichen Schwerpunkte sollen sich möglichst in allen Berichten des „Nordschleswigers“ wiederfinden.

„Wir sind für die Minderheit da, wollen aber auch über das Geschehen in den vier nordschleswigschen Kommunen berichten. Wir können aber nicht alles – und müssen nicht über alles berichten. Deshalb funktionieren die vier Säulen auch als Priorisierungs-Werkzeug für unsere Journalistinnen und Journalisten“, so Nissen.

Zudem sollen die Informationen, die ein neues, in Deutschland entwickeltes Analysewerkzeug über die Lese-Aktivität auf der Webseite und in der App verrät, der Redaktion helfen, die richtigen Inhalte anzubieten – und die Inhalte richtig anzubieten.

Anmerkung der Redaktion: Die Angaben zur Jahresabrechnung wurden um 13:45 Uhr aus Gründen der Verständlichkeit im Vergleich zu einer früheren Version umgestellt.

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