Leben in Nordschleswig

Was macht das Zuhause gemütlich?

Marlies Wiedenhaupt
Marlies Wiedenhaupt Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Heike Stobbe
Terrasse und Garten sind für die Erzieherin Heike Stobbe quasi „ein Zimmer mehr“. Foto: Karin Riggelsen

Das eigene Zuhause kann Kraftquelle, Rückzugsort, Ruhepol, Nest, Energiespender, Inspirationsort und vieles mehr sein. Doch was braucht es unbedingt, damit es auch ein gemütlicher, unverwechselbarer Platz ist? Vier Nordschleswiger zeigen uns, wie sie sich so richtig zu Hause fühlen.

Lis Johannsen aus Bülderup: „Es darf nicht allzu aufgeräumt sein“

Zu einem gemütlichen Zuhause gehören für Lis Johannsen mehrere Dinge. „Dass ich mich in unserem Haus in Bülderup sehr wohlfühle, liegt daran, dass ich dort schnell an der frischen Luft bin, mich sicher und geborgen fühle und durch den Garten um mich herum Bewegungsfreiheit habe und trotzdem unbeobachtet sein kann. In einem Wohnblock zu leben – das wäre überhaupt nichts für mich“, erzählt die Sekretariatsmitarbeiterin im Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig (LHN).

Lis Johannsen
Für Lis Johannsen ist das Zusammenleben mit der Labrador-Hündin ein Stück Zuhause. Foto: Karin Riggelsen

Ihre beiden Töchter – heute 15 und 20 Jahre alt – konnten von klein auf unbeaufsichtigt draußen spielen. Auch das machte ein entspanntes Wohnen aus, das Lis im Rückblick nicht missen möchte.
„Und drinnen darf es nicht allzu aufgeräumt sein, sonst ist es nicht gemütlich. Mir gefällt es zwar nicht, wenn zum Beispiel Klamotten auf dem Boden liegen, aber man muss schon spüren, dass dort Menschen leben.“
Zu Hause – das ist für Lis Johannsen auch „Tarte backen (Obstkuchen mit einem Mürbeteigboden, d. Red.) – zu jeder Jahreszeit, auch im Sommer.“ Ein Stück Zuhause also, das lecker schmeckt und mit Wohlgerüchen verbunden ist.

„Grundsätzlich ist es so, dass ich gern meine Kinder um mich herum habe – und unsere Hündin, ein Labrador-Mischling, den wir vor zwei Jahren als Welpe bekommen haben“, versichert die 56-Jährige. „Manchmal frage ich mich, worüber wir früher bloß gelacht haben, als sie noch nicht bei uns gewohnt hat.“

Hans Jensen aus Apenrade: Heimelige Dämmerung

Seine Zwei-Zimmer-Wohnung in Apenrade ist eher spartanisch eingerichtet. Deko findet man bei ihm „so wenig wie möglich. Denn das müsste ja geputzt werden, und das ist nicht meine stärkste Seite“, verrät Hans Jensen lachend. Und auch Bücher sind es nicht, die das Zuhause des 61-Jährigen erst gemütlich machen und die er braucht, um sich dort so richtig wohlzufühlen. Obwohl das vielleicht naheliegend wäre – denn Hans Jessen ist Bibliotheksassistent in der Deutschen Zentralbücherei Apenrade.

Hans Jensen
Wenn es nach und nach dunkel wird, macht Hans Jensen noch lange kein Licht an – für Gäste eine ganz neue Erfahrung. Foto: Karin Riggelsen

„Vor über 20 Jahren bin ich in der Bücherei gelandet. Dabei habe ich nach der Schule vielleicht zehn Bücher gelesen. Allerdings lese ich gern Zeitschriften, sehe gern Filme und höre Musik.“

Zum Wohlfühlprogramm in den heimischen vier Wänden gehört für Hans Jensen aber vor allem, dass er die Dämmerung genießt. „Meine Eltern haben es früher richtig zelebriert – at holde mørkning. Besonders im Winter, wenn es nachmittags zur Kaffeezeit schon langsam dunkel wurde“, erzählt Hans Jensen. „Mein Vater kam dann zwischen 15.30 und 16 Uhr von der Arbeit auf dem Hof herein – bevor später noch das Melken und andere Stallarbeiten zu erledigen waren.“

Während der Kaffeepause in seinem Elternhaus in Behrendorf brannte also kein Licht – nicht mal keine Kerzen, und die Familie erlebte dann ganz bewusst, über die Dämmerung in die dunkle Zeit des Tages einzutauchen. Das haben die Eltern sehr genossen, und auch Hans fand diese besondere Zeit des Beisammenseins als Kind sehr schön. „Obwohl ich die Dunkelheit eigentlich nicht mag. Aber ich war ja nicht allein.“

Weil der 61-Jährige ein großer Fan der Dämmerung ist, müssen heutzutage auch seine „armen Gäste mitleiden, wenn es dunkel wird“, erzählt er. „Sie sagen dann zum Beispiel: Jetzt wird es langsam dunkel. Ich sag dann nur: Ja. Sie fragen dann: Wollen wir bald mal Licht anmachen? Dann sag ich: Jo, jo!“

Heike Stobbe aus Alnor: Individualität und Gastfreundschaft

„Wenn man reinkommt ins Haus, sollte man gleich merken, wer da wohnt“, findet Heike Stobbe, die ein individuelles Umfeld wichtig findet, um sich in ihrer Umgebung so richtig zu Hause zu fühlen. Für die 56-jährige Erzieherin an der Förde-Schule Gravenstein gehören zum Beispiel alte Möbel dazu – „eben ein paar alte Sachen, die bei Oma rumstanden und die man dann mitgenommen hat“.

Heike Stobbe
Heike Stobbe findet, ein Garten schenkt Lebensqualität. Foto: Karin Riggelsen

Seit mehr als 20 Jahren wohnen sie und ihr Mann nun im eigenen Haus in Alnor – seit drei Jahren zu zweit, davor zu dritt beziehungsweise zu viert, bevor Sohn und Tochter ausgezogen waren. „Es war ein altes Haus und ganz schön revierungsbedürftig“, erzählt sie. Aber ihr Mann, der Bootsbauer ist, habe es liebevoll restauriert, „und so wurde es Stück für Stück immer mehr unser Haus. Ich bin richtig zufrieden, dass es so gut geworden ist, und je mehr so etwas wächst, desto mehr verwirklicht man sich ja selber.“

Zu den Veränderungen im Laufe der Zeit gehört für Heike Stobbe auch, dass sie und ihr Mann sich eigene Räume eingerichtet haben, seitdem die Kinder aus dem Haus sind. „Ich habe eine Art Kreativzimmer, wo ich zum Beispiel nähen kann – und vor allem alles liegen lassen kann.“

Einladendes Ambiente auch für Freunde und Familie. Foto: Karin Riggelsen

Zum wohligen Zuhause-Gefühl gehört für Heike Stobbe auch „unbedingt ein Garten dazu. Es ist einfach schön, die Tür aufzumachen und quasi noch ein Zimmer mehr zu betreten. Wir haben hier zum Beispiel schöne alte Apfelbäume.“ Auch den Schnack übern Zaun mit den vertrauten Nachbarn möchte sie nicht missen.

„Für mich ist aber auch sehr wichtig, dass mein Zuhause ein offenes Haus ist für Freunde und für die Familie, und dass sie auch immer hier übernachten können. Das ist dann zwar etwas eng, aber das macht nichts. Wenn meine Familie aus Deutschland kommt, dann verbringen wir das ganze Wochenende zusammen – und meistens kommen ein paar auf einmal.“

Jutta Pfeifer aus Tingleff: „Schönes Ambiente schaffen“

Für Jutta Pfeifer, Mitarbeiterin in der Buchhaltung der Nordschleswigschen Gemeinde, gehören mehrere Dinge zu einem gemütlichen Zuhause dazu. „Bücher lesen und Musik hören“, nennt sie ganz spontan als Erstes. Beim Lesestoff ist sie nicht auf eine Kategorie festgelegt, sondern mag Romane und Biografien ebenso wie Thriller oder Familiengeschichten. „Ich bin aber kein Fan von Hörbüchern, es muss ein richtiges Buch sein, das ich in der Hand halte. Und es muss schon die Zeit dafür sein – im Sommer gibt es ja auch draußen viel zu tun.“

Selbst gemacht ist das Blumengesteck im Hintergrund. Foto: Karin Riggelsen

Musik hören hingegen läuft bei der 61-Jährigen vor allem „nebenbei“ als Hintergrund-Unterhaltung zur Hausarbeit. Auch wenn sie keine bestimmte Vorliebe nennt, so bekommt die irische Folklore in der Aussage „gern querbeet“ doch eine kleine herausragende Rolle.

Foto: Karin Riggelsen

„Für ein gemütliches Zuhause gehört für mich aber auch dazu, ein schönes Ambiente mit etwas selbst Gemachtem zu schaffen. Zum Beispiel mit Blumen-Gestecken. Ich dekoriere ganz gerne in großen Schalen Sukkulenten, Hölzer und Steine. „Es ist immer wieder schön, wenn es mal ein wenig anders aussieht zu Hause, und das muss überhaupt kein Geld kosten.“

Und dann bedeutet Wohlfühlen in den heimischen vier Wänden für sie auch: „Holzofen-Wärme, ein Glas Wein in der Hand und Zweisamkeit genießen.“

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