Religion

Kirche 2020: Grenzüberschreitende Feierlichkeiten

Kirche 2020: Grenzüberschreitende Feierlichkeiten

Kirche 2020: Grenzüberschreitende Feierlichkeiten

Frank Jung
Flensburg/Apenrade
Zuletzt aktualisiert um:
Die Kirche will die Nationalitäten ins Gespräch bringen. Foto: Büttner/dpa

Die Kirche traut sich an ein grenzüberschreitendes Programm zum Volksabstimmungsjubiläum.

Ein Alleinstellungsmerkmal fällt auf. Andere Institutionen aus Deutschland und Dänemark gestatten sich nur punktuell Berührungspunkte, wenn in den kommenden Monaten das 100-jährige Jubiläum der Volksabstimmung über die Grenze begangen wird. Zu verschieden erscheinen vielen die Perspektiven auf das Plebiszit.

Schleswig-Holstein brachte es den Verlust seines nördlichsten Teils 60 Kilometer über Flensburg hinaus – Dänemark die Vollendung seines Nationalstaats. Die evangelisch-lutherischen Kirchen haben es dennoch geschafft, ein komplett gemeinsames Programm für „2020“ auf die Beine zu stellen.

„Erinnerungsfeiern zum Gedanken der Versöhnung“

Auch wenn das Thema auf den ersten Blick weit weg von Religion klingen mag, so sehen die Akteure doch kirchliche Kernkompetenzen gefragt: „Wenn die Feierlichkeiten anlässlich 1920 nur eine nationale Markierung blieben, kann es leicht zur Frage werden, ob die Grenzziehung eine Niederlage oder ein Sieg war. Die Kirche kann dazu beitragen, dass die Erinnerungsfeiern vom Gedanken der Versöhnung geprägt sind.“ So drückt es der Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard, unisono mit seinen Amtskollegen aus den dänischen Nachbar-Bistümern Hadersleben und Ribe aus.

Die Formulierung stammt aus dem Programmheft, das die drei nun in Flensburg vorgestellt haben. Mit dabei: die Oberhäupter der Kirchen der deutschen Minderheit in Dänemark und der dänischen Minderheit in Deutschland. Bereits das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 haben die fünf Partner zusammen gestaltet.

Die Festgottesdienste sind so ausgelegt, dass wir den Menschen einen Ort und einen Rahmen für die Begegnung, den Austausch und das Miteinander geben möchten. Und das auf möglichst fröhliche und unkomplizierte Art.

Gothart Magaard, Bischof

„Wenn es gilt, das Augenmerk mehr auf das Verbindende zu setzen und weniger auf das Trennende, gleichzeitig aber den Eigenheiten des jeweils anderen respektvoll gegenüber zu treten, dann kann der Glaube eine große Hilfe sein“, erklärt Magaard. „Denn mit ihm haben wir einen gemeinsamen Bezugspunkt.“

„Seit wenigen Jahren“, so Magaard, „gibt es auch ein deutsch-dänisches Gesangbuch, das wir in diesem Jahr kräftig nutzen werden.“ Die Kirchen wollten „gemeinsam feiern, weil wir im Laufe der Geschichte gelernt haben, die Grenzregion gemeinsam zu gestalten“.

Festgottesdienste

Persönlich hat sich der Schleswiger schon an vorderster Front auf das Jubiläumsjahr einstimmen können: Als die Spitzen von Staat und Gesellschaft in Dänemark Anfang Januar ein Wochenende lang den Auftakt der Feierlichkeiten begingen, war der Deutsche beim Einzug aller dänischen Bischöfe zum Festgottesdienst in Kopenhagen an einem der vordersten Plätze dabei.

Festgottesdienste kennt das „2020“-Programm im Grenzland auch, so jeweils passgenau zu den Abstimmungstagen 10. Februar und 14. März 1920 in Apenrade und Flensburg. Alle drei Bischöfe predigen dabei zusammen. Alles in allem sind die Angebote jedoch so konzipiert, dass sie nicht nur das kirchliche Kernpublikum ansprechen. „Sie sind so ausgelegt, dass wir den Menschen einen Ort und einen Rahmen für die Begegnung, den Austausch und das Miteinander geben möchten. Und das auf möglichst fröhliche und unkomplizierte Art“, sagt Magaard. „Gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen sind das beste Mittel, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln.“

Gemeinsame Aktivitäten

Das Format „Zu Tisch auf der Grenze“ ist dafür ein Beispiel. An drei Terminen im Juni, August und September sollen Christen dabei an drei Grenzübergängen an einer langen Tafel zusammenkommen. Die Idee nimmt die Erinnerung daran auf, wie Jesus die Menschen an einem Tisch versammelte und Gemeinschaft stiftete. Es gibt Pilgertouren zu Fuß und per Fahrrad entlang der Grenze, zudem ein Chorfestival in Nordfriesland und Kirchenkonzerte in Flensburg mit Titeln wie „Eine Grenze hat zwei Seiten“ oder „Grenzenlos glücklich“.

Der Kieler Regisseur Wilfried Hauke zeigt auf Schloss Gottorf seinen Film zum Grenz-Jubiläum und stellt sich der Diskussion. Auch Vorträge über historische Themen sowie eine Präsenz der Kirche auf einem Open-Air-Volkstreffen zur Rolle von Grenzen heute im dänischen Ribe gehören zum Programm.

Alle Termine und Details gibt es unter www.kirche-ueber-grenzen.de oder in einem Programmheft, das in den Gemeinden verteilt wird.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Mutiges Museum“