Lokalhistorie

Danewerk und Haithabu als Weltkulturerbe

Danewerk und Haithabu als Weltkulturerbe

Danewerk und Haithabu als Weltkulturerbe

Frank Lubowitz
Apenrade/Aabenraa
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Ganz unhistorisch wird in dieser Karte von 1539 das Danewerk als durchgehend turmbewehrte Mauer dargestellt. Foto: Detail aus Carta Marina aus Unverhau, 1993

Der Vortrag zur Geschichte des frühmittelalterlichen Grenzwalls und des Handelsorts Haithabu fand reges Interesse. Der für diesen Winter letzte Vortrag der Schleswigschen Gespräche fand im Haus Nordschleswig statt.

Der letzte Vortrag der Schleswigschen Gespräche – deutsch-dänische Begegnungen in diesem Winterhalbjahr traf im Haus Nordschleswig auf ein interessiertes Publikum. Als Referent war der Projektleiter für das Weltkulturerbe Haithabu/Danewerk beim Archäologischen Landesamt, Matthias Maluck, aus Schleswig gekommen.

Maluck bezeichnete die 33 km lange Wallanlage des Danewerks mit einer Reihe von Nebenwällen und sogar einem Seesperrwerk in der Schlei sowie den bedeutenden frühmittelalterlichen Handelsplatz Haithabu als ein Schatzkästchen der Archäologie.

Die Grenzbefestigungen des Danewerks auf der Schleswiger Landenge zwischen Schlei und dem in früheren Jahrhunderten nur schwer zugänglichen Gebiet der Treene-Niederung im Westen markierte dabei eher einen Grenzraum als die Grenze selbst, die aufgrund einer fränkisch-dänischen Festlegung von 811 an der Eider lag.
Aber schon lange davor sind Bautätigkeiten am Danewerk feststellbar. Neueste Untersuchungen datieren die ältesten Teile des Danewerks ins 5. Jahrhundert, also in die Zeit der Völkerwanderung. Der Handelsort Haithabu, der von ca. 770 bis 1066 existierte, um sich dann nach seiner Zerstörung als Stadt Schleswig auf dem sicheren Nordufer der Schlei weiter zu entwickeln, wurde im 10. Jahrhundert durch einen Verbindungswall mit dem Danewerk verbunden.

Orte als Trennung und Kommunikation

Matthias Maluck wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Danewerk und Haithabu somit gleichermaßen für Trennung und Kommunikation in der Zeit vom 8. bis zum 11. Jahrhundert stehen. Eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Funde zeigt die zentrale Stellung, die diese Region im europäischen Handel dieser Zeit einnahm.

In die Zeit nach dem Ende Haithabus fällt dann der Bau der Ziegelmauer Waldemars I. Da ihr Bau in die Phase der Konsolidierung der dänischen Königsmacht fiel, die im Folgenden sogar mit einer weitausgreifenden territorialen Expansion im Ostseeraum verbunden war, kennzeichnete Maluck die Waldemarsmauer vor allem als einen herrschaftlichen Repräsentationsbau, der den Herrschaftsanspruch eines Königs, der in der Lage ist, eine solche Mauer aus Ziegelsteinen errichten zu lassen, sichtbar machte.

Durch die Schaffung des Herzogtums Schleswig und seine Verbindung mit Holstein sollte das Danewerk in den auf das 13. Jahrhundert folgenden Epochen an Bedeutung verlieren, und selbst die Waldemarsmauer wurde als Steinbruch benutzt. Erst das 19. Jahrhundert entdeckt das Danewerk als nationales Symbol. Schon 1816 bis 1819 wurde auf Veranlassung von N. F. S. Grundtvig eine Zeitschrift „Dannevirke“ gegründet, die dann in der sich steigernden nationalen Auseinandersetzung 1838 neu gegründet wurde.

Mythisch überhöhte Befestigung

Seinen Höhepunkt als nationales Symbol erreichte das Danewerk im Zweiten Schleswigschen Krieg 1864, für den es schon ab 1861 mit modernen militärischen Schanzen versehen worden war. Die Aufgabe dieser mythisch überhöhten Befestigung – Thyras Wall – in den ersten Kriegstagen des Februar 1864 wurde dementsprechend als nationale Schmach Dänemarks empfunden.

Matthias Maluck betonte, dass bei der Formierung von Nationen oftmals archäologische Stätten Teil des Ursprungsmythos der jungen Nationen werden, so wie das beim Danewerk der Fall war.
Haithabu fand erst später das Interesse der Wissenschaft, da man lange Zeit glaubte, es handele sich um eine Wallanlage aus den Jahren der ostfränkisch-sächsischen Herrschaft, die für einige Jahrzehnte im 10. Jahrhundert hier bestand. Als die Siedlung dann seit Anfang des 20. Jahrhunderts als der Handelsort Haithabu wahrgenommen wurde, waren es vor allem die Ausgrabungen in den 1930er Jahren, die Haithabu in eine völkisch-germanische Tradition einordneten.

Insbesondere die gemeinsamen Anstrengungen heutiger Archäologen sorgen dafür, dass das Danewerk und Haithabu als ein gemeinsames Kulturerbe aufgefasst werden, und aus diesem Geist konnte die Bewerbung des Grenz- und Begegnungsraums Danewerk-Haithabu als Weltkulturerbestätte erfolgreich sein. 2018, so schloss Matthias Maluck seinen Vortrag, erfolgte die Eintragung als Weltkulturerbe.

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