Deutsche Bücherei Sonderburg

Zwei Chefinnen: So teilen sich Eva und Susann eine Stelle

Zwei Chefinnen: So teilen sich Eva und Susann eine Stelle

Zwei Chefinnen: So teilen sich Eva und Susann eine Stelle

Sonderburg/Sønderborg
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Susann Etienne (l.) und Eva Nielsen leiten gemeinsam die Deutsche Bücherei Sonderburg. Foto: Sara Eskildsen

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In der Deutschen Bücherei Sonderburg teilen sich zwei Frauen den Leitungsposten. Weniger Arbeitszeit in Führungsposition – wie das funktioniert, verraten Eva Nielsen und Susann Etienne.


Ein Leitungsposten, zwei Personen – in der Deutschen Bücherei Sonderburg zeigen zwei Abteilungsleiterinnen, wie das gelingen kann. Seit April teilen sich Susann Etienne und Eva Nielsen die Abteilungsleitung. Beide arbeiten zwei Tage die Woche und haben jeweils eine knappe Woche lang die Verantwortung für die Bücherei. Wie funktioniert das?

Im Gespräch erzählen Susann Etienne und Eva Nielsen aus ihrem Arbeitsalltag.

Vier Tage am Stück, zwei Tage die Woche

Beide Frauen arbeiten 18,5 Stunden, Donnerstag und Freitag sowie Montag und Dienstag. Dazwischen liegt das Wochenende. „Eine Woche arbeitet Eva, und eine Woche arbeite ich. Mittwochs ist immer eine Vertretung in der Bücherei“, erläutert Susann Etienne.

Vor dem Wechsel erfolgt ein Informationsaustausch. Immer dienstags gibt es ein Übergabeprotokoll und ein Telefongespräch, bevor eine der Chefinnen am Donnerstag vor Ort die Leitung übernimmt – während die andere eine Woche frei hat.

Susann Etienne kann am Donnerstag ihr 25-jähriges Dienstjubiläum feiern und ist seit April in Teilzeit angestellt. Foto: Ilse Marie Jacobsen

„So haben wir die Kompetenzen geteilt. Diejenige, die da ist, ist verantwortlich. Wer frei hat, ist außen vor und braucht sich um nichts zu kümmern.

Eva Nielsen, Abteilungsleiterin

„So sind wir abwechselnd an allen Wochentagen im Einsatz und bleiben in alle Prozesse eingebunden. Donnerstags bekommen wir beispielsweise immer unsere Fernleihe-Lieferung aus Apenrade“, erläutert Eva Nielsen.

„So haben wir die Kompetenzen geteilt. Diejenige, die da ist, ist verantwortlich. Wer frei hat, ist außen vor und braucht sich um nichts zu kümmern.“

Wer kam auf die Idee? „Das war ich“, sagt Susann Etienne. „Ich habe eine Freundin, die Jobsharing macht. Die arbeiten je eine Woche, und haben dann eine Woche frei. Ich war immer neidisch, wie viel Zeit sie für andere Dinge hatte und dann habe ich irgendwann gedacht: Ich kann das ja mal ansprechen“, erinnert sich die 60-Jährige, die seit 2008 Abteilungsleiterin der Sonderburger Bücherei ist.

„Einfach nur Stunden reduzieren war keine Option“

„Ich wollte mit den Stunden runtergehen. Ich wollte aber nicht einfach nur Stunden reduzieren und den Job behalten, so wie er ist. Dann hätte ich nur weniger Geld verdient und hätte die gleiche Arbeit gehabt. Das war keine Option. Dann habe ich darüber nachgedacht, dass wir uns den Job, also den Posten und die Stellung, teilen können. Wenn ich frei habe, werde ich nicht angerufen, da ist dann eine andere Leiterin zuständig.“

Eva Nielsen arbeitet seit 2019 in der Deutschen Bücherei Sonderburg. Foto: Sara Eskildsen

Eva Nielsen begann 2019 in der Bücherei, zunächst als Vikarin. Sie hat in München studiert und geheiratet und ist 2010 mit ihrer Familie nach Flensburg gezogen. Nach ihrer Elternzeit hat sie für das Unternehmen Robbe und Berking die Yachtsport-Bibliothek aufgebaut.

„Nachdem dieses Projekt abgeschlossen war, erhielt ich über die damalige Leiterin der Flensburger Stadtbibliothek den Tipp, dass für die Bücherei in Sonderburg jemand gesucht wurde“, so die 51-Jährige.

Die deutsche Bücherei in Sonderburg liegt im Multikulturhaus am Stadthafen. Susann Etienne (l.) und Eva Nielsen betreuen die Abteilung abwechselnd. Foto: Sara Eskildsen

Ihr gefällt die Vielfalt in der Bücherei. „Es reicht von Bucheinkauf über Buchauswahl, bis hin zum Bedienen der Leserinnen und Leser. Wenn die Schulklassen kommen, ist es auch immer ein Highlight. Die Kinder sind dankbar und fröhlich, wenn sie das richtige Buch gefunden haben. Genauso auch der Kontakt zu den älteren Leserinnen und Leser, die persönliche Dinge teilen. Es ist diese familiäre Atmosphäre, die ich hier am meisten schätze“, sagt Eva Nielsen.

Unterstützung von der Büchereidirektorin

Wie war die Reaktion auf den Vorschlag, den Leitungsposten zu teilen? „Wir haben unsere Chefin Claudia (Knauer, Büchereidirektorin) gefragt, und Claudia fand, es war eine wirklich gute Idee. Darüber waren wir sehr dankbar, dass sie uns von Anfang an dabei unterstützt hat“, sagt Eva Nielsen, die froh ist, einen modernen Arbeitsplatz zu haben, an dem Rücksicht auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden genommen wird.

Zwei Chefinnen und ein Arbeitsplatz – in der Deutschen Bücherei Sonderburg ist das neue Führungsduo gut im Alltag angekommen.

Der Haupteingang zum Multikulturhaus. Links im Obergeschoss ist die deutsche Bücherei untergebracht. Foto: Sara Eskildsen
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