Buchveröffentlichung

Warum Tom Buk-Swienty sein neues Buch in Tansania geschrieben hat

Warum Tom Buk-Swienty sein neues Buch in Tansania geschrieben hat

Warum Tom sein neues Buch in Tansania geschrieben hat

Sonderburg/Sønderborg
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Schriftsteller Tom Buk-Swienty hat sein neues Buch im Sonderburger Rittersaal vorgestellt. Das Interesse war enorm und der Saal bis an den Rand gefüllt mit Menschen. Foto: Sara Eskildsen

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Kaum einer weiß: Im Jahr 1915 reisten rund 30 Soldaten aus Nordschleswig nach Afrika. Was haben sie dort gemacht? Tom Buk-Swienty verrät im Interview, wie er die Geschichte recherchiert und daraus ein packendes Buch geschrieben hat.

In heimlicher Mission von Kekenis nach Tansania – diese Geschichte erzählt Tom Buk-Swienty in seinem neuen Buch. Verkleidet als dänische Matrosen reisten 1915 rund 30 Soldaten aus Nordschleswiger im Dienst des Deutschen Kaiserreiches für eine heimliche Mission in die Kolonie Deutsch Ostafrika nach Tansania.

Autor und Historiker Tom Buk-Swienty hat daraus ein Buch gemacht: „Safari fra helvede“, was übersetzt so viel heißt wie „Eine Höllensafari“.

Er hat die Begebenheiten von damals recherchiert – und daraus eine packende Geschichte geschrieben.

Von Alsen als Soldat nach Afrika

Wer waren die Männer, die damals im Ersten Weltkrieg mit dem dänischen Frachtschiff S/S Kronborg ab Wilhelmshaven 25.000 Seemeilen nach Afrika segelten und an der afrikanischen Ostküste bei Tanga an Land gingen? Was haben sie erlebt – und wie ist es ihnen, zurück in der Heimat, in Nordschleswig ergangen?

Tom Buk-Swienty erzählt in seinem neuen Werk unter anderem die Geschichte des 26-jährigen Dänen Nis Kock von Kekenis (Kegnæs), der als Soldat vom deutschen Kaiserreich eingezogen wird – und von Alsen nach Afrika reist.

Wann hast du das erste Mal davon gehört, dass Soldaten aus Nordschleswig im Ersten Weltkrieg auf Mission in Afrika waren?
„Das war 2019, als wir für das Wiedervereinigungs-Jahr 2020 eine TV-Serie vorbereiteten und auf der Suche nach guten Geschichten waren. In einem Gespräch fragte mich Museumsinspektor René Rasmussen, ob ich jemals etwas von den 30 Nordschleswigern gehört hätte, die im Ersten Weltkrieg nach Afrika gesandt wurden. Davon hatte ich noch nie gehört, kein einziges Mal! Ich war schnell fasziniert von der Geschichte – und machte mich daran, die Quellen zu prüfen. Die Idee für ein Buch nahm Gestalt an.“

Ein Foto aus dem Buch „Safari fra helvede“: Nis Kock, der als 26-Jähriger von Nordschleswig nach Afrika geschickt wurde, um der kaiserlichen Marine zu dienen. Foto: Sara Eskildsen

Wie bist du das Buch angegangen – womit hast du angefangen?
„Erst einmal musste ich untersuchen, ob es genug Quellen und Grundlagen für die Prüfung der Berichte gab. Ich grub mich tiefer in die Materie ein und fand schnell heraus, dass es viel Material gab. Ich war begeistert – die Geschichte war für mich wie eine Kreuzung aus ,Das Boot‘ und Indiana Jones! Und dafür gab es viele Quellen, die detaillierte Berichte liefern konnten und die sich bestätigen ließen. Mein Buch baut zum großen Teil auf den Berichten von Nis Kock selbst auf. Berichte, die wiederum von anderen Zeitzeugen gedeckt werden.“

Wie viel musstest du für die Recherche reisen?
„Ich habe für dieses Buch die Dienste von Historiker und Archivar Martin Bo Nørregård in Anspruch genommen. Einer der besten Researcher Dänemarks! Er hat für mich unter anderem das Bundesarchiv mit militärischen Sammlungen in Freiburg besucht. Auch in der englischen Literatur gab es viel zu finden, der Krieg in Ostafrika ist in England umfassend bearbeitet worden. Auch die Berichte von Nis Kock selbst sind ins Englische übersetzt worden. Die Churchill Papiere in Cambridge waren außerdem eine ergiebige Quelle.“

Tom Buk-Swienty lebt und arbeitet in Odense Foto: Kim Haugaard/Ritzau Scanpix

Wehrpflicht für Dänen im Kaiserreich

  • Wie alle anderen Männer in Nordschleswig war auch der Kekeniser Bauernsohn Nis Kock 1910 zur Wehrpflicht im deutschen Kaiserreich gezwungen.
  • Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, mussten die dänisch gesinnten Männer gegen ihren Willen für das Kaiserreich in den Krieg ziehen. Die meisten Soldaten aus Nordschleswig landeten an der Ost- und Westfront in Frankreich und Russland.
  • Insgesamt 30.000 Männer kämpften als deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg. Rund 5.000 von ihnen kamen dabei ums Leben.

Bist du selbst nach Afrika gereist?
„Ja, ich bin zweimal nach Tansania gereist. Und habe in jener Bucht gestanden, in die die S/S Kronborg damals unter Beschuss der englischen Flotte geflüchtet ist, und von wo aus die Nordschleswiger an Land gegangen sind. Meine zweite Reise hat mich zur Farm von Christian Jebsen geführt, wo ich 2021 drei Monate gelebt und gearbeitet habe. Dort habe ich den Großteil meiner 400 Seiten geschrieben.“

Die Kaffeefarm Shangri-La Estate des Biobauerns Christian Jebsen von der Halbinsel Loit liegt in der Nähe eines alten deutschen Siedlungsgebietes am Ngoro Ngoro Krater in Tansania.

Wird das Buch auf Deutsch erscheinen?
„Ich denke, wir haben hier eine Geschichte, die interessant für das deutsche Publikum sein könnte. Auch wenn sich die Deutschen in ihrer Sensibilität schwer mit dem Thema Kolonialismus tun. Es wäre ein guter Anlass, sich mit der eigenen Kolonialgeschichte auseinanderzusetzen. Und General von Lettow-Vorbeck wird in den Berichten nicht heroisiert. In England ist Lettow-Vorbeck bis heute ein Kriegsheld. Die Engländer sind Sportsmänner und erkennen den General als jemanden an, der in Sachen Krieg sein Handwerk verstanden hat. Lettow-Vorbeck war der einzige deutsche General, der im Ersten Weltkrieg unbesiegt war. Und die 30 Mann aus Nordschleswig haben dazu beigetragen, dass es so war.“

Tom Buk-Swienty bei seinem Vortrag im Sonderburger Schloss Foto: Sara Eskildsen

Was hat dich im Laufe des Buchprojektes am meisten überrascht?
„Dass 30 Nordschleswiger dazu beigetragen haben, den Verlauf des Ersten Weltkriegs zu ändern. General Lettow-Vorbeck hatte am Ende ein kleines, kleines Heer von 1.200 Mann – im Gegensatz zu den Engländern, die mit 200.000 Mann hinter ihm her waren! Der einzige Grund, warum er überlegen war, war seine Munition. Und dafür haben die Nordschleswiger gesorgt.“

Wie bist du auf den Titel gekommen?
„Nis Kock hat den Begriff ,Safari fra helvede‘ selbst immer wieder verwendet. Der Ausdruck kommt aus dem Englischen, wo man beispielsweise sagt ,it was a journey from hell‘.“

Wenn ein Kopenhagener schon längst schreiend umfällt, bleibt der Schleswiger ruhig. Ich denke, das kommt daher, dass die Menschen hier in der Grenzregion schon so viel erlebt und mitgemacht haben und bis aufs Äußerste geprüft und genötigt wurden.

Tom Buk-Swienty

Was hast du durch das Buchprojekt über die Menschen in Nordschleswig erfahren?
„Die Schleswiger haben eine ganz besondere Volksseele. Sie nehmen die Dinge nicht so schwer, sind genügsam, gutmütig und bewahren eine unglaubliche Sinnesruhe. Wenn ein Kopenhagener schon längst schreiend umfällt, bleibt der Schleswiger ruhig. Ich denke, das kommt daher, dass die Menschen hier in der Grenzregion schon so viel erlebt und mitgemacht haben und bis aufs Äußerste geprüft und genötigt wurden. Das hat die Menschen hier zäh und ausdauernd gemacht.“

Informationen zum Buch gibt es auf der Seite des Verlags hier.

Das Buch ist im Verlag Politikens Forlag erschienen. Foto: Sara Eskildsen
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Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
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