Klimatage

Die UN-Nachhaltigkeitsziele mit Lego nachbauen

Die UN-Nachhaltigkeitsziele mit Lego nachbauen

Die UN-Nachhaltigkeitsziele mit Lego nachbauen

Florian Schaaf
Florian Schaaf
Apenrade/Sonderburg
Zuletzt aktualisiert um:
Die Zeltstadt der Klimatage am Sonderburger Hafen Foto: Lukas Scherz

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Wie können wir unser Leben nachhaltiger gestalten? Bei den Klimatagen in Sonderburg stellen verschiedenste Initiativen der Region ihre grünen Lösungen vor. Neben der Möglichkeit, klüger zu werden, ist auch für das leibliche Wohl und die Kleinsten von uns gesorgt.

Der Wind weht stark am Sonderburger Stadthafen. Die Wände der aufgebauten Zelte flattern unter dem Zug, von Zeit zu Zeit ergießen sich kleinere Regenschauer über die Umgebung. Einige wenige Hartgesottene hat dies allerdings nicht davon abgehalten, vorbeizuschauen.

Als volksnaher Rahmen der aktuell in Sonderburg (Sønderborg) ausgerichteten Konferenz der Internationalen Energie Agentur (IEA) finden parallel dazu die Klimatage des ProjectZero der Kommune Sonderburg statt.

Während Interessierte im sogenannten Debattenzelt an zeitlich festgelegten Programmpunkten zu verschiedensten klimabezogenen Themen kostenlos teilnehmen können, finden sich in der anliegenden Zeltstadt Stände unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure.

Neben Technischem, wie Energieversorgung oder Wohnen, gibt es auch alltägliche Themenbereiche wie Ernährung oder Mobilität zu entdecken – natürlich immer mit nachhaltigem Fokus. Darüber hinaus stellen Unternehmen der Region ihre Entwicklungen vor.

Backwaren – regional und weiterverwendet

„Auch wir als Bäckerinnen und Bäcker müssen klimafreundlich arbeiten und Dinge wieder- und weiterverwenden“, findet Trine Bladt, Fachlehrerin für das Konditorhandwerk am EUC Syd, die mit vier ihrer Lehrlinge einen Stand betreut.

Der Rhabarber, der für ihre angebotenen Kuchen verarbeitet wurde, stammt aus dem Garten eines der Lehrlinge. „So ist er so frisch wie möglich und muss nicht weit transportiert werden“, folgert die Lehrerin. Das spart CO₂-Emissionen und ist gut für das Klima.

Trine Bladt und ihre Lehrlinge Foto: Lukas Scherz

Des Weiteren haben die Auszubildenden Cupcakes gebacken. Im Teig der kleinen Törtchen haben sie die Reste nicht verbrauchter anderer Kuchen verarbeitet. Das minimiert anfallenden Abfall und reduziert den Ressourcenverbrauch.

„Uns ist wichtig zu zeigen, dass wir als Schule nachhaltig sein können und dass dies auch Teil des Unterrichts ist“, schließt Bladt.

Das Paket der Zukunft?

Im Nachbarzelt wird der Postversand neu gedacht. „Wir haben eine wiederverwendbare, digitale Verpackung entwickelt“, erzählt Mette Kaczmarek von Pero Solutions aus Sonderburg und zeigt eine kleine Hartplastikbox mit einem Display und mehreren Knöpfen.

In der heutigen Zeit kaufen viele Menschen online ein. Um die gekauften Produkte zu transportieren, ist eine Verpackung notwendig. In den meisten Fällen besteht sie aus Pappe und wird nach einmaliger Verwendung weggeschmissen.

„Unsere Verpackung wird so lange wiederverwendet, bis sie entweder kaputtgeht oder die Batterie leer ist“, erklärt Kaczmarek.

Mette Kaczmarek mit ihrer wiederverwendbaren Verpackung Foto: Lukas Scherz

Nachdem das Paket bei den Empfängerinnen und Empfängern eingetroffen ist und diese die Waren entnommen haben, muss nur ein Knopf gedrückt werden, und die Adresse auf dem Bildschirm der Box ändert sich zur ursprünglichen Absenderadresse und kann ohne Weiteres zurückgeschickt werden.

„Auf lange Sicht möchten wir einen zentralen Rücksendeort einrichten, wo die Verpackungen gesammelt und von dort aus an die teilnehmenden Unternehmen zurück verteilt werden“, so die Mitarbeiterin. Geplant ist, dass immer genug Kisten im Umlauf sind, um eine liquide Verfügbarkeit zu gewährleisten.

„Je mehr wir zum Standard werden, desto anonymer wird es für die Bestellenden und desto günstiger wird es für uns“, schließt sie.

Müllbehälterentleerung – aber effizient

Einem ganz anderen Thema widmet sich das Sonderburger Unternehmen Maacks. Die Firma hat einen Sensor für öffentliche Mülleimer entwickelt, der die Fahrzeit der Müllautos halbieren soll.

„Sechsmal am Tag meldet der Sensor, wie voll ein Mülleimer ist“, sagt Torben Østerby von Maacks und erklärt: „Anhand historischer Daten können wir prognostizieren, wann ein Behälter wie gefüllt sein wird.“

Normalerweise würden die Mülleimer einfach in regelmäßigen Abständen angefahren und geleert, unabhängig davon, ob sie schon voll sind oder nicht. „Das ist nicht besonders effektiv“, folgert Østerby.

Bei den Klimatagen in Sonderburg stellen verschiedenste Initiativen ihre grünen Lösungen vor. Foto: Lukas Scherz

Durch die regelmäßige Aufzeichnung des Füllstandes durch den Sensor wird es möglich, abzuschätzen, wann die Mülleimer voll genug sind, dass sich eine Abholung lohnt. Dies ist besonders für die vorherige Planung der Routen der Müllautos relevant. Die Strecken können auf diese Weise effizient geplant und unnötige Abstecher vermieden werden.

Die so reduzierte gefahrene Distanz der Fahrzeuge spart Energie, somit auch Treibhausgasemissionen und ist damit gut für das Klima.

Ganz gemütlich Neues lernen

Ein Zelt sticht durch seinen besonders bunten und vielseitigen Aufbau hervor – perfekt für die ganz Kleinen unter uns.

„Wir sind die Pause zwischen all den seriösen Dingen“, sagt Michael Stender, Fachkonsulent für Natur der Kommune Sonderburg, mit einem Lächeln. „Wir schauen nach den Kindern und gucken, dass es ein bisschen gemütlich wird.“

Michael Stender sorgt für eine Pause zwischen dem Seriösen. Foto: Lukas Scherz

Die Kleinen können hier lesen, Bilder von Windrädern und Solaranlagen ausmalen, die UN-Nachhaltigkeitsziele mit Lego nachbauen oder gar ein eigenes Windrad basteln. Für Letzteres gibt es verschiedene Modelle zur Auswahl: ganz einfach und plastikfrei aus Papier und Holz, elektrisch betrieben oder umgekehrt Strom erzeugend.

„Wenn wir es schon gemütlich haben, können wir auch etwas lernen“, meint der Fachkonsulent. Die Kinder erfahren so etwa, wie die Windräder funktionieren und Strom gewonnen wird.

Sonderburger Klimatage

7. bis 9. Juni 2022

Am Stadthafen Sonderburg

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Ein Leck in unserer Gesellschaft“