Zurück in die Vergangenheit

Spinnen und färben wie in der Eisenzeit

Spinnen und färben wie in der Eisenzeit

Spinnen und färben wie in der Eisenzeit

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Schmöl/Smøl
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Olga Krogh mit Tunika und der Kette aus Zedernholzgegen Motten Foto: Ruth Nielsen

Frauen aus der Nydam-Gesellschaft haben sich von Joan Øxenholt Pedersen zeigen lassen, wie vor 2000 Jahren gesponnen, gewebt und gefärbt wurde. Ein Hobby „das sehr viel Platz braucht", wie Pedersen erzählt.

Es wird den Frauen nie zu viel: Das ganze Jahr über treffen sie sich immer dienstags, im Sommer zum Rudern, im Winter zum Handarbeiten. Das einende Band ihres Interesses führt in die Eisenzeit zurück, zum Nydam-Boot. Die Frauen sind Mitglieder der Nydam-Gesellschaft, haben für sich und die Männer historisch entsprechende Bekleidung, Hauben, Schmuck und Schuhe hergestellt, um das Jubiläum 2013 gebührend feiern zu können, den 150. Jahrestag der Ausgrabung des Nydam-Bootes, unvergesslich gemacht durch die Einweihung der Kopie „Nydam Tveir“ am Strand in Sottrupskov.

Ein Kleid, 100 Arbeitsstunden

Kürzlich haben sich Frauen bei Joan Øxenholt Pedersen in Schmöl getroffen. Sie wollten alte Techniken des Spinnens, Färbens und Webens erlernen. Darin ist Joan Fachfrau. Sie ist Autodidaktin, hat sich vor über 30 Jahren aus Neugier und Spaß am Experimentieren mit Techniken der Eisenzeit vertraut gemacht. Davon profitierten ihre Mitstreiterinnen, als sie für besagte Einweihung Kleider (eine Art Tunika) herstellten. Es sind Kopien, das Original ist im Gottorf-Museum zu besichtigen. Ein Kleid allein hat um die 100 Arbeitsstunden gekostet. Damit hatten die Damen 2012 angefangen. Um rechtzeitig zum Jubiläum fertig zu werden, wurde viel Handarbeit zu Hause erledigt. „Es ist ein Hobby, das allerdings sehr viel Platz braucht“, sagt Joan Øxenholt Pedersen, deren Atelier/Werkstatt mittlerweile das gesamte Dachgeschoss einnimmt.

Am besagten Mittwoch sollte die gebeizte Wolle in ein Bad mit Krapp, das gibt eine schöne blutrote Farbe. Ein Kilo Krapp in 60 Liter Wasser ist für ein Kilo Wolle notwendig, die optimale Temperatur von 70 Grad muss mindestens eine Stunde gehalten werden. Wird das Wasser zu warm, besteht das Risiko, dass die Wolle schrumpft. Das Problem an dem Tag: Der Wind löschte immer wieder die Gasflamme unter dem Kessel. Stets musste die Wolle ins Wasser getaucht werden. Herumrühren hätte das Ergebnis negativ beeinträchtigt. Nach vielen Stunden konnten die Damen aufatmen: Die Wolle glänzte im gewünschten Farbton. Das gefärbte Wasser wird nach dem Ausspülen nicht weggegossen, sondern für ein weiteres Wollbad genutzt.

Diese Wolle soll zu gewebten Schals verarbeitet werden. Zunächst einmal nur für Mitglieder. Sollten diese Schals jedoch die Kauflust bei den vielen Gästen im „Naust“ (der Bootshalle) wecken, dann könnten mehr gewebt werden. Das hatten die Damen nämlich bei den Sitzkissen für die Ruderer der Nydam Tveir gemacht. Bisher haben sie 40 verkauft. Bei Nachfrage stellen die Frauen auch eine besondere, rustikale Halskette her, aus Zedernholz, die Motten fernhalten soll.

Rezept für Naturgelb

Derweil experimentierten andere mit einer weiteren Färbung aus Naturmaterialien: Blätter der Blutbuche, gemischt mit Zwiebelschalen, zur Sicherheit, denn „wenn das nichts wird, haben wir zumindest die Zwiebeln, die Farbe abgeben“, nahm es Ingebeth Clausen gelassen. Die Sorge war unbegründet: Die Wolle erhielt einen satten senfgelben Ton.

Während die einen sich um die Färbung kümmerten, versuchten andere, Wolle zu spinnen, mit einer Handspindel. Das sieht einfacher aus als es ist, denn ab und an reißt der dünne Faden und dann geht es von vorn los. Die kleinen Rückschläge dämpfen nicht die Begeisterung von Gitte Stein. Sie macht unverdrossen weiter. Mit Elan wagt sie sich auch an das Kämmen der Wolle über einen stählernen Kamm, eine Arbeit, die nicht zu unterschätzen ist und ebenfalls Geschicklichkeit erfordert. Bestaunen darf Gitte Stein sehr dekorative Handspindeln, die Joan Øxenholt Pedersen jedoch nicht aus der Hand gibt: „Die sind was für Feinschmecker, die habe ich in den USA gekauft, eine andere stammt aus Tibet.“

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