„Ældreråd“

Seniorensektor braucht mehr Hände

Seniorensektor braucht mehr Hände

Seniorensektor braucht mehr Hände

Rinkenis/Rinkenæs
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Walter Brüning will seine Energie auch für seine Mitmenschen verwenden. Foto: Karin Riggelsen

Walter Brüning aus Rinkenis kandiert erneut für den„Ældreråd“. Er will Ansprechpartner sein für alle Senioren, im Besonderen für die Minderheit.

Walter Brüning gehört dem „Ældreråd“ (Seniorenrat) seit der jüngsten Wahl als Vertreter an, ohne Mitspracherecht und ohne an Sitzungen teilnehmen zu dürfen. Das soll sich ändern. Der 74-Jährige kandidiert erneut für den Seniorenrat, mit dem Ziel, vollerwertiges Mitglied des Rates zu werden.

Der gelernte Buchhalter nennt vor allem die beratende Funktion für Politiker als wichtigen Grund für die Existenz des unparteiischen Gremiums. Er sieht sich als Vertreter für alle Senioren und zugleich als Sprachrohr der deutschen Minderheit. „Besondere Anliegen für die Minderheit gibt es nicht. Es geht mir darum, dass alle gleich behandelt werden und dass die anderen im Rat wissen, was die Minderheit ist.“

Seine Anliegen sind nicht neu, aber sie zeigen, dass in den vergangenen Jahren wenig oder gar nichts passiert ist (siehe Kasten). „Man hat ja gesehen, was passiert, als das Pflegeheim in Nübel zugemacht wurde, die Älteren nach Augustenburg umgesiedelt wurden. Das fanden nicht alle gut. Es gibt Aktivitäten von Vereinen, aber die Kommune könnte mehr machen, nicht nur in Pflegeheimen für die Bewohner. Wenn du aktiv bist, bist du weniger krank.“

Walter Brüning fragt sich, wo all das Geld geblieben ist, das in den Jahren in den Seniorensektor geflossen ist. Er weiß, dass mehr Ältere versorgt werden müssen – und doch: „Es fehlen warme Hände. Manche Ältere haben drei verschiedene Mitarbeiter im Haus. Das geht ruckzuck, rein und raus. Das ist schlimmer für Rentner, die allein wohnen und keine Familie in der Nähe haben, die helfen können. Es ist keine Zeit zum Klönen und Kaffeetrinken. Da hat sich nichts geändert. Das könnte mit der Planung zu tun haben“, mutmaßt er.

Um der Vereinsamung entgegenzuwirken, gibt es den Besuchsdienst. „Das sind auch wieder Freiwillige. Es gibt aber Aufgaben, die eine öffentliche Angelegenheit sind. Dafür werden Steuern bezahlt“, hält er fest und hebt den Haushalt 2018 hervor. Da ist Geld eingeplant für die wöchentliche Reinigung der Wohnung. Walter Brüning ist aber weit davon entfernt, sich entmutigen zu lassen: „Das ist Politik. Es wird viel geredet, und es passiert nicht viel. Trotzdem muss man sich einsetzen“, sagt er.

Seine Anliegen hätte er gern den Wählern vorgebracht, auf Wahlveranstaltungen. Die gibt es nicht, was er bedauert. Zur Wahl haben alle über 60 Jahre eine Broschüre mit Namen der Kandidaten erhalten. Mehr an Informationen gibt es nicht. Er bedauert auch ein geografisches Ungleichgewicht. Fast alle Kandidaten wohnen auf Alsen. „Daher ist so wichtig, persönlich zu stimmen“, sieht es Walter Brüning.

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