Paradies

Schlaraffenland für jeden Biertrinker

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Wenningbund/Vemmingbund
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Mikkel Snedker ist umgeben von über 600 wohlsortierten Biersorten. Foto: Karin Riggelsen

Brew Parts am Vemmingbundstrandvej hat über 600 Biersorten im Angebot. In eigener Brauerei werden auch Kurse durchgeführt.

Im Vemmingbundstrandvej 111 tut sich für Freunde des Gerstensaftes ein wahres Paradies auf: Über 600 Biersorten sind wohlgeordnet in den Regalen aufgereiht. Eintönig wird das nicht, da jede Sorte ihr eigenes Etikett hat, mal bunt, mal dezent im eleganten Grau. Dazu kommen Bierdosen, die in viele Farbtöpfe getaucht worden sind, so vielfarbig sind sie.

Dieses Schlaraffenland haben vor zwei Jahren Peter Mikael Kjer Stærdahl und Mikkel Snedker Hartmann aufgebaut. Dabei hat der Zufall mitgespielt. Vor sieben Jahren war Snedkers Motorrad defekt, ab zur Reparatur bei MC-butikken, das Stærdahl betreibt. Beide kamen ins Gespräch und stellten weitere Gemeinsamkeiten fest, u. a. ihre Vorliebe für selbst gebrautes Bier. Dieses Hobby hat Mikkel Snedker mit Arbeitskollegen ausgeübt.

„Ich habe mich immer für Bier interessiert, ich habe es schon zu Hause im Garten getan. Bei Brew Parts bin ich aber der Techniker, Peter Mikael ist der Braumeister“, sagt der einstige Programmierer bei Hansen Technologies, der vor zwei Jahren gekündigt hat, um sich dem Biergeschäft zu widmen. Nebenbei ist er IT-Berater. Anfangs hatten sie knapp 20 Quadratmeter Verkaufsfläche und einen extra Raum für belgische Biere. Diese Einteilung war nicht von Dauer. Heute sind es gut 100 Quadratmeter, sodass auch Platz ist für „Braupakete“ für 70 verschiedene Biere, die verkauft und für eigene Kurse gebraucht werden. Bisher hat das Team ein Bier gebraut: Gendarmen, ein etwas bitteres Bier, denn das Leben eines Gendarmen war damals kein Zuckerschlecken. Das Etikett hat Snedkers Frau Louise entworfen. Sie ist Grafikerin. „Gendarmen ist recht bitter. Das Feedback ist sehr gut. Es ist dafür gedacht, draußen zu sein, der Wind streicht über die offene Flasche und du riechst die Landschaft“, erzählt Snedker.

Derzeit tüfteln er und sein Kompagnon an einer anderen Rezeptur. Das Bier soll süßer sein. Auch das soll Heimatgeschichte erzählen. Sie denken daran, es „Alspigen“ zu nennen, denn die Figur im Brunnen auf dem Rathausmarkt in Sonderburg hat in den 1950er Jahren die Carlsberg-Brauerei gestiftet. Für das Bierbrauen stehen 30 verschiedene Malze, ebenso viele Hopfen und um die 40 Gewürze zur Auswahl. Das reichhaltige Angebot verwirrt die wenigsten Kunden. Die meisten wissen, was sie wollen, steuern gezielt das richtige Regal an, mit dem Smartphone in der Hand, auf dem sie via App ihr Biererlebnis gespeichert haben. Brew Parts kann auch „Biernerds“ befriedigen, die stets auf der Suche nach einem neuen Geschmack sind.

Mikkel Snedker in der firmeneigenen Brauerei Foto: Karin Riggelsen

Viele belgische Biersorten

Die Firma führt viele belgische Biere, oft in den USA und den Niederlanden gebraut, deutsche weniger, „wir wohnen zu dicht an der Grenze“, so Snedker. Darüber hinaus bevorzugen sie dänische Brauereien (vor drei Jahren gab es pro Jahr 1.200 neue dänische Biersorten, vor zwei waren es 1.400 und im Vorjahr 1.600). Eine Kostbarkeit ist „Nr. 12“ zum Preis von 129 Kronen: „So ein Bier trinkst du nur zu besonderen Anlässen. Die Brauerei produziert sehr wenig. Sie registriert deine Autonummer und wie viel du kaufst. Es gibt höchstens einen Kasten. Dann musst du wieder ein Jahr warten. Es ist ein dunkles Bier mit ganz eigenem Geschmack.“
Die teuerste Bierflasche kostet 1.099 Kronen. „Das stammt von einem Wettbewerb. Wie viel Prozent kann ein Bier haben? Das hat 41 und wird in Schnapsgläsern serviert. Es wird schon verkauft für Festivals.“
Geschmackssache ist auch Bier aus einem anderen Wettbewerb zum Hefeprozent. Das bei Brew Parts hat 22 Prozent. Wohl bekomm’s.

Manche Biertrinker lagern ihren kostbaren Gerstensaft wie Wein. Das Haltbarkeitsdatum hält Snedker für Unsinn: „Das stammt aus der Zeit, als alles ein Verfallsdatum haben musste. Gutes Bier wird nicht schlecht. Wenn, dann ist es schlecht gebraut worden. Bier kann viele Jahre lagern.“ Anfangs hat Brew Parts Wünsche von Kunden erfüllt und nach ihren Vorstellungen ein Bier gebraut. Das war zu zeitaufwendig. Stattdessen kann der Kunde sein eigenes brauen, dank einer kleineren Anlage, mit der zweimal 40 Flaschen produziert werden können. Für den dreiwöchigen Gärprozess hat die Firma einen eigenen Raum eingerichtet. Zum Anwesen gehört auch ein Obstgarten. Die Früchte werden eher für Schnaps gebraucht: „Ich mache bei Swienty (Honigfirma) ein Schokoladen-Honig-Bier. Das Malz wird ähnlich wie Kakaobohnen geröstet, daher ein leichter Schokogeschmack. Sowas macht einfach Spaß, mit Zutaten zu spielen, um sich zu einem Bier inspirieren zu lassen“, erzählt Autodidakt Snedker.

„Gendarmen“ ist nach eigenem Rezept gebraut. Foto: Karin Riggelsen

Können sich auf den Rückhalt Einheimischer verlassen

Die Initiatoren von „Brew Parts“ können sich auf den Rückhalt Einheimischer verlassen. Das ist an den Öffnungszeiten abzulesen. Aus anfangs einem Nachmittag sind nun drei Tage geworden. Dazu kommen Besuchergruppen und Kurse an Wochenenden. Auch wenn die Nachfrage nach Bier gestiegen ist, in eine größere Anlage wird nicht investiert. „Dann ist die Gefahr größer, auf der Produktion sitzen zu bleiben“, meint Snedker zur Kapazität der jetzigen Anlage von 100 bis 125 Litern.

Mikkel Snedker und Peter Mikael Stærdahl verfolgen (zurzeit zumindest) nicht das Ziel, ihren Lebensunterhalt zu 100 Prozent aus dem Biergeschäft zu beziehen. „Nein, wir machen weiter wie bisher. Von April bis Oktober ist die Zeit für Motorräder, im Winter die Zeit für das Bierbrauen.“

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