Thema der Woche: Wildes Nordschleswig

Nicht Rasenmähen ist auch eine Lösung

Nicht Rasenmähen ist auch eine Lösung

Nicht Rasenmähen ist auch eine Lösung

Sonderburg/Sønderborg
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Die Rasenflächen rund um die Düppeler Mühle werden in Zukunft naturbelassener sein. Foto: Sara Eskildsen

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Die Kommune Sonderburg möchte wilder werden und hat dafür im Haushalt der kommenden Jahre 1,5 Millionen Kronen abgesetzt. Warum das Projekt noch besser kommuniziert werden muss, erläutert die Ausschussvorsitzende.

Beim Spaziergang bei Mjelsmark auf eine Knoblauchkröte treffen, wilde Wiesen statt gemähter Rasen rund um die Düppeler Mühle, ein Neubeginn für die Rotbauchunke auf Kær und verwilderte Feuchtgebiete als Biokorridore – die Kommune Sonderburg will in den kommenden Jahren deutlich wilder werden.

Kommunale Grünflächen verwildern

Im neuen Haushalt ist dieser Wunsch ein fester Posten: 500.000 Kronen gibt die Kommune bis 2024 pro Jahr aus, um die Natur verwildern zu lassen. Auf der jüngsten Stadtratssitzung am Mittwochabend haben die Politikerinnen und Politiker außerdem noch für dieses Jahr 750.000 Kronen für das Projekt Naturverwilderung freigesetzt.

Die Kommune Sonderburg nimmt seit März 2021 an dem Projekt „Vild med Vilje“ teil. Ziel ist es, kommunale Grünflächen und Naturbereiche bewusst zu renaturieren, um neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu schaffen.

Am Wegesrand sollen in der Kommune in Zukunft mehr Gräser und Blumen wachsen. Foto: Sara Wasmund

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich in den vergangenen Monaten gefragt worden bin, warum die Kommune die Grasflächen nicht mehr ordentlich mäht. So geht das natürlich nicht. Wir müssen das Projekt erklären und die Bürgerinnen und Bürger mit einbeziehen!

Aase Nyegaard, Stadtratspolitikerin

Nach dem ersten Sommer sind die ersten Rabatten und Rasenflächen zugewachsen, und die Vorsitzende des Ausschusses für Technik und Umwelt stellt fest, dass noch nicht alle Bürgerinnen und Bürger verstehen, was das soll.

Sonderburg will Dänemarks wildeste Kommune werden

„Es wäre großartig, wenn wir Dänemarks wildeste Kommune werden. Aber wir müssen die Kommunikation nach außen verstärken. Wir müssen Schilder aufstellen und erklären, weshalb wir hier das Gras wachsen lassen“, sagt Aase Nyegaard.

„Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich in den vergangenen Monaten gefragt worden bin, warum die Kommune die Grasflächen nicht mehr ordentlich mäht. So geht das natürlich nicht. Wir müssen das Projekt erklären und die Bürgerinnen und Bürger mit einbeziehen!“

Diese Skizze zeigt, wo und wie die Düppeler Schanzen naturbelassener werden sollen. Foto: Kommune Sønderborg

Über die Beschilderung hinaus hat sich der Stadtrat für zunächst fünf konkrete Projekte entschieden. So bleiben in Zukunft die Rasenflächen rund um die Düppeler Mühle naturfreundlicher.

Bislang sind die Rasen kurzgehalten, und natürliche Pflanzen der Gegend werden am Wachstum gehindert. In Zukunft werden ausgewählte Flächen der Natur überlassen: Statt Rasenmäher einzusetzen, wird ein Heuschnitt eingefahren, es entstehen Trampelpfade durch die Wiese. Außerdem sollen Weidetiere auf einigen Grünflächen die Mäharbeiten übernehmen.

24 Hektar Bio-Korridor

Ein weiteres Projekt ist der Saksenlund als Korridor zwischen Mjang Dam und Ketting Noor. Vor Ort werden Moorgebiete, Wasserflächen und Täler auf 24 Hektar der Natur überlassen, um die Biodiversität zu steigern.

Auf Alsen entsteht nach dem Wunsch der Kommune ein neues, renaturiertes Gebiet. Foto: Kommune Sønderborg

Auch entlang der Bredbæk zwischen Stenderup Skov, Bøffekobbel und Nübel Noor ist ein Renaturierungsprojekt geplant. Auf Kær Vestermark soll zudem die Rotbauchunke ein neues Zuhause finden, und in Mjelsmark entstehen optimale Lebensbedingungen für die Knoblauchkröte aus der Gattung der Europäischen Schaufelfußkröten.

„Natur setzt Wildheit voraus, aber auch Kontinuität“

Es sei wichtig, reelle Projekte zu haben, so Stadtratspolitikerin Kirsten Bachmann (Schleswigsche Partei) am Mittwoch auf der Stadtratssitzung: „Natur setzt Wildheit voraus, aber auch Kontinuität. Es muss ein Zusammenhang zwischen der Natur bestehen, und das wollen wir als Kommune schaffen“, so die Stadtratspolitikerin. „Wir freuen uns darauf, wie sich die Projekte entwickeln und wie die Natur erblüht!“

Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) sieht die Kommune in der Pflicht. „Natur erfordert Einsatz, und es ist eine Herausforderung, da die Biodiversität unter Druck ist. Wir tragen Verantwortung für diese Dinge!“

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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