Geschichte

Neue Infos über die Schanzen

Ilse Marie Jacobsen
Ilse Marie Jacobsen Journalistin
Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
V. l. Frede R. Tychsen, Vorsitzender Historisk Samfund for Als og Sundeved, der Buchautor Erik Housted mit dem 96. Jahrbuch und Carsten Porskrog Rasmussen vom Museum Sønderjylland. Foto: Ilse Jacobsen

Wer die Worte Düppel und Schanzen hört, denkt wohl an das Jahr 1864 und an die große Schlacht, die dort geschlagen wurde. Schanzen gab dort es aber schon vorher. Erik Housted hat das Wissen darum zusammengetragen.

Wer als Sonderburger das Wort Schanzen in Düppel hört, denkt oftmals wohl ganz automatisch an das Jahr 1864. Aber Schanzen hat es dort schon viele Jahre vorher gegeben. Darüber weiß der 74-jährige seit sechs Jahren in Sonderburg lebende Kopenhagener Autor Erik Housted sehr gut Bescheid. In dem neuen Jahrbuch von Historisk Samfund for Als og Sundeved mit dem Titel „Skanser – Befæstningsanlæg Sønderborg-Dybbøl fra 1657 til i dag“ erzählt er die Geschichte der Schanzen auf Düppel mit neuesten Erkenntnissen, die sich Erik Houberg unter anderem in Berlin holte.

„Es ist die ganze Geschichte der Schanzen und einige Porträts von einst sehr interessanten Personen und einigen Gebäuden, die es heute noch gibt“, so Sonderburgs Museumsleiter Carsten Porskrog Rasmussen, der das Jahrbuch Korrektur gelesen hat. Zu den interessanten Personen gehört unter anderem der Landmesser Andersen von Kær, der die Messungen für die dänischen und und später auch die deutschen Schanzen ausführte. Oder Peter Hansen Koch, der aus einem Zuhause in Düppel vertrieben wurde und in Svendborg ein neues Zuhause fand. Er hat eine Spionenkarte über die deutsche Festung erarbeitet.

Der Buchautor Erik Housted hat sich seit über 50 Jahren mit der Düppeler Schanzengeschichte befasst.„Ich war eigentlich Bankangestellter, hab mich aber immer für Geschichte interessiert. 1958 war ich das erste Mal auf Düppel. Für mich war diese Gegend schon immer was Besonderes“, kann sich der begeisterte Historiker von Amager erinnern.

Er hatte 2008 am Computer gegoogelt – und plötzlich machte er einen nicht zuletzt auch für einen Historiker riesigen Fund. Er fand einige Festungszeichnungen aus Düppel. Dabei hatten alle gemeint, dass die originalen preußischen Zeichnungen des Kriegsministeriums bei dem Bombardement des Heeresarchivs in Potsdam zerstört wurden. Aber das war nicht korrekt. 12.000 preußische Festungszeichnungen – darunter auch 100 aus Sonderburg-Düppel – wurden in die Salzminen bei Stassfurt und Schönebeck südlich von Magdeburg gebracht. Sie lagen dort wohlbehütet – bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990. Die Dokumente wurden ins Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz nach Berlin gebracht, das eine Registratur von sämtlichen Festungszeichnungen in Düppel herausgegeben hat.

So wurden diese wichtigen Dokumente auch für den Historiker, der vor sechs Jahren mit seiner Frau Friederike nach Sonderburg zog, zugänglich. Der Umzug der Housteds von Seeland nach Alsen ist übrigens kein Zufall. „Wir wollten weg von Kopenhagen, und meine Friederike ist ja eigentlich aus Glücksburg. Wir haben oft in Deutschland Urlaub gemacht. Und wir wollten gern am Wasser leben – und so landeten wir in Sonderburg. Hier gefällt es uns sehr gut“, erklärt der Buchautor, der an der Sporthochschule sein neues Zuhause fand. Kontakt zum Schlossmuseum in Sonderburg hatte er immer wieder. Er kannte alle Museumsleiter – von einst Jørgen Slettebo bis hin zu Carsten Porskrog Rasmussen heute.

„Für uns ist es eine große Freude, dass Erik und seine Frau nun hier leben“, so Porskrog Rasmussen. Die Ära der Schanzen in Düppel begann übrigens schon im 17. Jahrhundert im Zuge der Schweden-Kriege. Zwei Jahre lang hat Erik Housted an dem Jahrbuch gearbeitet, das nun an alle 1.400 Mitglieder des lokalhistorischen Vereins geschickt wird. Es wurden 1.800 Exemplare gedruckt. Das Buch „Skanser – Befæstningsanlæg Sønderborg-Dybbøl fra 1657 til i dag“ kann im Sonderburger Schloss oder in den Buchläden für 198 Kronen erworben werden.

Ein neues Projekt hat der Historiker, der bislang zehn Bücher geschrieben hat, schon in Angriff genommen: Er will über König Frederik VII. in Fredericia berichten. Dazu gehören auch dessen Damenbekanntschaften und reichlich Alkohol.

Mehr lesen

Leitartikel

„Schöne Zahlen“

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur