Umwelt & Natur

Kleiner Belt: Lage ernst!

Kleiner Belt: Lage ernst!

Kleiner Belt: Lage ernst!

Bettina P. Oesten
Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
Um die Wasserqualität im Kleinen Belt ist es derzeit schlechter bestellt denn je. Foto: Peter Leth-Larsen/Jysk Fynske Medier/Ritzau Scanpix

Das Ökosystem im Kleinen Belt droht zu kippen, wenn jetzt nicht politisch gehandelt wird.

Man hört es nicht gern, aber an Tatsachen ist schwerlich herumzukommen: Um die Wasserqualität im Kleinen Belt ist es derzeit schlechter bestellt denn je, und die Ursache ist auch schon ausgemacht - die Ausleitung von Stickstoff in die Gewässer um Alsen.

„Das Wasser im Kleinen Belt ist trüb und bräunlich und einfach nur dreckig, am Meeresboden sammelt sich immer mehr organischer Schlamm an und das Seegras wird von Algen überwuchert“, so das wenig erfreuliche Resümé des Biologen Kaare Manniche Ebert beim abendlichen Treffen im Multikulturhaus am Dienstag, wo es um die zunehmende Sauerstoffarmut im Kleinen Belt und die daraus resultierenden Folgen für Mensch und Umwelt ging.

Etwa 100 Teilnehmer

Etwa 100 Fischer und Nutzer der Gewässer um Alsen und den Förden von Apenrade, Hadersleben und Flensburg waren bei dem Treffen anwesend und konnten aus eigener Erfahrung berichten, dass es immer schwieriger wird, gesunde und gut genährte Fische an den Haken bzw. ins Netz zu bekommen.

Ursache: Die Zufuhr an Nährstoffen durch industrielle Reinigungsanlagen, dazu ansteigende Meerestemperaturen und der Einsatz von Grundschleppnetzen. Die letzten mageren Dorschbestände würden zudem Kormoranen und Seehunden als Nahrung dienen - und schon sei man an einem Punkt angelangt, wo das Meeresökosystem zu kippen drohe.

„Es ist fünf vor zwölf. Die Lage war noch nie so ernst wie heute. Biologen haben das Problem schon in den neunziger Jahren erkannt und versucht, Politikern ins Gewissen zu reden, aber es wurde nichts oder nur wenig unternommen. Jetzt haben wir es mit den Folgen der politischen Untätigkeit zu tun. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, wenn jetzt nicht die Verantwortlichen und die Interessengruppen endlich den Ernst der Lage erkennen und an einem Strang ziehen, wird zunächst der Fischfang kollabieren-mit gravierenden Folgen u. a. für den Tourismus-und schließlich der Meeresgrund zur „Todeszone“ erklärt werden müssen. Dann könnte es bis zu 50 Jahren dauern, ihn wiederzubeleben“, so die ernüchternde Bilanz des Biologen Bo Kruse von Als Stenrev auf Anfrage des Nordschleswigers.

Steinriffe angelegt

Steinriffe wurden auf Alsen angelegt, so Bo Kruse weiter, um Hohlräume und Sauerstoff für die Fischbestände zu schaffen. Diese Maßnahme habe sich als nützlich und hilfreich erwiesen, sei aber lange nicht ausreichend, um die Umweltsünden der Vergangenheit zu beseitigen.

Derweil versprach Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) auf dem gestrigen Treffen, alle ihm zur Verfügung stehenden politischen Kanäle zu nutzen, um die Politik dazu zu bewegen, den Einsatz zur Rettung des Kleinen Belts entscheidend zu verstärken.
„Ich möchte unbedingt aktiv werden. Wir müssen die Zufuhr von Nährstoffen in unsere Gewässer durch die Reinigungsanlagen so schnell wie möglich reduzieren. Wir müssen gewährleisten, dass die Anlagen keinen Überlauf haben“, so der Bürgermeister.

Kutterfischerei an den Nagel gehängt

Berufsfischer Thomas Teichert musste die Kutterfischerei bereits an den Nagel hängen, und hat jetzt nur noch eine kleine Jolle. Vielen anderen Fischern geht es so wie ihm. Auch Hobbyangler und Touristen berichten von toten Fischen oder sehr magerer Ausbeute, weil in den sauerstoffarmen Gewässern keine Fischbestände gedeihen können.

Die Veranstaltung am Mittwoch war das erste von insgesamt drei Treffen zur Lage im Kleinen Belt. Das zweite findet am 24. Oktober in Årøsund und das dritte am 30. Oktober in Kolding statt.

Mehr lesen