Verkehrsführung

Klack, klack, klack – Leben neben der Brücke

Klack, klack, klack – Leben neben der Brücke

Klack, klack, klack – Leben neben der Brücke

Ekensund/Egernsund
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Insgesamt sechs Fugen hat die Ekensunder Klappbrücke. Zwei davon sind bereits ausgetauscht worden – und sind nun aus Gummi. Beim Hinüberfahren machen nun noch die verbliebenen vier Metall-Fugen ein lautes Geräusch, das viele Hundert Meter weiter noch zu hören ist. Foto: Sara Eskildsen

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Milo Novak ist von Hamburg nach Ekensund gezogen. Das Leben in Dänemark gefällt ihm – wenn da nicht der Lärm von der Klappbrücke wäre …

Bei Südwestwind ist es am schlimmsten. Dann ist das metallene Klack, Klack, Klack bis hinein ins Wohnzimmer von Milo Novak zu hören, und mit der Ruhe im Garten ist es vorbei.

Was das Auge hinter den dicken Büschen hin zur Straße nicht sieht, können die Ohren nicht überhören: Laute Motorengeräusche der vorbeirasenden Fahrzeuge. Klackernder Lärm der aufeinanderschlagenden Brückenklappen, wenn die Reifen hinüberfahren.

Klack klack klack, klack klack klack – der Lärm der Brücke hat Zuzügler Milo Novak böse überrascht. „Ich hatte mir das Haus dreimal angeschaut. Da stand der Wind aber so, dass man die Geräusche nicht so hören konnte. Und der Makler hat mir versichert, von der Brücke sei hier nichts zu spüren“, so der 63-Jährige, der sein Rentnerleben im deutsch-dänischen Grenzland verbringen will.

Kommt der Wind aus Süden oder Südwesten, ist von der Ruhe auf der Terrasse von Milo Novak nicht mehr viel übrig. Foto: Sara Eskildsen

„Als der Wind dann das erste Mal aus Süden kam, war ich entsetzt. Die vier Brückenklappen machen einen schlimmen Lärm, wenn die Fahrzeuge hinüberfahren. Hinzu kommt der Lärm von den Fahrzeugen selbst. Auf der Brücke ist die Fahrbahn vierspurig – und die Leute geben Gas und rasen rüber. Besonders die Lkw. Ich würde mir wünschen, dass das Tempo auf der Brücke auf 60 km/h herabgesetzt wird.“

Immerhin würden zu beiden Seiten vor und nach der Brücke Menschen leben. „Die Kinder meiner Nachbarn besuchen die Förde-Schule. Aber keiner traut sich, die Kinder über die Brücke zur Schule zu schicken, oder über die Straße in den anderen Teil des Ortes. Wenn man über die Brücke geht, kann man den Sog der vorbeidonnernden Lkw spüren. Das ist kein sicheres Gefühl“, sagt Milo Novak.

Ein Freund der Queen in Dänemark

Er ist in Prag aufgewachsen und später nach Hamburg geflohen – „vor dem Kommunismus“, so der Auswanderer, der in der Airline-Branche gearbeitet hat, als Steward und Luftverkehrskaufmann mit abgeschlossener Ausbildung in London.

Als großer Fan der englischen Queen Elisabeth liebt er das Leben im Königreich Dänemark. Er war mit dabei, als die dänische Monarchin des Landes vor Kurzem in Gravenstein (Gråsten) empfangen wurde.

Doch der Lärm der Brücke verleidet ihm die neue Heimat im deutsch-dänischen Grenzland, royale Nachbarschaft hin oder her. Als erste Hilfe gegen den Lärm hat er für seine überdachte Terrasse große Fenster bestellt, um den bislang offenen Raum zur Brücke hin zu schließen.

Die Ekensunder Brücke kann aufgeklappt werden, damit Schiffe passieren können. Aus diesem Grund hat die Brücke flexible Fugen. Foto: Sara Eskildsen

Seine große Hoffnung setzt Milo Novak aber auf die Renovierung der Brücke, die von der Kommune bereits angekurbelt worden ist. Von den insgesamt sechs Fugen sind zwei bereits gegen ein Modell aus Gummi ausgetauscht worden. Die vier verbliebenen Fugen sollen in Kürze ebenfalls ausgetauscht werden, das hat der Technische Ausschuss der Kommune Sonderburg unlängst beschlossen.

Wann können Milo Novak und andere Anwohnende mit einer Verbesserung ihrer Lebensqualität rechnen?

Stadtratspolitikerin Kirsten Bachmann von der Schleswigschen Partei klärt auf. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass alle vier verbliebenen Fugen ausgetauscht werden – und nicht nur zwei, wie zunächst geplant.

Austausch noch in diesem Jahr

„Den genauen Zeitpunkt, wann die Fugen ausgetauscht werden, kenne ich nicht. Aber das Geld für die Renovierung wurde für dieses Budgetjahr abgesetzt. Und das ist auch im jetzigen Ausgangspunkt nichts, was weggespart werden soll“, so die Stadtratspolitikerin. Sie rechnet damit, dass die Fugen im Laufe der nächsten Monate ausgetauscht werden.

Milo Novak wartet zunächst einmal ab. „Eigentlich will ich nicht noch mal umziehen. Ein neues Haus zu kaufen und gleichzeitig dieses zu verkaufen, ist herausfordernd. Ich bleibe jetzt erst mal hier wohnen – und dann sehen wir nächstes Jahr weiter.“

Wir sind auf jeden Fall offen für eine Verkehrsberuhigung entlang der Strecke. Gerade auch, um den Spaziergehenden und Radfahrenden auf der Brücke mehr Raum zu geben.

Kirsten Bachmann, Stadtratspolitikerin

Milo Novak hofft, dass sich Ekensund verkehrstechnisch weiterentwickelt. Träumt von einem Tempolimit, einer je einspurigen Straße über die Brücke sowie einem Kreisverkehr im Osten der Brücke. „Ein Kreisverkehr, der Ekensund als Ort neu verbindet. Sodass Eltern sich wieder trauen können, ihre Kinder über die Straße zu schicken. Und der Lkw-Verkehr der Ziegelei und andere Autos müssten nicht durchs ganze Dorf fahren, um Richtung Westen oder Osten zu fahren.“

Einspurig über die Brücke – probeweise

Dass sich in Ekensund in Sachen Tempolimit und Mehrspurigkeit etwas bewegt, hält Kirsten Bachmann nicht für ausgeschlossen.

„Die Arbeiten an den Fugen werden dazu führen, dass die Brücke nur einspurig befahrbar ist. Während dieser Zeit können wir unsere Erfahrungen machen, ob sich der Verkehr Richtung Ulsnæs-Center tatsächlich stauen würde, so wie es immer befürchtet wurde. Wir sind auf jeden Fall offen für eine Verkehrsberuhigung entlang der Strecke. Gerade auch, um den Spaziergehenden und Radfahrenden auf der Brücke mehr Raum zu geben.“

Der Ort Ekensund ist durch die Schnellstraße 401 getrennt. Wer die Straßen über den kleinen Übergang überqueren will, muss sich beeilen, um nicht überfahren zu werden. Foto: Sara Eskildsen
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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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