Platzmangel

Industriehistorischer Verein sucht händeringend nach Platz

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Sonderburg/Sønderborg
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Helge Teckenmeier an der Drehbank, die Mitglied Svend Erik Olsen von der Lederwarenfabrik gekauft und dem Verein geschenkt hat. Foto: RN

Seit knapp einem Jahr hat IHSS vorübergehend Teile der Garagenanlage der Kaserne bezogen. Doch der Platz reicht bei Weitem nicht aus.

„Ja, das ist sehr frustrierend.“ So klar sagt es Michael Otto, Vorsitzender der „Industrihistorisk Samling Sønderborg Kommune“ (IHSS). Denn seit Gründung des Vereins im Mai 2016 sucht er händeringend nach geeigneten Räumen, um alle die Gegenstände publikumswirksam präsentieren zu können, die über 200 Jahre Industriegeschichte Sonderburgs erzählen. Der Sonderburger Raum war mal zweitgrößtes Industriegebiet nach Aarhus. Firmen wie JF Fabrikken, Møller & Co, Kammgarnspinnerei und Solo haben Sonderburg dazu gemacht.

Seit knapp einem Jahr hat IHSS vorübergehend Teile der Garagenanlage der Kaserne bezogen. Doch der Platz reicht bei Weitem nicht aus für die Ausstellung von Gerätschaften wie Selbstbinder, Motoren, Mähdrescher, ja, sogar eine Farbenerkennungsmaschine aus dem Marschall-Plan ist darunter. Dabei verfügt die Anlage über eine Halle, „aber die will uns die Kommune nicht geben. Nicht alle Politiker sind dafür. Dabei würde die Kommune kostenlos ein Museum bekommen, das einzige dieser Art im Landesteil. Es nützt ja nichts, dass unser Vertrag immer wieder verlängert wird. Wir brauchen einen permanenten Standort“, ergänzt Otto.

Er hat noch mehr auf dem Herzen: „Wir wollen wie jeder andere Verein auch behandelt werden. Wir möchten auf der kommunalen Homepage genannt werden, wir möchten Mitglied im Zusammenschluss der Archive sein. Langfristig planen wir ja ein Museum, mit Eintrittsgeld und Führungen. Wir wollen unser Wissen an Schüler, Bürger und Urlauber vermitteln“, führt Otto aus. Dieses Vermittlungszentrum ist in Ansätzen im Verwaltungstrakt zu finden. Dort sind Vortrags- und Sitzungsraum untergebracht, eine Ausstellung von Telefonen, Steckenpferd von Kaj Woelke, der als Ingenieur das populäre Tastentelefon von 1972 mit entwickelt hat.

Es gibt eine elektronische Ecke, mit Geräten der Firma Focon, die Info-Tafeln für die Staatsbahnen entwickelt hat. Weiteres Herzstück ist das Archiv. „Leute glauben, im Netz findest du alles. Das tust du nicht, wenn es um alte Fachbücher und Zeitschriften geht“, sagt Archivleiter Henning Elmholt. Stolz zeigt er eine wahre Rarität, die ebenfalls nicht online verfügbar ist: Mitteilungen der Bekleidungsfirma Møller & Co, die neben Werbung für ihre Waren auch das Zeitgeschehen kommentiert. Die einstigen Industriebetriebe haben dort auch ihre eigenen Regale. Zudem sind Schreib- und Rechenmaschinen sowie Telefax-Geräte ausgestellt, „damit junge Leute sehen, wie früher gearbeitet wurde. Heute geht alles mit einem Klick“, meint Elmholt.
Laufend erhält der Verein Geräte und Gegenstände aus der Zeit großer ortsansässiger Industrieunternehmen. Wer etwas hat, auch technische Nachschlagewerke, kann sich gern beim Verein unter IHSS.dk melden.

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