Corona

Impfen: Bei diesem Arzt wird das Warten zum Fest

Impfen: Bei diesem Arzt wird das Warten zum Fest

Impfen: Bei diesem Arzt wird das Warten zum Fest

Sonderburg/Sønderborg
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Hans Martin Petersen am Laptop Foto: Karin Riggelsen

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Der 72-jährige Hans Martin Petersen behält jede Woche in der Humlehøj-Halle die frisch Geimpften im Auge. Die 15 Minuten werden bei ihm eine sehr unterhaltsame Sache.

Für Kirsten Porsmose aus Gravenstein (Gråsten) wurde ein Donnerstag vor Kurzem ein ganz besonderer Tag. Die Nordschleswigerin fuhr zur Humlehøj-Halle in Sonderburg, um sich dort zum ersten Mal gegen Corona impfen zu lassen.

„Man ist ja immer ein wenig vorsichtig, und ich hatte auch ein wenig Angst. Aber da vorne stand dann ein Mann, eine herzliche und sehr sympatische Person, die eine sehr gute Stimmung verbreitet hat. War man etwas angespannt, dann hat er das sofort gemerkt. Er sprach zu den verschiedenen Leuten und erklärte ihnen, dass sie auf der langen Reise willkommen sind. Obwohl der große Saal voll besetzt war, hatte er die volle Kontrolle“, erklärt Kirsten Porsmose, die nach ihrer ersten Impfung ihre positive Überraschung überhaupt nicht verbergen konnte.

Der nette Mann dort vorne

Der nette Wachdienstleiter in der Beobachtungshalle heißt Hans Martin Petersen. Er ist nicht nur der gute Geist, der auf alle aufpasst. In seinen Schichten dürfen die Wartenden unter anderem auch klassischer Musik lauschen. Auf dem Laptop liegt ein eigens für die Geimpften zurechtgelegtes Programm. Wird einer Person schwindelig oder mulmig, ist er sofort schnell zur Stelle. Hans Martin Petersen verwandelt das Warten in ein Fest.

Hans Martin Petersen in einem Gespräch mit dem Sonderburger Niels Worm, der sich zum zweiten Mal impfen ließ Foto: Karin Riggelsen

Den großen Überblick

Was die wenigsten wohl wissen: Mit Hans Martin Petersen (72) hat das Impfzentrum in der Humlehøj-Halle einen Experten engagiert.

Petersen war 20 Jahre lang in der Neurologischen Abteilung im Sonderburger Krankenhaus. Nach mehr als 40 Jahren im Hospitalswesen weiß er genau, auf welche Symptome er bei den Geimpften achten muss. Es passiert nur selten etwas. Aber wenn, dann muss der Beobachter sofort agieren: „Wir sind bereit für den einen bei 1000 Fällen. Ist einer bleich, geht unsicher, schwitzt oder atmet unregelmäßig, dann muss man das kontrollieren", so Petersen.

Er passt 28 Stunden in der Woche auf die frisch Geimpften auf. Ob mitten in der Woche oder am Wochenende. In seinen Schichten hat sich nur einmal ein Frischgeimpfter in den sogenannten Akut-Stuhl setzen müssen.

15 Minuten lang dauert die Beobachtungszeit in der Halle. Foto: Karin Riggelsen

„Alle sollen ein Dankeschön dafür haben, dass sie nun so weit gekommen sind. Aber es ist auch ein Fest. Viele haben schon lange darauf gewartet“, meint er lächelnd, bevor er eben mal kurz zu einem sitzenden Mann geht. Mit ihm unterhält er sich einige Minuten, bevor der Mann aufsteht und lächelnd den Saal verlässt.

Ein Gespräch tut immer gut

Er will gern so viel für die Menschen tun. Aber eine Tasse Kaffee kann er ihnen nicht bieten. „Das müssen sie zu Hause nachholen“, stellt er lächelnd fest.

Hans Martin Petersen mit dem Team in der Humlehøjhalle. Auf dem Foto sind auch die Leiterin Anette Feddersen, Andreas Dahl und Jason Lubago am Computer zu sehen. Foto: Karin Riggelsen

Der schon immer auf die menschliche Psyche spezialisierte Mann liebt die Geschichten anderer Menschen. Geduldig hört er sich an, was die Leute ihm erzählen. Bis die Minuten vergangen sind. Dann muss er weiter.

Liebe zur Musik

Dass er mit Musik unterhält, ist für ihn ganz natürlich: „Viele haben ein Verhältnis zur Musik“, stellt er fest. So spielt er unter anderem „I did it my way“ mit dem Sonderburger Trompeter Per Nielsen. „Da reflektieren viele drüber. Darüber können sich viele freuen“, weiß der Arzt, der erst vor zwei Jahren in Rente ging.

Sein musikalisches Repertoire in der Humlehøjhalle besteht aus Mozart, Grieg, dem Dirigenten Mantovani und dem nordirischen Flötisten James Galway.

Ob er bei der Impfung von jüngeren Jahrgängen Musik mit mehr Pop und Rock spielen wird, darüber denkt er nach. „Vielleicht 10cc, Procol Harum oder Moody Blues - mal sehen", meint der Arzt.

Hans Martin Petersen blickt von oben über die zehn Kabinen. Foto: Karin Riggelsen

Hans Martin Petersens Frau Brita Bjerregaard Jensen war Oberärztin in der onkologischen Abteilung im Sonderburger Krankenhaus. Auch sie gehört wie ihr Mann seit Ende Januar zum festen Beoachtungsteam zuerst am Testzentrum am Ellegaardvej und nun in der Impfstation in der Humlehøjhalle.

Bis zu 1.250 Impfungen am Tag

In der Humlehøj-Halle werden in zehn Kabinen täglich bis zu 1.250 Covid-19-Impfungen vorgenommen. Dort arbeiten jeweils 15 bis 20 Personen in verschiedenen Funktionen. Dort wird auch der Impfstoff in die kleinen Spritzen gefüllt.

Für den Sonderburger Arzt ist es nicht nur eine Pflicht, wenn er sich von seinem Lassiehund Nemo verabschiedet und zur Arbeit in die Humlehøjhalle fährt.

„Wir sind wie eine kleine Familie hier. Für mich selbst ist es ja auch ergiebig. Ich schaue rüber zu den Menschen und kontrolliere, ob alles in Ordnung ist. Wenn man dann ein Lächeln als Feedback erhält, das tut gut", meint er.

Hans Martin Petersen Foto: Karin Riggelsen

Hans Martin Petersen wünscht sich eigentlich keinen großen Zeitungsartikel mit viel Lob für seine menschlich sehr zuvorkommende Art. Er freut sich jeden Tag auf eine Aufgabe, weil er in der Humlehøjhalle gute Kollegen trifft, wie er es selbst ausdrückt. „Wir passen aufeinander auf“, meint der Sohn eines Elektrikers von Röm (Rømø).

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