Vortrag

Immer ein würdevoller Tod

Ilse Marie Jacobsen
Ilse Marie Jacobsen Journalistin
Sonderburg/Sønderborg
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Kirsten Bachmann arbeitet seit zehn Jahren im palliativen Team. Foto: Ilse Jacobsen

Kirsten Bachmann erzählte beim Montagsklub über ihre Arbeit in der Palliativstation. Die Zuhörer stellten viele Fragen.

Kirsten Bachmann, das Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei, ist eine Krankenschwester, die seit fast zehn Jahren in einer ganz besonderen Abteilung arbeitet. „Meine Patienten sterben alle“, stellte sie bei der ersten Montagsklub-Veranstaltung nach der Sommerpause schon einleitend fest. Kirsten Bachmann arbeitet in der Palliativstation. Sie und ihre Kollegen tun alles, damit unheilbar kranke Menschen ein würdiger Tod beschert werden kann.

Das palliative Team arbeitet in ganz Nordschleswig und hat im Augenblick 120 bis 140 Patienten, die alle zu Hause betreut werden. Denn sie wollen nur eines: Sie wollen in ihrem eigenen Zuhause entschlafen. Das ist bei 70 bis 80 Prozent der Patienten der sehnlichste Wunsch. Palliation bedeutet von der Wort-Herkunft: ein Mantel, der um einen gelegt wird, so Kirsten Bachmann. Ihre Patienten durchleben verschiedene Phasen. Zuerst kommt die Diagnose, die alles verändert. „Sie zeigt, dass man sterblich ist. Das Leben dauert nicht ewig“, so Kirsten Bachmann. So schwer es auch klingt – der erste Schock über die schlechte Nachricht legt sich, „und man entwickelt sich“, so Kirsten Bachmann. Zuletzt sind ihre Patienten völlig abgeklärt, dass das Leben für sie nun zu Ende geht.

Das gilt oftmals nicht nur für die Patienten. Das ist oft auch bei den Familienangehörigen, denen gleichfalls zur Seite gestanden wird, der Fall. Das palliative Team führt sehr viele Gespräch mit den Angehörigen. Die Patienten machen sich viele Gedanken – sie können nicht mehr zur Arbeit gehen und was macht der Mann oder die Frau, die allein zurückbleiben?

Pastoren-Rat

Wer einen guten Rat sucht, sollte sich nicht zuletzt auch an einen Pastor wenden. Pastoren sind bei der Krisenbewältigung am besten ausgebildet, so Kirsten Bachmann.
Eine Stunde lang berichtete die Krankenschwester den Anwesenden sehr einfühlsam, aber auch sehr informativ von ihren Aufgaben. Es waren auch Zuhörer aus Norburg und Gravenstein ins Mariaheim gekommen.

Viele schauten sehr ernst, aber es wurden auch ganz viele Fragen gestellt. Alle hatten das Abschiednehmen schon erlebt. Einige wussten nicht, dass es überhaupt ein Palliativ-Team gibt. Wer ins Hospiz oder zum Palliativ-Team möchte, braucht eine ärztliche Anweisung. Wer seinen todkranken Partner selbst pflegen will, kann dies eine Zeit lang. „Aber es kann sehr lange dauern“, wie Kirsten Bachmann feststellte.

Ihre Beschäftigung rührt auch die Krankenschwester manchmal sehr tief. „Aber für mich ist es einer der schönsten Berufe“, stellte sie lächelnd fest. Bei dem sehr interessanten Vortrag des Montagsklubs wurden viele Probleme angesprochen, unter anderem auch die Rituale um einem Todesfall, Wachdienste, das palliative Kinderteam in Odense und Testamente. Eins ist ganz wichtig: Wer einen Patienten kennt, nicht aus Rücksicht auf den Kranken einfach fernbleiben. Auch wenn sie weinen – niemand will als ganz einsamer Mensch die Augen schließen.

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