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Im Supermarkt direkt hinaus zu den Tieren

Im Supermarkt direkt hinaus zu den Tieren

Im Supermarkt direkt hinaus zu den Tieren

Sonderburg/Sønderborg
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So geht es den Hühnern in dem Augenblick. Foto: Karin Riggelsen

Philip Staib aus Sonderburg will mit der App „Farmer’s Window“ mehr Transparenz in der Lebensmittelproduktion schaffen.

Ein Kunde steht auf der Suche nach frischen Eiern im Supermarkt. Er schnappt sich eine Eierschachtel. Aber wie geht es eigentlich den Hühnern, die diese Eier legen?

Auf diese Frage können die Kunden nun ziemlich schnell eine Antwort bekommen. Halte dein Smartphone über die Verpackung, die als Code fungiert. Ruckzuck kann der Verbraucher sehen, wie die Hühner fressen, sich zanken oder auch ausruhen. Der direkte Blick in ihren Alltag.

Ein virtuelles Fenster

Hinter dem modernen informativen Projekt steht der 29-jährige Sonderburger Philip Staib, der sich nun voll und ganz dem Start-up des „Farmer’s Window“ widmet. Dieses virtuelle Fenster soll den Landwirten und Landwirtinnen die Möglichkeit geben, mit ihren Kunden zu kommunizieren und andererseits mehr Transparenz in der Lebensmittelindustrie schaffen.

Philip Staib und Merle Aldag im Domicilet am Ellegårdsvej Foto: Karin Riggelsen

Als ersten Produzenten hat „Farmer’s Window“ die Hühnerbesitzer Niels und Grete aus Hadsten gewonnen. In der ersten Version der App kann man mithilfe von Augmented Reality (AR) mit der Verpackung der verschiedenen Lebensmittel interagieren. Zum Beispiel können verschiedene Label auf der Verpackung angeklickt und erklärt werden.

Außerdem gibt es eine 3D-Animation von einem Huhn, das erzählt, wie die Eier zu ihrer Farbe kommen. Der Mittelpunkt der App ist ein Live-Video von den Hühnern, die die Eier gelegt haben. Hierfür installiert das Start-up in Zusammenarbeit mit den Landwirten und Landwirtinnen Kameras auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Die Hühner befinden sich im Augenblick wegen der Vogelgrippe im Stall.

Hilfe im Dschungel

„Viele Kunden kennen ein Label, aber es ist ein großer Dschungel. Man will heutzutage nicht lange suchen, um etwas über einen Produzenten zu erfahren“, so Philip Staib.

Die App liefert auch Informationen über Eier. Foto: Karin Riggelsen

Für den innovativen Mann ist die Produktinformation nur der erste Schritt. Er wünscht sich unter anderem auch eine Kinderabteilung, wo die Kinder interaktiv auf einige Fragen antworten können. „Es gibt noch viele Möglichkeiten“, meint Staib.

Master Degree in Italien

Philip Staib hat sich in seiner Ausbildung ein breites Wissen über Augmented Reality verschafft. Er hat unter anderem an der Universität Bocconi in Italien ein Master Degree gemacht, war an der Copenhagen Business School und hat sich als Researcher für das Digital Enterprise Value and Organization Lab in Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) für Klienten wie zum Beispiel Microsoft, Vodafone und Samsung mit der Einführung und der Anwendung von Augmented Reality befasst.

Preise und Fördermittel

An seinem eigenen innovativen Werbebüro und dem Projekt „Farmer’s Window“ arbeitet Staib mit vier Universitäten zusammen – der Copenhagen Business School, Aarhus Universität, Syddansk Universitet und Copenhagen University. Sein Fenster der Landwirte hat schon Preise und Fördermittel eingeheimst.

Philip Staib und Merle Aldag bei Netto in Sonderburg Foto: Karin Riggelsen

Vor zwei Jahren bekam Philip Staib für seine gute Vermarktungs-Idee den „Sønderborg Iværksætterpris 2019“. Die dazugehörigen 25.000 Kronen konnte er in die erste Arbeit mit der neuen App stecken. Teil des Projekts war unter anderem eine Sicherung des Patents, die allein für Dänemark mit 22.500 Kronen zu Buche schlägt. LAG Sønderborg-Aabenraa hat knapp 95.000 Kronen beigesteuert. Auch Norlys Vækstpulje Midt und das DigitaliseringsBoost Programm unterstützen das Start-up.

Praktikantin aus Kiel

Seit Kurzem hat er Hilfe von der 25-jährigen Agrarwissenschafts-Studentin Merle Aldag aus Kiel bekommen, die aus Deutschland nach Dänemark gezogen ist. Sie bewarb sich eigentlich beim Sonderburger Iværksættercenter und wurde sofort an „Farmer’s Window“ verwiesen. Nun macht sie ein Praktikum bei Philip Staib. Sie hilft ihm bei der Vermarktung und schreibt außerdem eine Masterthesis. Sie ist vorläufig bis Mai in Sonderburg. „Aber ich würde gern länger hier bleiben“, meint die 25-Jährige lächelnd.

Sie ist mit großer Begeisterung bei der Sache. „Das Projekt ist einfach super. Für die Konsumenten und für den Landwirt“, stellt sie fest. Merle Aldag fasziniert aber nicht nur das neue Vermarktungs-Projekt: „Ich finde Sonderburg einfach so schön.“

Viele Stunden und Geld investiert

Philip Staib hat selbst diverse Stunden und Kronen in sein Projekt gesteckt. „Ich habe viel gespart und rund 200.000 Kronen in das Projekt investiert. Ich habe jeden Sommer gearbeitet – und ich wohne ja auch deswegen immer noch zu Hause bei meinen Eltern“, erklärt der Firmengründer. Er ist sehr dankbar für die Hilfe seiner Eltern. Sein Vater hilft übrigens auch mit Rat und Tat bei „Farmer’s Window“ mit.

Alles auf dem Handy voll im Griff Foto: Karin Riggelsen

Mit „Farmer’s Window“ können sich viele Waren gut vermarkten. „Ich setze darauf, dass es noch größer wird. Das würde zum Beispiel auch die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland fördern“, so Staib.

Werbetour in Kopenhagen

Am Wochenende fuhr das zweiköpfige Team übrigens nach Kopenhagen (København), um dort mit kostenlosen, natürlich gefüllten Eierschachteln vor verschiedenen Netto-Läden auf die gute neue Vermarktungsmöglichkeit aus Sonderburg aufmerksam zu machen, da die App nun im dänischen Apple App Store, bislang aber noch nicht im Google Play Store, verfügbar ist.

Der Ausflug in die dänische Hauptstadt war ein Erfolg: „Kopenhagen war super! Wir haben gutes Feedback bekommen und auch viele Downloads“, so Merle Aldag.

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