Porträt

Einmal um die Welt mit der 85-jährigen Stewardess Monika Østerlund

Einmal um die Welt mit der 85-jährigen Stewardess Monika Østerlund

Einmal um die Welt mit der 85-jährigen Stewardess

Kilian Neugebauer
Kilian Neugebauer
Sonderburg/Sønderborg
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In ihrer Stewardess-Uniform: Monika Østerlund vor einem der privaten Flugzeuge Foto: Karin Riggelsen

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Jahrzehntelang hat Monika Østerlund als Flugbegleiterin die verschiedensten Orte der Welt bereist und die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt. Dem „Nordschleswiger“ gewährt sie einen Einblick in ihre Arbeit im Privatjet und erzählt, wie ihr Job an Bord abläuft.

Bahamas, Jerusalem, Moskau: In ihren 35 Jahren als Flugbegleiterin ist Monika Østerlund aus Sonderburg auf vielen Flughäfen dieser Welt gelandet. Auch heute ist die 85-Jährige noch für private Flüge über den Wolken im Einsatz – besonders langjährige Kundinnen und Kunden schätzen ihre Arbeit.

Von der Neugierde geprägt

Bereits als junge Frau reiste Østerlund mit ihrem Ehemann und zwei Söhnen um die ganze Welt, damals noch als Passagierin. Als gelernte Spediteurin und Übersetzerin half sie immer wieder in den Unternehmen ihrer Kinder aus. So kam es auch zu ihrer regelmäßigen Arbeit über den Wolken, nachdem sie für einen Flug nach Jerusalem eingesprungen war.

Als „Späteinsteigerin“ startete sie in den Beruf der Stewardess und ist bis heute für die Sonderburger Airline „Air Alsie“ im Einsatz, die ihr Sohn 1989 gegründet hat.

Meist bedient Østerlund als Stewardess zwei bis sechs Personen – im Flugzeug finden theoretisch bis zu 16 Fluggäste Platz. Foto: Karin Riggelsen

Als Stewardess bin ich auch im Privatflieger viel beschäftigt.

Monika Østerlund

Über ihre Arbeit im Privatjet

Höhenangst kennt die Flugbegleiterin nicht: Üblicherweise fliegt sie mit in Privatfliegern der Falcon-Baureihe, in denen circa 16 Reisende Platz finden können – meist sind es aber nur zwei bis sechs Personen, die von ihr bedient werden, verrät sie. Zu ihren Passagierinnen und Passagieren zählen viele Personen mit Rang und Namen – Diskretion ist das oberste Gebot ihrer Arbeit.

In rund 12.000 Metern Höhe sind die Abläufe und Aufgaben der Stewardess klar getaktet und je nach Wunsch der Fluggäste individuell arrangiert, wie Østerlund erklärt. Im Angebot sind exquisite Gerichte und Weine sowie höchster Komfort: Die Arbeit der Flugbegleiterin besteht darin, den Fluggästen alle Wünsche zu erfüllen und den Privatflug so angenehm wie möglich zu gestalten. Als Stewardess steht sie bereits zwei Stunden vorher im Flieger, um die finalen Vorbereitungen vor dem Abflug zu treffen.

Vor dem Abflug überprüft die 85-jährige Flugbegleiterin, ob alles Wichtige an Bord ist. Foto: Karin Riggelsen

„Ich decke die Tische, richte die Blumen an und überprüfe, ob alles Wichtige an Bord ist. Sobald die Fluggäste an Bord sind, beginnt der Service. Als Stewardess bin ich auch im Privatflieger viel beschäftigt“, erklärt sie. Die langen Flüge machen der 85-jährigen Flugbegleiterin nichts aus: Nach der Ankunft der Passagiere beginnt der Service direkt mit Willkommensgetränken und Snacks – gefolgt von mehreren Gängen über die gesamte Flugdauer.

Ihr persönlich sei besonders der höchste Standard des Services wichtig: Zuvorkommend sein, ansprechend servieren und die professionelle Distanz zu den Gästen wahren, so Østerlund.

35 Jahre voller Geschichten und Erfahrungen

Im Laufe der Zeit haben sich nicht nur die Flugzeuge und damit auch die Aufgaben der Stewardess weiterentwickelt, in ihren 35 Jahren Berufserfahrung konnte sie außerdem Freundschaften schließen und hat Geschichten aus der ganzen Welt im Gepäck.

Um die besonderen Wünsche der koscheren Speisen für eine Kundin zu erfüllen, informierte sich die Stewardess in der Bibliothek und flog selbst für einen Urlaub nach Israel. Seither ist Østerlund als Stewardess fest gesetzt, wenn es für die Kundin wieder nach Jerusalem gehen soll. Mit dieser fliegt sie seit rund 25 Jahren regelmäßig nach Israel.

„Es ist wichtig, dass man bei diesen jahrelangen Beziehungen nie vergisst, wer die Kundin oder der Kunde ist. Man darf sich gerne unterhalten, muss sich aber immer wieder zurückziehen. Der Respekt muss unbedingt erhalten bleiben“, erzählt die 85-jährige Stewardess.

Ein Flugerlebnis ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Eine Reise nach Moskau – an Bord ein schwedischer Sänger – endete mit dem Schreck, dass der Pass des berühmten Passagiers fehlte. Zwischen Himmel und Erde vermittelte die Crew erfolgreich, um das Konzert in der russischen Hauptstadt vor einer Absage zu bewahren.

Immer ein Lächeln für die Fluggäste: Monika Østerlund ist „Ready for Take off“. Foto: Karin Riggelsen

In ihrer Freizeit zwischen Hinflug und Rückflug erkundete sie in der Vergangenheit die unterschiedlichsten Kulturen und Städte und machte so Sightseeing auf der ganzen Welt. An vielen Orten wäre sie auch gerne länger geblieben – besonders die Bahamas haben ihr gefallen.

Seit einigen Jahren hat sich ihr Flugkalender auf ein Minimum reduziert, sie begleitet nur noch die Kundin, die sie bereits seit vielen Jahren durch die regelmäßigen Flüge nach Jerusalem kennt. Als langjährige Kundin schätzt diese Østerlunds besondere Hospitalität und Kenntnisse.

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