Grenzfriedensbund

Callsen: Einsatz für Interreg auch nach 2020 wichtig

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Sonderburg/Sønderborg
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Johannes Callsen, Hinrich Jürgensen, Frauke Tengler und Stephan Kleinschmidt. Foto: Volker Heesch

Der Minderheitenbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Johannes Callsen, betont das Engagement für die deutsch-dänische Partnerschaft.

„Im Jahre 2020 läuft die aktuelle Periode der Interregförderung aus. Wir wollen in Schleswig-Holstein die EU-Fördermittel für den Grenzbereich beibehalten.“ Das erklärte der Minderheitenbeauftragte Schleswig-Holsteins, Johannes Callsen (CDU) beim Dialog des Verbandes ADS-Grenzfriedensbund, bei dem er im Alsion in Sonderburg für ein abgestimmtes und gemeinsames Eintreten Deutschlands und Dänemarks bei der EU-Förderung warb.

Callsen, der Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) während seines Antrittsbesuchs in Kopenhagen kürzlich begleitet hatte, unterstrich, dass die neue Landesregierung aus CDU, FDP und Grünen an der engen Zusammenarbeit mit der dänischen Regierung festhalte. So sei eine Fortschreibung der 2015 zwischen Kiel und Kopenhagen vereinbarten Ministererklärung vorgesehen. Callsen, der während der Veranstaltung am Donnerstagabend in Sonderburg ausführlich die Kontinuität der Minderheitenförderung in Schleswig-Holstein nach dem Regierungswechsel erläuterte, nutzte seine Ansprache in Anwesenheit unter anderem von Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) und der neu in den Bundestag gewählten Abgeordneten Petra Nicolaisen (CDU), um mehr gemeinsamen Einsatz der deutschen und dänischen Akteure im Grenzland zu fordern.

„Schleswig-Holstein und Dänemark sprechen sich in der Verkehrspolitik ab. Wir haben zusammen den sechsstreifigen Neubau der Rader Hochbrücke durchgesetzt. Vielleicht schaffen wir auch den sechsspurigen Ausbau der A 7 bis Flensburg“, so der Callsen, der auch Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Landtags ist. Er würdigte, dass es in den vergangenen Jahren gelungen ist, vor allem die Grenze zwischen den Menschen im Bereich der deutsch-dänischen Grenze abzubauen.

Gemeinsam für neues Interreg-Programm arbeiten

Bestandsaufnahmen, aber vor allem auch neue Perspektiven der deutsch-dänischen Zusammenarbeit im Grenzland haben während des Dialogs des ADS-Grenzfriedensbundes Callsen und das SP-Stadtratsmitglied in Sonderburg, Stephan Kleinschmidt, bei der von rund 50 Teilnehmern besuchten Veranstaltung präsentiert. Der Landtagsabgeordnete Callsen unterstrich, dass die neue Jamaika-Koalition von CDU, FDP und Grünen die auf breiter Grundlage im Landtag stehende Förderung der Minderheiten einschließlich der Unterstützung der deutschen Nordschleswiger fortsetzen werde.

Callsen, der eingangs auf seine Herkunft aus Angeln hingewiesen hatte, wo er „in kultureller Vielfalt groß geworden ist“, unterstrich sein langjähriges grenzüberschreitendes Engagement bereits während seiner Zeit als Kreistagsmitglied, als vor 20 Jahren die Region Sønderjylland/Schleswig geschaffen worden ist. „Ich habe neues Interesse an deutsch-dänischer Kooperation im Krankenhausbereich im Grenzland festgestellt“, sagte Callsen und regte an, dass man viel mehr über die Grenze hinweg zusammenarbeiten und voneinander lernen könnte und nannte als Beispiel die sowohl nördlich als auch südlich der deutsch-dänischen Grenze dringliche Förderung des ländlichen Raumes.

„Grenzen vor allem zwischen den Menschen abgebaut“

„Wir haben in den vergangenen Jahren die Grenzen vor allem zwischen den Menschen abgebaut“, so Callsen, der im Zusammenhang mit seinem Bekenntnis zur Förderung der dänischen und friesischen Minderheit sowie der Sinti und Roma an den bevorstehenden 25. Jahrestag der Ratifizierung der Charta zum Schutz der Regional- und Minderheitensprachen durch Deutschland erinnerte.

Der Minderheitenbeauftragte ging auch auf die aktuelle Situation in Europa ein, wo grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Minderheitenpolitik auch als Beitrag zur Friedenssicherung verstanden werden müsse. „Es ist unsicherer in Europa geworden“, meinte er und fügte hinzu: „Die Menschen sehnen sich nach Identität und Heimat. Dabei muss die Besinnung auf eigene Geschichte und Identität aber mit Weltoffenheit verbunden sein“, so Callsen und unterstrich, dass Förderung von Minderheiten nicht nur Kulturpolitik sei, sondern auch ein Zeichen, wie man Konflikte lösen kann.

Gemeinsames Eintreten Deutschlands und Dänemarks

Ein aktuelles Thema in der deutsch-dänischen Politik sollte ein gemeinsamer Einsatz für ein Nachfolgeprogramm des 2020 auslaufenden EU-Interregprogrammes sein, von dem die deutsch-dänische Region seit Jahrzehnten profitiere. „Ein gemeinsames Eintreten Deutschlands und Dänemarks halte ich auf diesem Gebiet für außerordentlich wichtig“, so Callsen und erinnerte an die neuen Bedingungen in der EU in Verbindung mit dem Austritt Großbritanniens aus der Union.

Callsen schloss in seine Ausführungen den Wunsch ein, dass das besondere Jubiläum der Volksabstimmungen und der Grenzziehung 2020 „in der Fläche zu den Menschen“ gebracht werde. Und er unterstützte die von Stephan Kleinschmidt mitgetragene Initiative, das Jubiläum 2020 mit einer grenzüberschreitenden Gartenschau mit dem Schwerpunkt Flensburger Förde zu würdigen.

Das Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei in Sonderburg, Stephan Kleinschmidt, berichtete in seinem Vortrag über den neuesten Stand beim Projekt deutsch-dänische Gartenschau, das in neue Konzepte zur Pflege des Schlossgartens in Gravenstein ebenso hineinpasse wie in die umfassenden Vorbereitungen dänischer Ministerien und der nordschleswigschen Kommunen, das Grenzziehungsjubiläum 2020 zu würdigen. Die beteiligten Kommunen könnten die Gartenschau vor allem durch Finanzierung von Grünanlagen fördern, die dauerhaft in den Orten erhalten bleiben und vielfach ohnehin auf der Tagesordnung gestanden hätten.

„Ich habe da oft Frust“

Kleinschmidt widmete seinen Vortrag aber auch dem bisherigen Verlauf der deutsch-dänischen Zusammenarbeit und nannte als herausragenden Erfolg die kulturelle Partnerschaft, die als Projekt „People to People“ mit geringen Finanzmitteln angelaufen sei, aber bis heute als Kulturbrücke und Kulturdialog aktuell als „Kurs Kultur“ mit einem Etat von 4,3 Millionen Kronen und florierender Partnerschaft erkennen lasse, dass vor allem Nord- und Südschleswig, das alte Herzogtum, einen gemeinsamen Kulturraum bilden. Kleinschmidt forderte aber neue Visionen, damit auch wirtschaftlich ein Wachstumsraum entstehen kann. Die Kulturhauptstadt-Bewerbung habe gezeigt, dass es funktioniert. Und zur Region Schleswig-Sønderjylland meinte er: „Ich habe da oft Frust, wenn wir uns mit Satzungen und Regularien, statt mit gemeinsamen Aktionen befassen.“

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