2020-Programm

100 Jahre später: „Warum stehen wir hier?“

100 Jahre später: „Warum stehen wir hier?“

100 Jahre später: „Warum stehen wir hier?“

Sonderburg/Sønderborg
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100 Jahre Grenzlandgeschichte – zusammengefasst auf einem Banner, das bei der Präsentation aufgestellt wurde. Foto: Sara Wasmund

Mit einem Festakt hat die Kommune Sonderburg am Donnerstagabend ihr Programm für 2020 vorgestellt. Doch nicht alle konnten dabei sein: Der Saal im Sønderborghus war viel zu klein, und viele Bürger wurden wieder nach Hause geschickt.

Sonderburg hat in der Geschichte des Grenzlandes eine besondere Rolle. Das wurde den rund 330 Besuchern im Sønderborghus am Donnerstagabend in mehrfacher Hinsicht klar.

Die Kommune Sonderburg hatte zum Festakt eingeladen, um das Programm für die 2020-Feierlichkeiten vorzustellen. Mit kurzen Geschichtsvorträgen, Liedern und einem Ausblick auf die vielen hundert Veranstaltungen nahm nicht nur das Jahr 2020 Gestalt an.

Eine Stadt zwischen Herzogtümern und Nationen

Auch die Geschichte Sonderburgs formte sich auf besondere Weise vor den Augen und Ohren der Zuschauer. So gab Historiker Axel Johnsen einen informativen Kurzvortrag über die Stadt und ihre Rolle zwischen den Herzogtümern und Nationen von 1864 und 1920.

Der voll besetzte Saal im Sønderborghus am Donnerstag Foto: Sara Wasmund

„Warum stehen wir heute hier?“, fragte Johnsen, der sich in seinem aktuellen Buch „Grænsen, folket und staten“ mit genau dieser Frage auseinandersetzt und dem Publikum Antworten lieferte.

„Auf Düppel vor den Toren Sonderburgs wurde 1864 eine entscheidende Schlacht ausgetragen, und ebenfalls auf Düppel wurde am 11. Juli 1920 die Wiederangliederung des Landesteils an Dänemark gefeiert. Die Sonderburger haben dort zusammen mit dem König gefeiert.“

Genau 100 Jahre später, am 11. Juli 2020, können die Bürger Sonderburgs auf den Düppeler Schanzen erneut mit dem Oberhaupt der dänischen Monarchie feiern, wenn Königin Margrethe zum großen Volksfest nach Sonderburg kommt.

Erneut ein Volksfest auf Düppel am 11. Juli

In eine Stadt, die um 1900 nicht mehr als 5.000 Bürger zählte – und deren Einwohnerzahl sich kurz darauf durch den Bau der deutschen Kaserne verdoppelte. Viele Handwerker kamen aus Deutschland, zudem die Angestellten der Marine.

Kein Wunder also, führte Johnsen aus, dass Sonderburg 1920 zu 57 Prozent für den Verbleib in Deutschland stimmte.

Ganz im Gegensatz zu den Gemeinden Alsen und Sundewitt. „Nirgends sonst wurde der Unterschied zwischen Stadt- und Landbevölkerung so deutlich wie in Sonderburg“, so der Autor.


Empfangskomitee vor dem Sønderborghus: Die Einheit der „Jydske Landsoldater“ in den Uniformen von 1864 Foto: Sara Wasmund

Für die Kommune Sonderburg präsentierten Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) und Jesper Kock (Soz.), Vizevorsitzender des Ausschusses für Kultur, Sport, Handel und Tourismus, das Programm für 2020.

Über 200 Arrangements organisiert die Kommune bis zum 11. Juli, 49 Projekte von Vereinen und Organisationen hat die Kommune mitfinanziert.

Bürger sollen sich in der Geschichte spiegeln

Das Leuchtturmprojekt der Kommune ist „Sonderburgs Spiegelungen 2020“. Mit Konzerten, Kunstwerken deutscher und dänischer Künstler, Sportveranstaltungen, Vorträgen und Gemeinschaftsessen lädt die Kommune dazu ein, sich in der Geschichte Sonderburgs zu spiegeln.

Alle Punkte des Programms unter http://www.genforeningen2020.dk/sonderborg

Warum hat man denn keinen größeren Raum genommen? Man hätte doch ahnen können, dass mehr als 300 Menschen dabei sein wollen.

Trine Fangel, Besucherin

Mit Musikbeiträgen und weiteren kurzen Vorträgen ging der Abend im Sonderborghus zu Ende.

Ein Abend, der für rund 100 Bürger jedoch mit einer großen Enttäuschung begann: Sie wurden wieder nach Hause geschickt, da der Saal im Sønderborghus viel zu klein war für den Andrang.

Schlange stehen bis in die Vorhalle: Diese Besucher hatten Pech und wurden kurz darauf nach Hause geschickt. Der Saal im ersten Stock war mit 305 Plätzen bereits voll besetzt. Foto: Sara Wasmund

„Das ist wirklich peinlich, ein sehr, sehr schlechter Start in das Festprogramm“, sagte Trine Fangel aus Sonderburg, die zu jenen gehörte, für die am Donnerstagabend im Treppenhaus Schluss war.

„Warum hat man denn keinen größeren Raum genommen? Man hätte doch ahnen können, dass mehr als 300 Menschen dabei sein wollen. Wenn man als Kommune die Bürger einlädt, dann auch ordentlich“, fand Trine Fangel, die wieder nach Hause gehen musste.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Mutiges Museum“