Klimaschutz

Kommunaler Bauboom: SP fordert mehr Nachhaltigkeit

Kommunaler Bauboom: SP fordert mehr Nachhaltigkeit

Kommunaler Bauboom: SP fordert mehr Nachhaltigkeit

Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
Die SP will den Klimaschutz durch nachhaltiges Bauen in der Kommune Sonderburg stärken. Foto: AdobeStock

Um alle Bauprojekte fristgerecht ausführen zu können, ist für Nachhaltigkeit auf kommunalen Baustellen derzeit wenig Platz. Die Schleswigsche Partei fordert daher dazu auf, Umweltschutz am Bau verpflichtend zu machen.

Beim Thema Nachhaltigkeit klaffen Wunsch und Wirklichkeit in der Kommune Sonderburg derzeit weit auseinander, wenn es um kommunale Bau- und Renovierungsprojekte geht. Um alle Vorhaben fristgerecht in die Tat umzusetzen, sind die eigenen Standards in Sachen umweltfreundliches Bauen und Renovieren zur Seite geschoben worden. Die Schleswigsche Partei (SP) schlägt daher vor, nachhaltiges Bauen für die Kommune verpflichtend zu machen.

Große Unterschiede zwischen Zielen und Realität

„Es gibt große Unterschiede zwischen dem, was sich die Kommune als grüne Bauziele gesetzt hat, und dem, das am Ende dabei rauskommt, wenn kommunale Gebäude gebaut oder renoviert werden“, stellt Stadtratspolitiker Stephan Kleinschmidt (SP) fest.

Zwar gebe es bei der Einkaufspolitik bereits ein Punktemodell, nach dem nachhaltige Angebote bevorzugt werden sollen. Doch beim Ausführen von Bauarbeiten steht aktuell Preis und Qualität im Vordergrund. Die kürzlich vom Stadtrat verabschiedete Nachhaltigkeitspolitik sei nicht verpflichtend für konkrete Bauprojekte, so Kleinschmidt. „Wir schlagen vor, dass bei allen Bauprojekten der Nachhaltigkeitsfaktor mit in die Beschlussvorlage aufgenommen wird“, so der Vize-Bürgermeister.

An diesem Vorhaben hängt ein Preisschild. Wir wünschen uns eine strategische Empfehlung von der Verwaltung und sind bereit, Nachhaltigkeit am Bau bei den Haushaltsverhandlungen im Herbst mitzudenken.

Stephan Kleinschmidt, Stadtratspolitiker

Neben dem Erreichen von Nachhaltigkeits-Zertifikaten von Bauten könnte die Kommune Baumaterial von Abrisshäusern kostenlos anderen zur Verfügung stellen, wie das beispielsweise in der Kommune Randers der Fall ist. „Es gibt viele Möglichkeiten, Nachhaltigkeit bei Bauvorhaben mit reinzudenken“, sagt Kleinschmidt.

Dass dieser Einsatz etwas kostet, ist der SP bewusst. „An diesem Vorhaben hängt ein Preisschild. Wir wünschen uns eine strategische Empfehlung von der Verwaltung und sind bereit, Nachhaltigkeit am Bau bei den Haushaltsverhandlungen im Herbst mitzudenken.“

Auch wenn Nachhaltigkeit am Bau zunächst teurer sei, zahle es sich langfristig aus, glaubt Kleinschmidt. „Es würde Bauprojekte teurer machen, aber es gäbe große gesellschaftliche Gewinne. Wenn wir das richtig anpacken, dann wird es auch Wachstum und Arbeitsplätze schaffen.“

Bauvorhaben mit einem Kreditrahmen von 386 Millionen Kronen

Hintergrund des aktuellen Baubooms ist ein erweitertes Kreditangebot des dänischen Sozial- und Innenministeriums. Das hatte den Kommunen im Land 2020 zusätzliche Kredite zur Verfügung gestellt, um die lokale Wirtschaft in der Corona-Krise anzukurbeln. Die Kommune Sonderburg hat daraufhin Bauvorhaben mit einem Kreditrahmen von 386 Millionen Kronen in Gang gesetzt, die 2021 ausgeführt werden müssen.

Verwaltung und Kommunalpolitik standen so vor der großen Herausforderungen, Unmengen an Projektdetails und Flächennutzungspläne auszuarbeiten, Baufirmen zu beauftragen und die Projekte in Gang zu setzen. Die SP gibt zu bedenken: „Das hohe Tempo darf aber nicht auf Kosten des Klimaschutzes gehen“, sagt Stephan Kleinschmidt, der auf eine politische Mehrheit hofft, Nachhaltigkeit am kommunalen Bau verpflichtend zu machen.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Vertrauen besser als Image“