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Wie Roboter den Arbeitsplatz attraktiver machen

Wie Roboter den Arbeitsplatz attraktiver machen

Wie Roboter den Arbeitsplatz attraktiver machen

Blans
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Bislang müssen die Angestellten in Blans die Fleischstücke selbst aufs Fließband legen. In Zukunft macht diese Bewegung ein Roboter. Foto: Sara Eskildsen

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Wie viele Bandscheibenvorfälle in Zukunft vermieden werden, das kann niemand sagen. Doch statt der Angestellten bewegen in der Schlachterei von Danish Crown in Blans immer mehr Roboter die schweren Fleischstücke. Ein Besuch am Zerlegeband.

Rund 63.000 Schweine werden pro Woche in der Danish-Crown-Schlachterei in Blans verarbeitet. Am Zerlegeband bedeutet diese Arbeit den Ganzkörpereinsatz der Mitarbeitenden. Noch.

Denn statt die Fleischbrocken selbst aufs Band zu heben, übernehmen in Zukunft Roboter die Hebe- und Senkarbeit.

Der Prototyp arbeitet in Blans

Seit drei Monaten steht in der Entbeinungshalle in Blans ein neuer Mitarbeiter: ein Roboter mit zwei Armen. Ein Prototyp, entwickelt von der Innovationsabteilung der Schlachterei.

Der neue Mitarbeiter in Blans arbeitet in einem Glashaus: der Prototyp des Zuliefer-Roboters, wie er gerade ein Fleischstück aufs Band legt. Foto: Sara Eskildsen

Mit zackigen, fast schlacksigen Bewegungen pflückt er ein Fleischstück nach dem anderen vom Spieß – und legt es auf das Band, wo es von den Angestellten zerlegt wird.

Warum bringt die Schlachterei Roboter ins Spiel? Fabrikschef Ole Carlsen erläutert, was dahintersteckt.

„Die Arbeit so angenehm wie möglich machen“

„Bislang heben die Mitarbeiter die Fleischstücke auf das Zerlegebandband. In Zukunft sollen solche schweren Arbeiten mehr und mehr von Robotern übernommen werden. Es geht uns in erster Linie darum, ein attraktiver Arbeitsplatz zu sein. Wir brauchen gute Angestellte, die bei uns bleiben, am liebsten ein ganzes Arbeitsleben lang. Daher müssen wir unseren Mitarbeitenden die Arbeit so angenehm wie möglich machen.“

Bislang müssen die Fleischstücke von den Spießen per Hand aufs Zerlegeband gelegt werden. Per Laursen (l.) und Ole Carlsen erläutern in der Entbeinungsabteilung, wie der Roboter funktioniert – und warum niemand um seinen Arbeitsplatz fürchten muss. Foto: Sara Eskildsen

Per Laursen ist Produktionsdirektor und arbeitet eng mit der Entwicklungsabteilung in Randers zusammen. Er sagt: „Auf diese Weise werden wir ein attraktiverer Arbeitgeber.“

Generell gehe es darumm, ein besseres Arbeitsmilieu zu schaffen und gute Mitarbeitende zu finden – und zu behalten.

„Unsere Angestellten werden geschont “

„Den Angestellten einen bestmöglichen Arbeitsplatz bieten, das ist unser Ziel. Es ist schon jetzt schwer, neue Angestellte zu finden“, sagt Laursen.

„Investitionen in eine neue Technologie müssen als Investition in ein verbessertes Arbeitsmilieu zu Gunsten der Angestelten betrachtet werden, und in die Möglichkeit, effektiver zu produzieren. Es ist eine teure Investition – aber sie wird sich auszahlen. Unsere Angestellten werden geschont – und können lange für uns arbeiten.“

Ein Fleischspieß nach dem anderen fährt in die Entbeinungshalle. Hier am Roboter legt der technische Mitarbeiter die Stücke aufs Band. Foto: Sara Eskildsen

Die Gesundheit der Angestellten lässt sich Danish Crown etwas kosten. Der Konzern investiert einen „dreistelligen Millionenbetrag“, so die Auskunft, um das Robotersystem zu entwickeln – und in den Schlachtereien zu implementieren.

Der Produktionsstandort Blans ist der erste, wo der Roboter in der alltäglichen Fleischverarbeitung zum Einsatz kommt – zuvor stand er in einem Proberaum der Schlachterei in Ringsted, entwickelt wurde er in Randers.

7.600 Hebe- und Senkbewegungen in der Tagesproduktion

Der Roboter kann pro Schicht rund 3.800 Fleischstücke bewegen, das macht 7.600 Hebebewegungen in der Tagesproduktion. Die Greifarme nehmen den Angestellten buchstäblich die Arbeit ab – ein Fleischstück wiegt zwischen 7 und 12 Kilo.

63.000 Schweine werden pro Woche in der Fabrik in Blans geschlachtet. Foto: Karin Riggelsen

Ziel ist es, im Laufe der kommenden Jahre an allen 13 Laufbändern, an denen entbeint wird, einen Hebe-Roboter zu installieren.

Anfang Herbst kommen weitere Roboter in der Grobzuschneideabteilung hinzu, wo sie Fleischstücke aufnehmen und zur Weiterverarbeitung aufhängen werden. „Generell sind einige neue Roboter unterwegs“, sagt Ole Carlsen.

Ein neuer Mitarbeiter ohne Bandscheiben …

Fabrikleitung und Mitarbeitende sind froh über ihren neuen, zweiarmigen Mitarbeiter. Und sie sind auch ein bisschen stolz, dass gerade Blans für den Prototyp ausgewählt wurde. Grund hierfür waren die modernen Anlagen – und genügend Platz.

Jeder Roboter muss für jeden Arbeitsbereich gezielt „eingearbeitet“ werden, sagt Per Laursen. „Denn die Produktionsbedingungen sind überall verschieden.“

Morten Jensen ist einer der Mitarbeiter, die sich mit der neuen Technik befassen – und dementsprechend ausgebildet werden. Foto: Sara Eskildsen

Weniger Arbeitsplätze wird es aufgrund der Roboter nicht geben. So werden diverse Angestellte mit Blick auf die Bedienung der neuen Anlagen geschult und eingearbeitet.

Einer von ihnen ist Morten Jensen. Er ist für die Systemsteuerung zuständig. „Die Rückmeldung von meinen Kollegen am Band ist klar: Es ist eine sehr positive Veränderung ihres Arbeitsplatzes, dass sie nicht mehr so schwer heben müssen. Das sind wirklich viele Hebebewegungen am Tag!“

Auch ein Roboter muss dazulernen

Er arbeitet daran, dass der Roboter immer besser darin wird, die Fleischstücke zu bewegen. Denn nicht jedes Stück ist gleich groß – und so muss der Roboter nach und nach feinjustiert werden.

„Es geht in die richtige Richtung. Es gibt immer noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber wir arbeiten daran. Es ist ja ein Prototyp – und wir müssen uns nach und nach besser kennenlernen.“

Der Schlachterei-Chef vor dem Eingangsportal aus dem Jahr 1977. Am Schlachtereistandort in Blans wird derzeit renoviert, auch die Eingangspartie wird umgebaut und modernisiert. Foto: Karin Riggelsen

Angestellte wie Morten werden in Zukunft mehr und mehr gebraucht. „Da wird firmenintern ein ganz neues Mitarbeiterbild entstehen“, sagt Fabriksleiter Carlsen.

„Wir werden eine Mannschaft aus unseren Mitarbeitenden zusammenstellen, die ausgebildet werden, um diese neue Technologie zu handhaben“, sagt Per Laursen. „Sodass wir Leute mit Kenntnisse von der Fleischverarbeitung haben, die aber auch über technisches Wissen und Fertigkeiten verfügen.“

Die letzten schweren Arbeitsaufgaben im Fokus

Die Schlachterei arbeitet seit 15 Jahren daran, die körperliche Belastung der Angestellten zu minimieren. Bei der Verpackung und dem Weitertransport der Waren laufen bereits viele Arbeitsgänge automatisiert ab.

„Jetzt nehmen wir uns die Arbeitsbereiche vor, wo die letzten schweren Hebebewegungen von Robotern übernommen werden“, sagt der Fabrikchef.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Ein Leck in unserer Gesellschaft“