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Coole Stoffwindeln verhalfen Sonderburgerin zum neuen Job

Coole Stoffwindeln verhalfen Sonderburgerin zum neuen Job

Coole Stoffwindeln verhalfen Sonderburgerin zum neuen Job

Sonderburg/Sønderborg
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Sarah Hansen mit einer Stoffwindel und ein paar Wollhosen ihres kleinen Axels. Foto: Karin Riggelsen

Sarah und Andreas Hansen haben mit ihrem noch sehr jungen Webshop „Pusleriet.dk“ voll ins Schwarze getroffen.

Wer seinem Baby oder Kleinkind ein komfortables Leben bescheren will, der besorgt sich Einmalwindeln. Die können schnell und einfach gewechselt und ruckzuck entsorgt werden.

Das wollte die 26-jährige Sarah Beck Hansen aber auf keinen Fall, als sie vor anderthalb Jahren den kleinen Aksel zur Welt brachte. Sie steht auf Stoffwindeln – und das müssten weitaus mehr Familien tun, so die Einstellung der umweltfreundlichen Sonderburgerin.

Sie und ihr Mann Andreas haben im Januar ihren Webshop „pusleriet.dk“ eröffnet.

„Ich hatte früher selbst mal eine Allergie, und gerade Kinder können ja sehr empfindlich reagieren. Einmalwindeln sind aus Papier und Plastik und da gibt es Zusatzstoffe, die ich lieber vermeiden möchte“, erklärt Sarah Hansen.

Sie erkundete den Markt im Internet – und entdeckte viele Verbesserungsmöglichkeiten. Wenn man die Waren im Webshop nicht anfassen kann, dann müssen sie sehr genau und korrekt beschrieben werden.

Und das haben Sarah und Andreas Hansen intensiv und ganz modern in Angriff genommen. Sie beschreiben die verschiedenen Stoffwindeln und anderen Waren sehr genau – nicht zuletzt auch die Größe.

Ein Video beschreibt, wie die Windeln hantiert werden, warum sie mit so vielen Knöpfen oder Klettband versehen wurden und wie sie optimal angepasst werden können.

„Ich setze möglichst immer auf Naturmaterialien“, gibt Sarah gerne zu. „Pusleriet.dk“ hat 18 Marken und die verschiedenen Waren kauft die Unternehmerin in der Tschechoslowakei, Polen, Schottland, Deutschland und Kanada ein.

„Mir fiel immer auf, dass man eigentlich viel zu wenig Infos auf den Homepages erhält. Ich wusste, dass es da Verbesserungsbedarf gibt“, meint die 26-Jährige.

Alle können sich auf ihrer Homepage darüber informieren, mit welcher Windel das eigene Baby oder Kleinkind ausgestattet werden sollte.

Was als Hobbyprojekt mit 200 Produkten begann, hat sich nun zu einem Laden mit über 500 Produkten gemausert. Das eine Zimmer der modernen Wohnung des Paares ist mit Regalen ausgestattet, wo die verschiedenen Produkte ordentlich gestapelt gelagert werden.

Stoffwindeln sahen früher ganz anders aus Foto: Karin Riggelsen

Die ausgebildete Büroassistentin hat im vergangenen Dezember übrigens ihren Job bei Danfoss gekündigt. Nun widmet sie sich ausschließlich ihrem Webshop. Seit Monaten verschicken sie und ihr Mann Andreas jeden Tag verschiedene Produkte.

„Man hat eigentlich nie ganz frei. Aber ich entscheide alles selbst. Tagsüber kann ich mich auf Aksel konzentrieren, und Abends packen wir dann die Pakete“, meint Sarah Hansen lächelnd. Pusleriet hat hauptsächlich Kunden aus Dänemark, beliefert aber auch Briten mit den kanadischen Stoffwindeln.

Wer meint, dass Stoffwindeln eine teure Lösung sind, muss umdenken.

„Gute Windeln, Nachtwindeln und Zubehör sind bei uns für 5.000 Kronen zu haben. Wer nur mit Einmalwindeln arbeitet, zahlt aber 7.500 bis 8.500 Kronen pro Kind während der gesamten Windeltragezeit. Im Supermarkt kauft man natürlich nicht so viele Windeln auf einmal und merkt dann gar nicht, wie viel man unterm Strich dafür ausgibt“, so Sarah Hansen.

„Unsere Windeln kosten um die 200 Kronen, und für ein Kind braucht die Familie 20 bis 25 davon“, sagt sie. Je nach Verschleiß kann eine Windel bis zu drei Kinder lang halten.

Stoffwindeln oder die Einlagen, es kommt immer auf das Design an, werden jeden zweiten oder dritten Tag gewaschen. Sie werden in einem besonders sorgfältig verschlossenen, geruchsneutralen Behälter aufbewahrt.

Ich fand das ja eigentlich ein wenig altmodisch. Es war hippiemäßig.

Sarah Hansen

Die erste, die Sarah Hansen vor einigen Jahren auf Stoffwindeln aufmerksam machte, war eine Freundin. Die angehende Hebamme hatte während eines Aufenthaltes in Amerika bemerkt, dass die jungen Mütter ihre Kleinen nicht in Einmalwindeln hüllten.

„Ich fand das ja eigentlich ein wenig altmodisch. Es war hippiemäßig“, gibt Sarah Hansen lächelnd zu. Aber neugierig war sie trotzdem geworden. Auf Youtube schaute sich die junge Frau einige Beiträge über die sogenannten „clothdipers“ an. „Das war eigentlich eine sehr gute Sache. Andauernd Windeln kaufen und alles anschließend wegwerfen. Das war überhaupt nicht mein Ding“, erklärt sie.

Andreas Hansen hat seine Frau in ihrem Projekt immer unterstützt. Der IT-Programmierer hat auch die Homepage entworfen.

„Unsere Weihnachtszeit so kurz vor dem Start war aber schon recht hektisch. Aber jetzt läuft alles“, meint er lächelnd.

In ihren Webshop hat die Sonderburger Familie um die 100.000 Kronen investiert. Alles, was eingenommen wird, wird in neue Waren gesteckt.

Eines der neuesten Produkte sind übrigens Stoffbinden für Frauen. „In denen steckt keine Chemie. Auch in diesem Punkt sind Frauen umweltbewusster geworden“, so Sarah Hansen.

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