Tanzleidenschaft

„I’m doing the Hop ... the Lindy Hop“

„I’m doing the Hop ... the Lindy Hop“

„I’m doing the Hop ... the Lindy Hop“

Bettina P. Oesten
Sonderburg/Sønderborg
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Naja und Mark Hymøller sind begeisterte Swing/Jazz-Tänzer und möchten jetzt die Nordschleswiger mit dem Lindy-Hop-Virus anstecken. Foto: Karin Riggelsen

Naja und Mark Hymøller zelebrieren mit ihrer Tanzleidenschaft das Comeback der 20er Jahre. Am 14. September geben sie einen Tanzworkshop in Gravenstein.

Als Charles Lindbergh 1927 in seiner kleinen „Spirit of St. Louis“ allein den Atlantik überquert hatte, titelten die Zeitungen: „Lucky Lindy Hops the Atlantic“. Lindy - so lautete der Kosename des zu dem Zeitpunkt wohl berühmtesten Mannes der Welt. In Harlem in New York vergnügte man sich in den Tagen im legendären Savoy Ballroom mit einem Tanzstil, der heute als Vorläufer des Jive und Boogie-Woogie gilt. Nach dem Namen dieses neuartigen Tanzes gefragt, soll ein Tänzer geantwortet haben: „I’m doing the Hop... the Lindy Hop“, wobei er an die aktuellen Schlagzeilen gedacht haben dürfte.

Nach dem Krieg geriet der Lindy Hop lange Zeit in Vergessenheit – heute ist er bei der internationalen Fangemeinde so beliebt wie noch nie. Im schwedischen Herräng findet jedes Jahr ein Lindy-Hop-Festival statt, weit über eintausend Tänzer aus aller Welt pilgern dorthin, um in dem 400-Seelen-Dorf ihre Tanzbegeisterung unter Gleichgesinnten auszuleben und einige der inzwischen weit über 90-jährigen Lindy-Hop-Legenden, die trotz Alterszwicken den weiten Weg über den Atlantik nicht gescheut haben, hautnah mitzuerleben.

Auch wenn ihr betagter Bewegungsapparat eingeschränkt sein mag und die Sohle, die sie aufs Parkett legen, nicht mehr ganz so flott ist – der Rhythmus pulsiert noch genauso heiß durch ihr Blut wie in jenen Harlemer Pioniertagen, und da können selbst minimalistische oder auch nur angedeutete Tanzbewegungen eine ganze Fanschar in spontane Begeisterung versetzen.

Spaß steht beim Lindy Hop im Vordergrund. Foto: Karin Riggelsen

Bereits zweimal in Herräng

Mark und Naja Hymøller aus Sonderburg waren bereits zweimal in Herräng. Sie würden wieder hinfahren, ohne Frage, aber dafür müssten ihre beiden Kinder Mikkel (3 Jahre) und Nete (10 Monate ) etwas älter sein. Er hörte während eines Aufenthaltes auf Island zum ersten Mal vom Lindy Hop, ihre Begeisterung wurde durch eine Studienfreundin geweckt. Im Verein Aarhus Lindy Hoppers lernten sie sich kennen und lieben – seitdem begleitet sie der Tanz, der vor allem eines zum Ausdruck bringt: Ausgelassenen Tanzspaß, Freude am Leben, an der Musik und an der schwungvoll-rhytmischen Bewegung.

Noch gibt es nicht viele Lindy-Hop-Tanzvereine in Dänemark. Auch in Sonderburg, wo sich der 31-jährige Bauingenieur und die 30-jährige Ärztin nach beendetem Studium niedergelassen haben, sucht man vergeblich danach. Das möchte das sympathische junge Paar unbedingt ändern.

Vermissen Gemeinschaft mit anderen Lindy Hoppers

„Wir vermissen hier einfach die Gemeinschaft mit anderen Lindy Hoppers“, geben der gebürtige Sonderburger und seine aus Hobro stammende Frau zu. „Wenn man einmal Blut geleckt hat, kommt man einfach nicht mehr davon los.“

Jetzt wollen sie es wissen: Am 14. September laden sie zu einem 6-stündigen Schnupperkurs im Verein „Dance All Over“ in Gravenstein ein und verbinden damit die Hoffnung, andere mit dem Lindy-Hop-Virus anzustecken. Es wäre schön, sagen sie, wenn sich mit der Zeit etwa zehn Paare zusammenfinden würden, die sich neben dem gewöhnlichen Unterricht zu Tanzveranstaltungen verabreden, so wie es in der Lindy-Hop-Community gang und gäbe ist.

Wenn irgendwo ein Swing- oder Jazzkonzert gegeben wird und vor der Bühne wie aus dem Nichts plötzlich Tanzpaare auftauchen und ihrer Tanzfreude freien Lauf lassen, dann handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Lindy Hopper.

Offen für alle Altersgruppen

„Wer Swing und Jazz, Fröhlichkeit und Spontanität liebt, der ist bei uns richtig. Der Kurs ist offen für alle Altersgruppen, und man muss keineswegs toppfit sein. Lindy Hop ist ein sehr sozialer Tanz; man wechselt in der Gruppe häufig den Tanzpartner, lernt so viele neue Menschen kennen. Um es gleich vorwegzunehmen: Man braucht keinerlei Vorkenntnisse. Es geht beim Lindy Hop auch darum, zu improvisieren und seinen eigenen Tanzstil zu entwickeln. Einige machen Tanzakrobatik, andere lassen es auf dem Tanzparkett ruhiger angehen. Das bleibt jedem selbst überlassen.“

Der Kurs von Mark und Naja geht von 10 bis 16 Uhr und kostet 175,00 Kronen. Anmeldung unter: www.danceallover.dk. Noch sind Plätze frei!

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