Kultur

Das Freilichtspiel geht unter die Haut

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Iller
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Der Bruder des Besitzers kehrt einarmig zurück und übernimmt die Werksleitung, gegen den Willen von Ingeborg. Foto: Karin Riggelsen

Ziegeleimuseum Cathrinesminde ist Kulisse für das Theaterstück „Fare, fare Krigsmand“ aus der Feder von Jacob Clausen. Noch sind Karten zu haben.

Es sind Amateure, die im Ziegeleimuseum Cathrinesminde das Theaterstück „Fare, fare Krigsmand“ aufführen. Sie tun das mit so viel Herzblut, mit so einer Spielfreude, so einem Engagement, die Gänsehaut erzeugen. Ihre Intensität und Ausdrucksfähigkeit vermögen es, den Zuschauer mit der Vergangenheit so zu konfrontieren, als ob er selbst mittendrin im Geschehen ist.

Das spielt jedoch im Ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren am 11. November 1918 zu Ende war. Es ist die Geschichte des Ziegeleibesitzers Christian Hollensen und seiner Haushälterin Ingeborg. Die Feier zu ihrem 30. Geburtstag endet abrupt, durch den Aufruf zur Mobilmachung. Hollensen wird eingezogen sowie zwei Mitarbeiter, ein Gehbehinderter und ein siebenfacher Familienvater. Der Ziegeleibesitzer vertraut seiner Haushälterin das Werk an. Ingeborg meistert diese Aufgabe mit Durchsetzungsvermögen und Verständnis, den Sorgen der Frauen gegenüber, die nun in der Ziegelei arbeiten müssen, um sich und ihre Kinder zu versorgen.

Das hindert manche nicht daran, als sozialistisch verdammte Gedanken zu äußern. Sie fordern mehr Lohn und singen die Internationale. Sie eint jedoch das Warten auf den Postboten. Hat er einen Brief von meinem Liebsten dabei? Auch Ingeborg wartet, denn sie und Hollensen schreiben sich fast täglich. „Auch wenn Deutschland im Krieg ist, das deutsche Postwesen funktioniert“, sagt Ingeborg. Beide verfassen um die 700 Briefe, die im Sonderburger Schloss aufbewahrt sind. Diese bilden das Fundament, aus dem Dramatiker Jacob Clausen das Stück geschrieben hat. Regie führt Kristian Hald.

Zuschauer kann sich auch amüsieren

Von der Generalprobe am Dienstag ist er begeistert: „Sie gehen noch mehr in die Tiefe“, zieht er einen Vergleich zur Uraufführung von „Fare, fare krigsmand“ vor zwei Jahren, mit fast denselben Darstellern. Der Zuschauer kann sich aber auch amüsieren, trotz des bitterernsten Themas. „Es sind diese Augenblicke, die einem das Leben erleichtern“, sagt eine Frau beim Fest, das der Kriegsgefangene Pierre gibt. Er ist Ingeborg eine große Hilfe. Beide finden sich sehr sympathisch, was die Arbeiterinnen dazu bringt, Anweisungen Ingeborgs mit „Oui, oui, Madame“ zu beantworten.

Das Stück wird nach der gestrigen Premiere am Donnerstag und am Freitag ab jeweils 19.30 Uhr und am Wochenende ab jeweils 15 Uhr aufgeführt. Karten gibt es an der Abendkasse. Heute werden 150 Schüler der Sundewitter Nachschule das Stück verfolgen, auf Einladung des Veranstalters „Cathrinesmindes Venner“. „Es sind ja die Jungen, die das Stück sehen sollen. Es ist ein sehr wichtiger Teil der dänischen Geschichte. Ich habe alle Nachschulen eingeladen, nur zwei haben geantwortet. Es ist ja Examenszeit, leider“, meint der Vorsitzende Carsten Hauerberg.

Die Darsteller zumindest verdienen es, vor vollen Zuschauerrängen zu spielen. Der Zuschauer darf gewiss sein: Er wird reich beschenkt mit Eindrücken, die auch unter die Haut gehen.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Eine Chance für DR“