Kulturszene

Der FFKK gibt Heimat – und wünscht sich ein Zuhause

Der FFKK gibt Heimat – und wünscht sich ein Zuhause

Der FFKK gibt Heimat – und wünscht sich ein Zuhause

Rinkenis/Rinkenæs
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FFKK-Vorsitzende Inge Olsen (l.) und Gründungsmitglied Karin Baum im Rinkenæshus, wo sich der Verein 2005 gründete. Foto: Sara Wasmund

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Der Verein Flensborg Fjords Kunst & Kulturforening ist inmitten der Conona-Krise 15 Jahre alt geworden. Jetzt läuft der Kunst- und Kulturbetrieb wieder an, und der Verein freut sich auf ein großes Geburtstagsfest. Was FFKK ausmacht, erzählen die Vorsitzende und ein Gründungsmitglied im Interview.

Ein dänischer Verein, in dem zu gleichen Teilen Deutsch und Dänisch gesprochen wird und dessen Mitglieder von beiden Seiten der Grenze kommen, ist eine Seltenheit in Dänemark. Und zeigt die besondere Normalität im deutsch-dänischen Grenzland: Der Flensborg Fjords Kunst & Kulturforening (FFKK) ist seit über 15 Jahren ein Bindeglied für Künstlerinnen und Künstler im Grenzland.

Rund 150 Mitglieder aus Deutschland und Dänemark

Der Verein ist inmitten der Corona-Krise 15 Jahre alt geworden. Mittlerweile haben die rund 150 Mitglieder aus Deutschland und Dänemark den öffentlichen Kunstbetrieb und gemeinsame Aktivitäten wieder aufgenommen. Sie planen Ausstellungen und das große Geburtstagsfest fürs nächste Jahr. Und nehmen sich Zeit, zurückzublicken.

Eine Ausstellungswand zeigt Zeitungsartikel und Flyer aus den vergangenen 15 Jahren. Foto: Sara Wasmund

Wer kam eigentlich auf die Idee, einen Kunstverein für deutsche und dänische Künstler zu gründen? Karin Baum war eine der Initiatorinnen hinter der Bewegung. Sie erinnert sich. „Damals wohnten mein Mann Jürgen und ich in Rinkenis, und Jürgen suchte als Künstler Anschluss zu anderen. Wir wollten eine Kunst-Aktiv-Gruppe gründen und luden im Dezember 2004 zu einem ersten Treffen ein“, so Karin Baum, die längst auch als Künstlerin beteiligt ist.

Erster Vorsitzender John Balle

Im März 2005 kam es aus dieser Initiative heraus zur Gründungsversammlung von Flensborg Fjords Kunst & Kulturforening im Rinkenæshus in Rinkenis. Vorsitzender wurde John Balle, Hannelore Nicolaysen Sekretärin und Søren Gülck Kassierer.

Ziel und Zweck des Vereins wurden definiert: „Ziel des Vereins ist es, alle Formen lokaler, nationaler und grenzüberschreitender Kunst und Kultur durch verschiedene Veranstaltungen nördlich und südlich der Grenze zu verbreiten. Der FFKK ist Plattform und Netzwerk für grenzüberschreitende kulturelle Initiativen. Im dynamischen Miteinander entwickeln die Mitglieder ständig neue Ideen auf beiden Seiten der Grenze.

Ein FFKK-Kunsthappening an der Schusterkate Foto: FFKK

Hat der Verein seine eigenen Visionen von damals in die Tat umsetzen können? Gründungsmitglied Karin Baum sagt: „Ja, ich denke wir haben unsere Ziele absolut in die Tat umgesetzt. Wir machen Ausstellungen, Fahrten, wir lernen neue Künstler kennen. Es gibt Ausflüge, wir inspirieren uns gegenseitig und veranstalten Workshops, wir treffen uns in verschiedenen Ateliers und organisieren Kunstfahrten zur NordArt oder nach Kolding. Es gibt viele, viele Aktivitäten!“, sagt Karin Baum.

Der Verein ist zur Heimat für Künstlerinnen und Künstler aus dem Grenzland geworden, sagt Baum. Die erste offizielle Ausstellung des Vereins fand 2005 in der alten Kirche in Rinkenis statt. Die Aktion „Kunst in der Kirche“ wurde ein voller Erfolg. Das Kulturministerium in Kiel ließ dem neuen Verein 3.000 Euro zukommen, sodass sich der Künstlerzusammenschluss ein erste eigene Broschüre leisten konnte.

Aus „Kunst in der Kirche“ wurde in Deutschland eine „Kunst im Kloster“-Ausstellung in Schleswig – und die grenzüberschreitenden Ausstellungen nahmen ihren Lauf.

Förde-Schule als fester Ausstellungs-Partner

Die Förde-Schule wurde zum festen Kultur-Partner. Einmal im Jahr stellt FFKK in den Räumen der Schule aus, in diesem Jahr ist es am 7. November in der Förde-Schule so weit. Seit 2016 ist die „Rote Scheune“ an der Gravensteiner Landwirtschaftsschule ein fester Ort für Ausstellungen, im Mai 2022 wird die nächste Werkschau eröffnet.

FFKK stellte im Laufe der Jahre in der Flensburger Zentralbibliothek aus, in den Rathäusern in Flensburg und Husum, im Augustenburger KunstPunkt und Augustiana, im Schifffahrtsmuseum in Flensburg oder in der Pinneberger Drostei, um nur einige zu nennen. 2016 startete eine mehrjährige Wanderausstellung durchs Grenzland, und 2021 gab es Tages-Events an der Schusterkate, um das Kulturleben nach der Corona-Krise wieder anzukurbeln.

„Über die gemeinsamen Ausstellungen hinaus sind die einzelnen Mitglieder aktiv, veranstalten ihre eigenen Ausstellungen und Aktivitäten, auch dazu dient unsere Internetseite als Plattform“, sagt die Vorsitzende Inge Olsen.

Beim Aufhängen der Ausstellung in der Förde-Schule 2020 Foto: Karin Riggelsen

Im Frühjahr 2022 will FFKK ein großes Geburtstagsfest feiern, zusammen mit dem Gravensteiner Verein „Kulturlandsbyen 6300“, der 2020 zehn Jahre alt wurde.

Dass im Verein sowohl Deutsch als auch Dänisch gesprochen wird, zeige den Respekt voreinander, sagt Inge Olsen. „Nicht alle unserer Mitglieder verstehen perfekt Deutsch, nicht alle verstehen perfekt Dänisch. Daher ist es ein Zeichen von Toleranz und Rücksicht, dass wir weiterhin beide Sprachen sprechen, ob auf der Generalversammlung oder auf der Internetseite. Und viele versuchen gegenseitig, die Sprache der anderen zu lernen, auch das ist ein schöner Nebeneffekt des Zusammenseins“, sagt die Vorsitzende.

Wir wünschen uns wirklich ein Zuhause, in dem wir unsere Vereinsaktivitäten abhalten können. Einen Ort, wo wir Ausstellungswände oder andere Gegenstände lagern können. Einen Ort, der unser Zuhause ist.

Inge Olsen, Vorsitzende FFKK

Für die Zukunft wünscht sich der Verein das, was man in all den Jahren nicht hatte: ein festes Zuhause. „Wir haben immer wieder unsere Fühler ausgestreckt, auch zusammen mit der Kommune. Die alte Polizeistation in Gravenstein war im Gespräch, auch der alte Bahnhof“, erinnert sich Inge Olsen, die seit 2014 Vorsitzende von FFKK ist.

Generalversammlung am 13. Oktober

„Aber es ist nichts daraus geworden. Wir wünschen uns wirklich ein Zuhause, in dem wir unsere Vereinsaktivitäten abhalten können. Einen Ort, wo wir Ausstellungswände oder andere Gegenstände lagern können. Einen Ort, der unser Zuhause ist.“

Die Generalversammlung von FFKK findet am 13. Oktober ab 19 Uhr im Rinkenæshus statt. Dort, wo im März 2005 alles begann.

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